Leben

"Rücken gerade, Kopf hoch!"

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INTERVIEW. Die Krise trifft besonders die Frauen. Trotzdem kein Grund, zu resignieren, findet Lebensberaterin Marion Dietrich - zum Beispiel auf "Powerfrau" Tina Turner.

Langenfeld. Marion Dietrich, (50) arbeitet als "Lebens- und Veränderungsberaterin" für "Frauen 40plus". Ihr Lebensweg war selbst kurvig. Die gute Hauptschülerin fand von Haus aus nicht die Unterstützung fürs Gymnasium. Also wurde sie Rechtsanwaltsgehilfin, Ehefrau und Mutter. Nach langer Familienpause arbeitete sie in der Gastronomie, dann als PC-Anwendungsbetreuerin bei einer Gesellschaft der Deutschen Bank. Sie wurde in den Betriebsrat gewählt, war Betriebsratsvorsitzende für 1200 Arbeitnehmer und saß im Aufsichtsrat. Als Siemens die EDV-Tochter der Deutschen Bank übernahm, studierte Dietrich mit 47, bildete sich in Wirtschaft, Kommunikation und Psychologie fort. Zum Internationalen Frauentag am 8. März sprechen wir mit der von der Industrie- und Handelskammer zertifizierten "Change Managerin" aus Langenfeld über Krisen, Chancen und Stars wie Tina Turner, die sie für eine echte "Powerfrau" hält. So heißt auch Dietrichs Website.

NRZ: Frau Dietrich, was ist eine "Powerfrau"?

Dietrich: Eine Frau, die sich ihrer Stärke und ihres Potenzials bewusst ist. In der Generation "40plus" sind es leider noch zu wenige, junge Frauen sind da schon selbstbewusster.

NRZ: Ist man als "Powerfrau" vor einer Krise gefeit?

Dietrich: Natürlich nicht. Aber man geht anders damit um. Man kann eine Krise ja auch als Chance zur Veränderung nutzen.

Apropos - das chinesische Schriftzeichen für "Krise" und "Gefahr" ist übrigens gleichzeitig das Zeichen für "Chance".

NRZ: Wie sollte man der Krise entgegentreten?

Dietrich: Kurz jammern, wenn es einen trifft. Dann aber sich aufrappeln. Daran arbeiten, eine positive Einstellung zu den Dingen zu bekommen, wenn´s auch noch so schwerfällt. Nicht die Mundwinkel hängen lassen, lächeln. Es ist erwiesen - wer am Telefon lächelt, kommt sympathischer rüber. Rücken gerade, Kopf hoch, seinem Gesprächspartner in die Augen schauen. Ausstrahlung kann man lernen!

NRZ: Eine alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin sieht das sicher ganz anders...

Dietrich: Ich will deren Situation nicht kleinreden. Sie ist schlimm genug. Aber ich bin überzeugt, dass jeder etwas verändern kann, wenn er seine Einstellung verändert. Ganz wichtig: Egal in welcher Lage man ist, man sollte alles an Bildung und Qualifizierung mitnehmen, was geboten wird. Es gibt kostenlose Online-Weiterbildungen vom Feinsten, zum Beispiel "webKolleg NRW" vom Ministerium für Arbeit. Es gibt Bücher, Seminare, Ausstellungen...

NRZ: Haben Sie selbst denn schon mal eine persönliche Krise gehabt?

Dietrich: Aber sicher. Nach meiner Scheidung musste und wollte ich schnell Geld verdienen. Ich habe im Restaurant an der Kasse gearbeitet, ich habe gekellnert, sonntags beim Frühschoppen. Ich habe geputzt, Waffeln verkauft. Arbeit ist keine Schande, aber ich muss sagen, es hat mir auch immer Spaß gemacht, Menschen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen.

NRZ: Zurück zur Wirtschaft - trifft die ökonomische Krise Frauen ab 40 besonders?

Dietrich: Davon gehe ich aus. Viele Frauen arbeiten in Minijobs oder Niedriglohngruppen, die als Erstes wegfallen. In den letzten Jahren ist auch zu beobachten, dass der betriebliche Druck gerade auf Frauen um die 50 wächst, wenn es darum geht, "sozialverträglich" die Belegschaft zu reduzieren. Da heißt es dann: ´Die ist doch gut verheiratet, warum nimmt die nicht die Abfindung´. Das kann auch mal in Richtung Mobbing gehen. Ich kann nur raten, dem Druck standzuhalten. Vielleicht hat die Krise aber auch einen anderen Effekt - wenn es nicht mehr nur um das schnelle Geld geht, rücken die Menschen auch mal wieder mehr zusammen - Freunde, Nachbarn, Familie.

NRZ: Was würden Sie einer Frau raten, die mit Mitte 40 kommt und sich selbstständig machen will?

Dietrich: Das kommt natürlich drauf an, da muss man genau analysieren, was kann sie, was will sie, wie ist der Bedarf, die Konkurrenz.

Ich habe allerdings sehr viele Beispiele, wo es geklappt hat. Frauen machen das geschäftlich, was sie in der Familie gelernt haben, wofür sie ein Händchen haben. Sie organisieren, sie machen Webdesign oder Second Hand, eröffnen Blumengeschäfte, Schmuckläden, Dekoshops. Meine Schwester hat einen mobilen Friseurservice aufgemacht - sie kann sich vor Aufträgen kaum retten. Dafür muss sie halt um 19 Uhr abends noch Dauerwellen legen.

NRZ: Ihre ganz persönliche Powerfrau?

Dietrich: Tina Turner. Was die schon alles mitgemacht hat, von ihrem Mann verprügelt, bettelarm, und heute ist sie fast siebzig und steht auf der Bühne und hat einfach eine tolle Ausstrahlung. (NRZ)

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