Sein Name war Bond

Foto: NRZ Marc Albers

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... und Bond war ein schwarzes Kaninchen. Nadine Nottelmann erzählt, wie es sich anfühlt, nach langem Kampf sein geliebtes Haustier zu verlieren.

In einem Buch, welches ich vor langer Zeit gelesen habe, stand, dass Wesen nach ihrem Tod als Geschichte weiterleben können. Also möchte ich eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von einem kleinen Kämpfer, der nicht aufgegeben hat, noch länger für uns da zu sein.

Es geht um ein Kaninchen. Sein Name war Bond, weil er schwarz war und, wie sich nachher herausstellte, auch ein sehr starkes Tier. Manche mögen sich nun fragen, warum eine Geschichte über ein Kaninchen? Weil Bond ein besonderes Kaninchen war. Und alle, die die Ehre hatten, ihn kennenzulernen, werden mir in diesem Punkt zustimmen.

Als es ihm noch gut ging, war er wie ein kleiner Hund. Als wir ihn bekamen, war er zehn Wochen alt. Er lernte sogar noch mein erstes Kaninchen kennen, das aber ein Jahr später gestorben ist. Bond überlebte zwei Kaninchendamen. Wir hielten ihn erst im Garten und nachdem Magic, die zweite Kaninchendame, ebenfalls gestorben war, holten wir in ins Haus. Wir dachten, er würde uns sonst eingehen.

Ab da lief er den ganzen Tag in meinem Zimmer umher und stellte allerlei Unfug an. Nur die Nacht musste er in seinem Käfig verbringen. Er kam sogar auf Zuruf und wenn er schmusen wollte, angehoppelt und stupste mich oder einen anderen mit seiner kleinen Nase an. Außerdem reagierte er sehr stark auf das Rascheln mit einer Tüte. Er hat es immer mit einer Leckerei verbunden.

Der Schrecken fing an, als ich eine kleine Beule unter Bonds Auge entdeckte. Wir fuhren sofort zum Tierarzt und es stellte sich heraus, dass er einen Abszess hatte. Ein Abszess ist so etwas wie ein ziemlich großer Pickel und leider eine Krankheit, die Kaninchen mit hohem Alter immer bekommen.

Er wurde viele Male operiert, denn leider bekamen die Ärzte den Abszess nicht weg. Vor jeder Operation hatten wir ziemliche Angst, denn Kaninchen vertragen Narkosen nicht so gut. Aber uns fiel jedes Mal ein Stein vom Herzen als wir hörten, er sei aufgewacht.

An einem Tag wurde uns gesagt, wir sollten eine Woche warten, um zu schauen, wie sich der Abszess entwickeln würde. Also warteten wir eine Woche. Uns fiel nichts Schlimmes auf. Die Beule schien unserer Meinung nach nicht mehr zu wachsen. Wir freuten uns und dachten, Bond hätte es endlich geschafft. Doch plötzlich bekam er ziemliche Darmprobleme und wurde zunehmend schwächer und dünner. Er fraß nicht mehr viel, und das bereitete uns ziemliche Sorgen, denn er war immer verfressen gewesen.

Nach einer Woche dann fuhren wir wieder zum Tierarzt. Dort wurde der Abszess noch mal geöffnet, und man stellte fest, dass er immer noch nicht abgeheilt war – zu unserem Erschrecken. Es sollte an den Zähnen liegen, wurde uns gesagt. Sie wollten ihm am nächsten Tag ein paar Zähne ziehen. Sie wollten ihn dort behalten, aber ich bestand darauf, Bond noch mal mit nach Hause zu nehmen. Ich hatte ein ganz mieses Gefühl. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass er es dieses Mal nicht mehr schaffen würde. Und deshalb wollte ich ihn noch eine Nacht bei mir haben. Zu Hause fiel uns auf, dass er sich fast nicht mehr auf den Beinen halten konnte und ziemlich schwach war. Meine Angst wurde immer größer. Aber die Hoffnung auf eine Genesung war immer noch vorhanden.

Am nächsten Tag war Bond noch schwächer als zuvor. Aber wir fuhren trotzdem zum Tierarzt. Als dann die Nachricht kam, er habe die Operation gut überstanden, fiel mir und meiner Familie ein richtig großer Fels vom Herzen. Sie sagten uns, Bond habe nun alles überstanden und dass er nun wieder gesund werden würde. Wir bekamen spezielles Futter mit, weil er ja an Stärke gewinnen sollte.

Im vertrauten Heim setzten wir ihn wieder in den Käfig. Er verzog sich sofort in eine Ecke. Irgendwie hatte ich immer noch dieses miese Gefühl, das ich auch schon vor der OP hatte. Der Kleine sah überhaupt nicht gut aus. Da er nicht richtig fressen konnte – immerhin hatten sie ihm vier Zähne gezogen – mussten wir ihn mit einer Spritze füttern.

Am nächsten Tag, es war der 14. Februar, fiel Bond jedes Mal um, wenn er sich bewegte. Es war grausam mit anzusehen. Er litt und wir konnten einfach nichts tun. Ich weinte den ganzen Morgen, weil es mir so furchtbar Leid tat, ihn so zu sehen. Am Nachmittag schien es so, als würde er wieder zu Kräften kommen. Aber leider war dem nicht so. Als ich spät nachts nach Hause kam, fing mich mein Vater ab und nahm mich in den Arm.

Für mich brach eine kleine Welt zusammen, als er mir sagte, dass der kleine Kämpfer es nicht geschafft hatte. Bond war die Tage zuvor so stark gewesen und hatte um sein Leben gekämpft und dennoch hatte er es nicht geschafft. Er musste schon die Tage zuvor wahnsinnige Schmerzen gehabt haben, und dennoch versuchte er, mit uns zu spielen und für uns da zu sein. Obwohl er uns viel eher gebraucht hätte. Aber nun ist er bei seinen Kaninchendamen im Kaninchenhimmel. Dort geht es ihm mit Sicherheit sehr gut.

Wir vergruben ihn bei uns im Garten, legten eine Möhre und von jedem von uns eins seiner Leckerbissen in das Grab. Ich habe ihm sogar einen Brief geschrieben, aber der hängt neben all seinen Fotos in meinem Zimmer.

Ich hoffe, dass ich Bond mit dieser kleinen Geschichte lebendig erhalten kann. Möge er in den Herzen der Menschen, die ihn kannten, weiterleben.

Wir vermissen dich. Ruhe in Frieden, kleiner Kämpfer.

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