Wenig Weihnachten am Bosporus

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Foto: ddp

In dem Land Türkei gibt es nur wenige Menschen, die morgen Abend die Geburt von Jesus feiern. Geschenke gibt's trotzdem

Wer in diesen Tagen in einem der großen Supermärkte in Istanbul einkauft, kommt sich nicht unbedingt vor wie in einem muslimischen Land. Handlich verpackte Kunststoff-Weihnachtsbäume, goldener und roter Weihnachtsschmuck sowie Kerzen und Adventskränze teilen sich die Regale mit Schoko-Nikoläusen und –Rentieren. Es gibt Engelfiguren, „Merry-Christmas“-Türschilder, und die Einkaufszentren sind mit weihnachtlichen Lichtern geschmückt.

Dabei sind fast alle der 70 Millionen Einwohner der Türkei Muslime. Es gibt nur wenige Christen im Land, etwa 120 000 Menschen, eine sehr kleine Minderheit. Muslime verehren Jesus von Nazareth zwar als einen wichtigen Propheten, doch als Erlöser der Menschheit, dessen Geburtstag mit großem Aufwand zu feiern ist, sehen sie ihn nicht. Unsere Weihnachtsfeiertage Ende Dezember sind in der Türkei normale Arbeitstage.

Einkaufen und Schenken tun aber auch die Türken gern. Deshalb nennen sie das Weihnachtsfest einfach ein wenig anders, und gefeiert wird eine Woche später als in Deutschland: „Neujahrsfest“ heißt das Fest dann hierzulande. Deshalb sind die Plastik-Tannen in den Supermärkten laut Preiszettel auch keine Weihnachtsbäume, sondern „Neujahrsbäume“. Und Weihnachtsgeschenke heißen eben „Neujahrsgeschenke“. So einfach ist das. Feuerwerke in der Silvesternacht gibt es auch.

Der Weihnachtsmann ist ebenfalls allgegenwärtig. „Noel Baba“ heißt er bei den Türken. Mit der weißbärtigen Hauptfigur des Weihnachtsfestes haben die Türken keine Probleme, schließlich war der historische Nikolaus ein Landsmann: Er wirkte im vierten Jahrhundert nach Christus als Bischof in Myra in der heutigen Türkei.

INFO:

Die Journalistin, die diesen Artikel für euch geschrieben hat, heißt Susanne Güsten. Sie lebt in der großen Stadt Istanbul, genau an der Grenze der Erdtteile Europa und Asien. Susanne Güsten ist Korrespondentin der NRZ und berichtet für unsere Leser über alles Wichtige aus der Türkei.

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