Fußball

Michael Preetz: "Hier ist viel zu tun"

Foto: imago sportfotodienst

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Berlin. Der Berliner Fußball ist eine große Baustelle. Aufräumen soll bei Hertha BSC seit 11. Juni ein neuer "Geschäftsführer Sport": Rekordtorjäger Michael Preetz ist der Nachfolger des zuvor omnipräsenten Dieter Hoeneß.

Bei jedem Schritt steigt eine kleine braune Wolke auf. Es ist heiß, es ist trocken. Und es sieht aus, als ob ein großer, dünner Mann durch die afrikanische Wüste marschieren würde. Doch Michael Preetz, der große, dünne Mann, läuft lediglich über den staubigen Parkplatz vor der Geschäftsstelle von Hertha BSC Berlin zur Pressekonferenz, neben ihm geht Trainer Lucien Favre über den Schotter. Weder vor noch hinter Preetz ist der Mann, der 13 Jahre lang für Hertha BSC stand wie der Herr Kaiser für die Hamburg-Mannheimer: Manager Dieter Hoeneß hat Anfang des Sommers aufgehört. Und nun ist der vor 41 Jahren in Düsseldorf geborene Preetz als Geschäftsführer Sport alleinverantwortlich für die Geschicke des Fußball-Bundesligaklubs, der stets einer großen Baustelle gleicht. Preetz kommt in den ersten Tagen ins Schwitzen und wirbelt viel Staub auf. Es ist wirklich heiß in Berlin.

"Keine Hau-Ruck-Aktionen"

„Mit mir gibt es keinen Alleingang und keine Hau-Ruck-Aktionen. Ich setze auf ein Miteinander”, kündigt Michael Preetz bei seiner Vorstellung selbstbewusst an. „Den Weg, den Trainer Lucien Favre eingeschlagen hat, werden wir konsequent fortsetzen.” Also: Keine Alleingänge, wie sie der mächtige Dieter Hoeneß gerne mal startetete. Und: Favres, nicht Hoeneß' Weg, wird fortgesetzt. Ex-Stürmer Preetz, dem 1986 bei Fortuna Düsseldorf der Sprung in die Bundesliga gelang und der es nach Stationen beim 1. FC Saarbrücken, MSV Duisburg und der SG Wattenscheid 09 auf sieben Länderspiele (drei Tore) schaffte, setzt auf kontrollierte Offensive.

Den Namen seines omnipräsenten Vorgängers, von dem er sich abnabeln möchte, nimmt er selbst nun nicht mehr in den Mund. Werden Fragen über Hoeneß gestellt, redet Preetz über seine Arbeit. Und Trainer Favre. Und das Gesamtprojekt Hertha BSC. Das über einen ziemlich staubigen Parkplatz und auch einen unspektakulären, langweiligen Kader (Ausnahme: Arne Friedrich) verfügt - dennoch aber gut genug für die obere Etage der ersten Liga sein will. Berlin ist eine Weltstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten - die Hertha gehört trotz aller Versuche und des jüngsten Aufschwungs aber immer noch nicht dazu. „Hier ist sehr viel zu tun. Wir stecken in einem Übergang”, sagt Michael Preetz, der einst ein anderthalbjähriges Sportmanagement-Fernstudium absolvierte und derzeit täglich von morgens acht bis spät abends im Einsatz ist. Alles für die Kicker. Alles für den Klub.

Eine Sorge weniger

Als Preetz und Favre kürzlich gemeinsam ihren neuen Angreifer Artur Wichniarek den Journalisten präsentierten, lehnte sich Preetz grinsend zurück und trank genüsslich einen Becher Wasser leer. Er, der einstige Torschützenkönig der Bundesliga (1999/23 Treffer), hatte nach dem Abgang von Pantelic und Voronin den Polen aus Bielefeld als neuen Sturmführer verpflichtet. Eine Sorge weniger also für den neuen Sportchef.

Allerdings: Wichniarek scheiterte in seiner ersten Zeit bei Hertha. Trotz prominenter Offensiv-Mitspieler wie Marcelinho und Fredi Bobic gelangen ihm in zweieinhalb Jahren nur vier Treffer und er flüchtete im Ärger mit den Berliner Fans. Preetz jedoch, der kurz vor der Ankunft Wichniareks 2003 seine Spielerkarriere bei der Hertha beendete, setzt voll auf den Polen. Auch, weil trotz des Verkaufs von Abwehrmann Josip Simunic nach Hoffenheim (7 Millionen) kein Geld für bessere Spieler da ist. Dass Wichniarek regelmäßig trifft, nimmt Preetz an. Dass Wichniarek seinen Bundesligarekord von 84 Hertha-Toren knacken kann, sei „unrealistisch”, so der 41-Jährige. „Aber ich habe bei ihm ein sehr gutes Bauchgefühl.”

Preetz hält sich meist bedeckt, wenn's um ihn selber geht. Die Frage, ob er bei der Abwicklung seines ersten Transfers - ohne Hoeneß - unsicher gewesen sei, verneint er gelassen. „Ich bin ja schon lange im Geschäft.” Nervös? „Nee.” Ob er seinen Vorgänger schon mal angerufen hat? „Nein, nein. Da ist nichts passiert.” Preetz antwortet schnell, höflich und sieht elegant aus: gegeelte schwarze Haare, braune Schuhe, Khaki-Hose, braunes Poloshirt.

Ungeeignete Kleidung für eine große Baustelle. Eigentlich. Doch bei Michael Preetz passt's.

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