Verbraucher

Prospektflut der Post sorgt für Ärger

Foto: NRZ

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Essen. In Folie eingeschweißte Werbebroschüre "Einkauf aktuell" bringt Empfänger, Entsorger und Politiker auf.

Tag für Tag wird eine wahre Welle von Werbe-Wurfsendungen in die deutschen Briefkästen gespült. Ganz dick mit im Geschäft ist dabei auch die Deutsche Post, deren Boten sich nicht mehr allein auf den eigentlichen Auftrag der Briefzustellung beschränken. Obendrein verteilen sie jeden Samstag die Werbebroschüre "Einkauf aktuell" - nach Postangaben an bis zu 17,6 Mio Haushalte zwischen Kiel, dem Rhein-Ruhr-Gebiet und München. Das sorgt für Unmut: Verbraucher klagen über verstopfte Briefkästen und die Recyclingindustrie über die komplizierte Entsorgung des in Folie eingeschweißten Prospekts. Vertreter der Postnutzer sehen durch die zusätzliche Last, die die Briefträger schultern müssen, nicht zuletzt auch die pünktliche Zustellung der Post in Gefahr.

Ungeöffnet ins Altpapier

Anders als die Werbung von der Pizzabude oder dem Supermarkt um die Ecke besteht "Einkauf aktuell" nicht nur aus Papier, sondern auch aus einem Folienumschlag. Immer öfter werfen Verbraucher die unerwünschte Sendung ungeöffnet ins Altpapier, klagt die Entsorgungsbranche: "Wir haben Rückmeldungen, dass das zunimmt und Mehrarbeit verursacht", sagt Jörg Lacher, Sprecher des Bundesverbands für Sekundärrohstoffe und Entsorgung, der auch die Altpapierbranche vertritt.

Bei diesem Produkt sei "die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass viele Bürger das nicht wollen, und es so, wie sie es bekommen haben, direkt wieder in die Altpapiertonne werfen", sagt Branchenkenner Lacher. Aus dem Papier müssten die Sendungen dann von Hand wieder heraussortiert werden, "oder sie verschlechtern die Altpapierqualität". Lacher betont: "Grundsätzlich haben wir nichts gegen Werbung und andere gedruckte Erzeugnisse." Für problematisch halte man jedoch, "dass diese Prospekte in Folie eingeschweißt sind".

Unmut über "Einkauf aktuell" äußert auch der Deutsche Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT), der frühere Verband der Postbenutzer. "Letztlich finanziert sich die Post durch Werbung, und das führt zu einer Verschlechterung des Services - da sind wir dagegen", sagt Sprecher Dietmar Schnetz. Die samstägliche Zustellung des Werbepäckchens führe "ganz klar zu einer Verlängerung der Zustellzeit, wenn die Post nicht die Bezirke aufteilt oder Zusatzkräfte einstellt", so Schnetz. Laut Post-Sprecher Achim Gahr verteilen die Boten "Einkauf aktuell" auf ihren regulären Routen.

Deutliche Kritik für seine Werbepost musste der gelbe Riese schon von der Politik einstecken. Hessens Wirtschaftsminister Alois Riehl (CDU) erklärte bereits vor Jahren, der Bonner Konzern würde mit dem Werbeprodukt seine Monopolstellung auf dem Postmarkt missbrauchen. Jetzt zog die saarländische CDU-Landtagsfraktion nach: Das Produkt sei kein Glanzlicht vorbildlichen Umweltverhaltens und "könnte eben so gut ohne die Folie auskommen".

Post-Sprecher Gahr spricht von einem "erfolgreichen Produkt". Der Test, "Einkauf aktuell" in der Rhein-Main-Region neben samstags auch mittwochs zu verteilen, musste jedoch mangels Erfolg beendet werden, räumt er ein.

Zurück an den Absender

Dennoch schließt er eine Expansion in weitere Gebiete nicht aus. Wer "Einkauf aktuell" nicht in seinem Postkasten wünsche, müsse dies lediglich per Aufkleber "Keine Werbung" signalisieren. Das empfiehlt auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Allerdings gelte der Aufkleber dann für jegliche Postwurfsendung, betont Gahr. Möglichkeiten "kein Einkauf aktuell" zu fordern, gebe es nicht.

Angesichts der Mühen, die Verbraucher jede Woche mit der unerwünschten Werbung haben, regen sich schon Formen zivilen Ungehorsams. So wird von Empfänger berichtet, die das Werbepäckchen regelmäßig wieder in einen gelben Briefkasten der Post einwerfen - zurück an den Absender. (NRZ)

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