Schule

Wie ein leuchtender Edelstein

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Dinslaken. Lamya Kaddor, Lehrerin aus Dinslaken, hat das bundesweit erste Buch für islamischen Religionsunterricht herausgegeben

Der Saphir ist ein Edelstein. Und so facettenreich wie der Saphir, so facettenreich sei auch der Islam, erzählt Lamya Kaddor, Islamkunde-Lehrerin an der Glückauf-Hauptschule in Dinslaken-Lohberg. Die Deutsche syrischer Herkunft hat jetzt zusammen mit Rabeya Müller, Leiterin des Instituts für interreligiöse Pädagogik und Didaktik in Köln, und Harry Harun Behr, Professor für islamische Religionslehre an der Uni Erlangen-Nürnberg, das bundesweit erste Schulbuch für den islamischen Religionsunterricht herausgegeben.

„Saphir”, so der Name des Buches, erklärt nicht nur den Koran, sondern will auch ein Signal in Richtung Politik setzen: Muslimische Kinder in Deutschland haben ein im Grundgesetz verankertes Recht auf Religionsunterricht.

Schluss mit losen Papiersammlungen

Den gibt es noch nicht, allerdings läuft seit wenigen Jahren an 140 Schulen, darunter ist auch die Glückauf-Schule, der Modellversuch „Islamkunde”, ein informierender Sachunterricht in deutscher Sprache. 10 900 Schüler nehmen daran teil, unterrichtet von rund 80 bis 85 muslimischen Lehrern, von denen lediglich 20 eine Ausbildung als Islamwissenschaftler haben. Zu wenig für einen flächendeckenden Religionsunterricht. Bislang konnten sich die Lehrer für ihren Unterricht nur an einem Lehrplan orientieren und tiefergehende Materialien in Fortbildungen erarbeiten. Ein deutlicher Mangel findet Kaddor: „Lose Papiersammlungen ersetzen kein Schulbuch.”

Das Buch, sagt die Islamwissenschaftlerin, die bereits den lesenswerten „Koran für Kinder und Erwachsene” verfasst hat, „will deshalb auch ein politisches Signal senden, endlich einen flächendeckenden, vernünftigen Religionsunterricht zu bekommen.” Immerhin leben allein in NRW rund 300 000 Kinder mit muslimischem Hintergrund.

Prognose: steigend. „Wir sind dabei, mit den Religionsgemeinschaften einen Lehrplan zu entwickeln”, sagt Jörg Harm, Sprecher des Schulministeriums in Düsseldorf. Dem Grundgesetz nach muss der Unterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt werden. Anders als die christlichen Kirchen sind die deutschen Muslime jedoch nicht zentral organisiert, sondern zersplittert - und konnten sich bislang nicht auf diese Grundsätze einigen. Lamya Kaddor: „Wenn die muslimischen Glaubensgemeinschaften zustimmen, dann kann das Buch für den geplanten Unterricht verwendet werden.” Bis dahin wird es im Islamkundeunterricht in NRW, Bremen, Niedersachsen und Bayern eingesetzt.

Der Kösel-Verlag, so erzählt Kaddor, sei vor zwei Jahren mit der Idee an sie herangetreten. Ihr kam es entgegen, weil sich der Gedanke mit ihren eigenen deckte. Mitherausgeber sowie Autoren waren schnell gefunden. Gemeinsam habe man sich zusammengesetzt und überlegt, wie das Schulbuch aussehen soll. Die Themen wurden nach den vier Landeslehrplänen erstellt.

Gelebtes Brauchtum verständlich erschlossen

15 Kapitel gibt es im ersten Buch für die Schuljahre 5 und 6. Bücher für die folgenden Schuljahre folgen 2009. Gesellschaftsrelevante Themen werden aufgegriffen, verbunden mit Religion. „Es geht uns darum, islamspezifisches Wissen sach-, fach- und altersgerecht zu vermitteln”, so Kaddor.

Eine lebendige, mehrdimensionale Einführung in den Islam, ein mutiges Buch, bescheinigen christliche und jüdische Religionsexperten. Ein Buch, auf der Basis des deutschen Grundgesetzes, das die Prinzipien der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung der Geschlechter ernstnimmt. Es stellt den Islam sowohl der Tardition verpflichtet als auch zeitgemäß dar, zumal Kaddor selbst sich als sehr gläubige Muslimin bezeichnet.

Auch geht das Buch auf die Brandanschläge in Solingen ein; der 11. September 2001 wird in den nächsten Bänden folgen. Von einem „Islam light”, wie Kritiker ohne Blick auf weiterführende Bände anmerken, kann also keine Rede sein. Theologische Grundlagen aus Koran und Sunna sowie gelebtes Brauchtum werden verständlich erschlossen. Kunstvolle Kalligrafien und Illustrationen, Fotos und Bildergeschichten zeigen anschaulich den Facettenreichtum des Islam. Dazu Anregungen zum eigenen Leben und Erleben seiner Religion und dem Kennenlernen anderer Religionen. Und das alles in einer anmutigen Sprache. Zum Buchtitel „Saphir 5/6” heißt es im Vorwort: „Wie ein Edelstein soll es euch begleiten und seine kostbaren Seiten nach und nach zum Leuchten bringen.” (NRZ)

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