Fernsehen

Samuel Finzi als TV-Ermittler mit Psychotick

Foto: Hans-Joachim Pfeiffer

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Essen. Samuel Finzi - den Namen sollte man sich merken. Der Mann dazu: ein Typ für den zweiten Blick, kurze Beine, weiche Züge, hohe Stirn und Charme für drei. Samuel Finzi ist ab sofort immer freitags „Flemming” - der neue TV-Ermittler mit Feingefühl.

Die Besetzung ist ein Glücksfall - auf Umwegen. Die Rolle war ursprünglich Ulrich Mühe auf den Leib geschrieben; nach über 70 Folgen des „Letzten Zeugen” hatte Autor Gregor Edelmann eine neue Geschichte für seinen Lieblingsschauspieler und dessen Fangemeinde gesucht. Als Mühe („Das Leben der Anderen”) im Juli 2007 an Krebs starb, war die wichtigste Frage wieder offen: Wer spielt Flemming?

Samuel Finzi ist Anfang 40, stammt aus Bulgarien und hat sich zum Glück den harten Akzent des Ostens bewahrt, sein Markenzeichen. Mit Trenchcoat, mittelblauen Anzügen und engem Rolli sieht Flemming aus wie eine Mischung aus KGB-Agent und Privatdozent. Kein Weiberheld, sondern ein Frauenflüsterer. Die Besetzung ist eine Punktlandung.

Ermittler mit eigener Radiosendung

Finzi kommt von der Bühne, gehört zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Aus dem „hochnervösen Kaspar” sei ein „grandios gereifter Menschendarsteller” geworden, jubelte die Kritik über Finzis Bühnenkarriere in Deutschland, mit Station auch am Bochumer Schauspielhaus. Als Serienermittler beweist Finzi jetzt, dass er durchaus das Zeug zur TV-Kultfigur haben könnte: Sein Flemming ist Polizeipsychologe in Berlin, verrät in seiner Radiosendung „Die Tricks der Seele”, arbeitet an der Uni und an den Frauen.

Seine Exfrau Ann Gittel (Claudia Michelsen) ist gleichzeitig seine große Liebe und seine Vorgesetzte in der Mordkommission. Die beiden lassen sich allerdings schon in der Pilotfolge scheiden - also wieder mal eine komplizierte Beziehungskiste im Ermittlerteam. Und eine Art Fortsetzung des „Letzten Zeugen”: Die beiden Gerichtsmediziner (Ulrich Mühe und Gesine Cukrowski) umkreisten, piesackten und liebten sich über Jahre hinweg im Vorstadium der Ehe, hier umkreisen sich Finzi und Michelsen als Geschiedene.

Die Figur des Psychologen, der alles über Menschen weiß, aber seine eigene Ehe nicht retten konnte, setzt sich aus verschiedenen Fernsehvorbildern zusammen: Von psychologisch geschulten TV-Helden wie Bloch oder Fitz hat er die sensationelle Beobachtungsgabe und das phantastische Einfühlungsvermögen, an die US-Serie „Frasier” erinnert seine Beratungssendung im Radio, die er mit seinem Kollegen und Freund Hans Matthei (Hanns Zischler) betreibt, die Konstellation mit der hassgeliebten Ex-Frau kennt der Zuschauer unter anderem aus den „Tatort”-Filmen mit Simone Thomalla und Martin Wuttke als Ermittlergespann Saalfeld und Keppler.

Die Seele des Verbrechens

Zu erwarten ist jedenfalls prall gefüllte Krimihandlung samt Psycholektionen. Denn Flemming ist nicht nur Polizeipsychologe, sondern auch Therapeut, ach was: er ist ein Seelenvirtuose, ein manischer Beobachter, ein Mann, der sich in Teilnahme verschwendet und selbst oft zu kurz kommt.

Diesem Mann bleibt nichts verborgen, jedes Zucken des Mundwinkels, jeder Schweißtropfen auf der Stirn und jede unbewusste Handbewegung verraten ihm sofort, was in seinem Gegenüber vorgeht. „Was mir an ihm gefällt, ist, dass er neben seinen beruflichen Pflichten seinen Patienten gegenüber Mitgefühl hat. Dass er die an einem Verbrechen beteiligten Menschen nicht in schuldig oder unschuldig einteilt, sondern dass er sie näher betrachtet, gewissermaßen die Seele des Verbrechens studiert”, sagt der 43-jährige Finzi selbst.

In der Pilotfolge „Glanz in deinen Augen” wird ein Kind entführt, eine Stewardess verführt und eine Ehe gerettet. Die „Tatort”-erfahrene Regisseurin Claudia Garde hat zum Auftakt 90 Minuten lang Zeit, um Vincent Flemming vorzustellen, seine Macken, seine Flirttricks, seinen eigenwilligen Charme.

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