Gefängnisausbruch

Berliner Polizei nimmt vierten flüchtigen Gefangenen fest

Berliner Justizsenator will Sicherheit im geschlossenen Vollzug erhöhen

In den letzten Tagen waren neun Gefangene aus der JVA Berlin-Plötzensee verschwunden. Nun sollen die Sicherheitsvorkehrungen in der JVA verstärkt werden, sagte Justizsenator Dirk Behrendt am Mittwoch.
Mi, 03.01.2018, 13.50 Uhr

In den letzten Tagen waren neun Gefangene aus der JVA Berlin-Plötzensee verschwunden. Nun sollen die Sicherheitsvorkehrungen in der JVA verstärkt werden, sagte Justizsenator Dirk Behrendt am Mittwoch.

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Berlin  Insgesamt neun Gefangene waren aus der Anstalt Plötzensee geflohen. Nun stellte sich ein 21-Jähriger. Damit sind vier Männer zurück.

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Nach der Flucht von neun Inhaftierten aus dem Berliner Strafvollzug innerhalb weniger Tage ist am Mittwoch der vierte Mann gestellt worden. Die Polizei habe am Mittwoch einen 21-Jährigen festgenommen, der am 1. Januar aus dem offenen Vollzug des Gefängnisses Plötzensee entwichen war, teilte Justizsenator Dirk Behrendt mit.

Damit sind derzeit noch fünf Männer auf der Flucht. Vor allem nach drei Straftätern, die aus dem geschlossenen Teil der Anstalt Plötzensee ausbrachen, werde mit Hochdruck gefahndet, sagte Behrendt. Es habe dort „Schwachstellen in der Alarmzentrale“ gegeben. Demnach wurde dort kein Alarm ausgelöst.

Am vergangenen Donnerstag waren vier Männer aus einem Nebenraum der Kfz-Werkstatt des Gefängnisses ausgebrochen , indem sie mit einem Hammer und einer Flex eine Lüftungsklappe öffneten. Ein Täter, der wegen Erpressung verurteilt ist, hat sich inzwischen gestellt. Er soll in eine andere Anstalt verlegt werden. Laut Senator ist er „auskunftswillig“, was die Umstände der Flucht angeht. Die fünf weiteren entflohenen Männer waren im offenen Vollzug.

Justizminister lehnt Rücktrittsforderungen ab

Die CDU-Opposition bezeichnete die Flucht der Männer als „einmaligen Skandal in der Rechtsgeschichte“. Behrendt lehnte bei dem Termin die Rücktrittsforderungen der Opposition ab. Jetzt stehe Aufklärung im Vordergrund. Noch in dieser Woche beginne eine externe Kommission mit der Arbeit. Sie soll die Ursachen besonders der vier aus dem geschlossenen Strafvollzug Entkommenen aufklären. Zudem beginne noch im Januar eine Schwachstellenanalyse durch ein Sicherheitsbüro.

„Das steht jetzt im Vordergrund, alles andere bewegt mich momentan nicht zentral“, betonte der Justizsenator mit Blick auf die Rücktrittsforderungen. In der kommenden Woche werde er im Parlament Rede und Antwort stehen.

Schwer, geeignete Gefängniswärter zu finden

Der Grünen-Politiker verwies indes auf das Sparprogramm der rot-schwarzen Vorgänger-Regierung. Es fehlten im Justizvollzug 200 Bedienstete. Jetzt werde wieder ausgebildet, doch erst Ende 2019 könnten die Lücken geschlossen werden. Behrendt bedauerte die entstandenen „Irritationen“ in der Bevölkerung. Der Eindruck, dass in Plötzensee jeder rein- und rausgehen könne, wie er lustig sei, sei falsch.

Gefängnisleiter Meyer-Odenwald verwies auf einen anderen Aspekt: „Berlin hat Besoldungsrückstände gegenüber anderen Bundesländern.“ Und: „Wir haben es schwer, geeignete Bedienstete zu finden. Wir sind kaum noch konkurrenzfähig.“ 16 Prozent des Personals seien derzeit krank. (dpa)

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