PRO & CONTRA

Soll die Schule erst um neun Uhr beginnen?

Foto: NRZ Marc Albers

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Schüler des Berliner John-Lennon-Gymnasiums kämpfen für den späteren Unterrichtsstart - und lösen eine Debatte über den traditionellen Schulbeginn gegen acht Uhr aus. "Acht ist wirklich viel zu früh", findet Selina (14, Realschule). "Schwachsinn, acht ist genau richtig", meint Sarah (17, Gymnasium).

DAFÜR!

Ich fänd es deutlich besser, wenn die Schule erst um neun anfangen würde - weil ich dann nicht fast jeden Tag erst in letzter Sekunde, bevor der Unterricht beginnt, in den Klassenraum kommen würde. Denn ich könnte ja eine Stunde länger schlafen. Meiner Meinung nach kommt man dann viel entspannter und fröhlicher in die Schule, da man ausgeschlafen ist und sich nicht abhetzen musste. Das ist auch ein Vorteil bei Klassenarbeiten. Und: Die Lehrer, die ja auch später anfangen würden, wären wahrscheinlich auch besser gelaunt.

Zwar wäre man nachmittags auch erst eine Stunde später zu Hause und hätte weniger Freizeit am Nachmittag. Aber dafür könnte man abends länger weggehen. Viele befürchten vielleicht, sie hätten dann nicht mehr so viel Zeit für ihre Freunde. Aber ich finde das nicht schlimm, da man seine Freunde ja in der Schule sieht. Und: Auch bei den Freunden würde sich die Freizeit ja Richtung Abend verschieben. Man müsste gemeinsame Aktivitäten also einfach nur ein wenig neu organisieren.

Außerdem wäre der späte Beginn speziell im Winter besser, weil es früh morgens noch sehr dunkel ist. Für die vielen Schüler, die mit dem Rad zur Schule kommen, kann das ein Problem sein. Um neun Uhr ist es schon heller. Selina Maas

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DAGEGEN!

Ausgeschlafene Schüler. Alle konzentrieren sich. Im Unterricht wird mehr mitgearbeitet. Schüler lernen besser. Und das alles nur, weil der Unterricht eine Stunde später, nämlich um neun Uhr beginnt. Das glauben zumindest die Schüler des Berliner John-Lennon-Gymnasiums. Ich nicht! Warum sollte auch alles auf einmal anders werden, nur weil wir Schüler eine Stunde länger schlafen können? Es geht schließlich nicht nur darum, wann man aufsteht, sondern darum, wie lange man schläft.

Jeder von uns kennt das doch: Ein spannender Film, ein wichtiges Telefonat mit Freunden oder Hausaufgaben, die unbedingt noch erledigt werden müssen - an manchen Abenden wird es einfach spät und später, da liegt man dann halt erst um ein Uhr im Bett. Und am nächsten Morgen fehlt der Schlaf. Wir sind todmüde und können uns beim besten Willen nicht konzentrieren.

Doch eigentlich wissen wir, dass wir früh aufstehen müssen - und sollten uns die Abende auch so einteilen. Wüsste ich, dass ich eine Stunde länger schlafen könnte, würde ich mit meiner Freundin noch eine Stunde länger telefonieren, ich kann ja am nächsten Morgen ausschlafen… Und dann sitze ich wieder total übermüdet in der Schule.

Und eins dürfen wir nicht vergessen: Die Stundenpläne werden immer voller, wir kommen immer später erst nach Hause. Zehn Stunden Unterricht am Stück sind auch an Halbtagsschulen keine Seltenheit mehr. So endet mein Unterricht teils erst um fünf Uhr. Dazu kommt jetzt wahrscheinlich noch eine gesetzlich verordnete Mittagspause. Und dann noch eine Stunde später Schulbeginn? Ich wäre um sieben Uhr wieder zu Hause. Keine Chance mehr, seinen Hobbys nachzugehen oder Freunde zu treffen. Auch mit Hausaufgaben würde es dann schon eng werden.

Dasselbe gilt natürlich auch für sechs Stunden Unterricht. Wir sind dann eine Stunde später zu Hause. Eine Stunde weniger Zeit, das zu tun, was wir wirklich wollten. Eine Stunde weniger Freizeit.

Außerdem ist es später in der Arbeitswelt genauso. Da wartet euer Arbeitgeber auch nicht, bis ihr ausgeschlafen seid. Für viele Berufe muss man halt sehr früh aufstehen, und daran wird sich auch nichts ändern. Da ist die Schule doch genau die richtige Vorbereitung drauf.

Unterm Strich: Diese Unterrichtsverschiebung bringt niemandem etwas. Wenn ihr morgens zu müde seid, dann geht doch einfach mal früher ins Bett. Sarah Händler

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