Integration

Wunder dauern etwas länger

Foto: NRZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vor einem Jahr wurde in Duisburg die Merkez-Moschee eröffnet. Die Erfahrungen gehen bei den Anwohnern weit auseinander

Wer den Gebetsraum der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh betritt, erlebt zunächst sein blaues Wunder. Durch das Glas der Kuppel fällt ein alles verzauberndes Licht auf die Handvoll betender und knieender Männer unten, auf den Fensterbänken liegt der Koran aus, gleich davor steht ein Teppich-Kärcher, alles ist voll Licht und Luft, ein harmonischer Ort. Draußen vor der Tür sieht's ein bisschen anders aus. Ein Jahr nach Eröffnung der Moschee wird die Frage nach den ersten Erfahrungen ganz unterschiedlich beantwortet. Wie steht's wirklich ums vielgepriesene „Wunder von Marxsloh”?

Im Haus gleich gegenüber des imposanten Gebäudes ist die Nachbarin gleich auf 180. „Ich hab absolut nichts gegen Türken, aber was sich hier an den Freitagen und an den Feiertagen abspielt, ist eine einzige Sauerei. Die parken wie die Verrückten das ganze Viertel zu. Ohne Rücksicht auf die Nachbarn. Meine Tochter wollte mich besuchen, die musste zehn Minuten laufen. Und an Ramadan treffen die sich spät abends und machen jede Menge Lärm. Man kommt nicht zur Ruhe. Hier könnte das Ordnungsamt richtig Geld machen. Aber die trauen sich ja nicht da ran.”

Zwischen Rosengarten und Dornenbusch

Zwei Häuser weiter und ein völlig anderes Fazit: „Ich bin sehr glücklich über die Entwicklung. Die moslemische Gemeinde ist in unserer Gesellschaft angekommen.” Sylvia Brennemann (39) ist Kinderkrankenschwester und in Marxsloh geboren. „Für den Stadtteil ist das wichtig gewesen. Ich gehe häufig in die Teestube dort, außerdem planen Nachbarn, einen Rosengarten auf dem Brachgelände anzulegen. In der Diagonale zwischen Moschee und Peter-und-Paul-Kirche.” In Istanbul, im kommenden Jahr wie die Ruhrregion Kulturhauptstadt Europas, wird parallel ein ebensolcher Rosengarten geplant.

Eher dornig als rosig ist die Stimmung bei anderen Anwohnern. „Wir waren im Vorfeld für den Bau. Wenn wir das geahnt hätten... Bis zwei Uhr nachts geht das manchmal. Wir müssen doch morgens fit sein. Und dann parken die einfach im Halteverbot. Und wenn man was sagt, kriegt man gleich eine freche Antwort. Oder man hat einen Stein im Fenster.” Deshalb wollen die Nachbarn wie viele andere auch ihren Namen nicht sagen. Einschlägige Erfahrung haben sie allerdings noch nicht machen müssen. Das Verhältnis zu den Moschee-Besuchern ist aber nachhaltig gestört, aus kleinem Ärger wächst großer Zorn: „Wir sind für die doch nur die Heiden. Und es dauert nicht mehr lange, dann haben wir in diesem Land nichts mehr zu sagen.”

Noch mal zurück zu Frau Brennemann: Was ist denn nun mit der Parkerei? „Stimmt, das ist ein Problem. Dabei könnte man es leicht lösen, indem gegenüber auf dem Brachgelände ein großer Parkplatz angelegt würde. Aber das Grundstück gehört einer Immobilienfirma, die natürlich damit Geld verdienen möchte. Allerdings gibt es außerdem die Ausweichmöglichkeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche. So viel ich weiß, gibt's da auch Gespräche.”

Das bestätigt Aydin Nedim (26), der in der Cafe´teria der Moschee zu Mittag isst: „Außerdem haben wir an kritischen Tagen Leute als Ordner auf die Straße gestellt, die das Parken organisieren und die Anwohnerstraßen freihalten sollen. Aber da gibt es immer ein paar schwarze Schafe, die das zu umgehen versuchen. Solche Leute findet man aber in allen gesellschaschaftlichen Bereichen, oder?”

Ganz relaxt sieht den Streit der türkische Wirt Korkmaz (47) an der nahen Weseler Straße: „Ich gehe gar nicht in die Moschee. Nicht jeder Christ geht ja auch in die Kirche. Für mich ist nicht die Religion wichtig, für mich zählt nur der Mensch.” Schönes Schlusswort. Jetzt fehlt nur noch der Parkplatz. Wunder dauern eben etwas länger.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (16) Kommentar schreiben