Modelkarriere auf einem Bein

Gefragt trotz Handicap: Mario Galla. Foto:Manuel Pandalis

Gefragt trotz Handicap: Mario Galla. Foto:Manuel Pandalis

Foto: NRZ

Mario Galla ist in der Modebranche gefragt – und das trotz Sportprothese mit Carbongelenken.

Wenn er über den Laufsteg geht, humpelt er leicht. Egal. Mario Galla (26) zählt trotzdem zu den gefragtesten Männermodels der Branche. Seit fast fünf Jahren verdient der Hamburger Geld mit seinem Aussehen. Namhafte Labels wie Hugo Boss, Alexis Mabille oder Michael Michalsky schätzen seinen Typ: Galla hat hellblonde, akkurat kurz geschnittene Haare, blonde Augenbrauen und helle Wimpern. Blaue Augen, ein ebenmäßiges Gesicht und muskulöse Arme. Nur einen Makel hat das Model: Sein rechtes Bein ist 20 Zentimeter zu kurz.

Behinderung warnie ein Hindernis

Mario Galla wurde nämlich mit einer Fehlbildung des rechten Beins geboren. Seit seinem dritten Lebensjahr muss er eine Prothese tragen. Gestört hat ihn das nie. Trotz Handicap spielt er Fußball, stemmt Gewichte, macht sein Abitur und schließt eine kaufmännische Lehre ab. „Meine Behinderung war nie ein Hindernis für mich“, sagt Galla. Auch nicht, als er mit 21 Jahren in einer Imbissbude entdeckt wird.

Ein Model-Scout wird dort auf den großen Blonden aufmerksam. Beide tauschen die Handynummern aus. Ein paar Wochen später ist Mario Galla in der Model-Agentur für Probeaufnahmen. „Ich habe erst einmal gar nichts von meinem Handicap erzählt“, erinnert er sich, „doch dann wollte der Fotograf mich in Boxer-Shorts ablichten, um zu sehen, ob ich gut in Form bin. Ich dachte mir nur: ‘Das war es dann wohl’.“ Zu Gallas Verwunderung blieb der Fotograf „cool“. „Er fotografierte die Prothese ganz natürlich, weil es ja nichts Alltägliches in der Mode-Branche ist. Dann meinte er nur, dass wir das auf jeden Fall hinkriegen“. Mario Galla zweifelte daran. Letztlich behielt der Fotograf Recht.

Nur knapp zwei Monate später bekommt Mario Galla die Chance, für Hugo Boss in Italien zu laufen. Sein erster richtiger Job. Richtig bekannt wird er aber erst, als er 2010 auf der Berliner Fashion Week für Michael Michalsky arbeitet. Der Designer schickt Galla mit kurzer Hose und mit Beinprothese auf den Laufsteg. Erstmals. Alle sehen seine Behinderung. Die Bilder der Modenschau gehen um die Welt. Das Resultat: Inzwischen ist Galla in Hochglanzmagazinen abgedruckt und läuft bei Modenschauen internationaler Designer. Und kommt dabei immer wieder in unangenehme Situationen, wenn er bei den Anproben seine Prothese zeigt. „Wenn die Kunden zum ersten Mal sehen, dass da was anders ist – dann wird so geguckt, als wenn gerade ein Raumschiff durch den Raum fliegt“. Galla versucht daher, diese Berührungsangst schnell zu nehmen.

MenschenKraft geben

Seit seinem Auftritt für Michalsky ist Galla aber nicht nur ein bekanntes Model. Mit einem Mal wird der junge Mann, der nebenher noch Medienwissenschaften studiert, zum Vorbild für Menschen mit Behinderung. Eine ungewohnte Rolle für ihn, die er mit Stolz angenommen hat: „Schließlich habe ich gemerkt, dass ich den Menschen wirklich Kraft geben kann.“ Täglich bekommt er Emails und Briefe mit Lob und Fragen von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen. Die Geschichte, mit der er ihnen Mut macht, ist immer die gleiche: Es ist seine Lebensgeschichte. „Und die habe ich nun seit einiger Zeit auch in meinem Buch mit dem Titel ,Mit einem Bein im Model-Business – wie ich trotz Handicap zum Model wurde’ niedergeschrieben“, so der 26-Jährige.

Mario Galla ist davon überzeugt, dass sein lockerer Umgang mit seinem Handicap daher rührt, dass dieses eigentlich nie wirklich Thema war. „Meine Mutter hat mich einfach immer machen lassen. Mich nie mit Samthandschuhen angepackt. Wenn ich mal hingefallen bin, dann bin ich eben hingefallen“. Diskriminierung hat Galla nie erfahren. „Das ist eine Erfahrung, die ich nie machen musste. Ich habe mich immer zu 100 Prozent integriert gefühlt“. Gerade beim Sport habe er immer mit nicht-behinderten Menschen konkurriert. Mit Erfolg: „Im Sportunterricht hatte ich immer eine Eins.“

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