Wirbel

Rassismus-Attacke in der U 79 erschüttert die Rheinbahn

In der Linie U 79 Richtung Duisburg ist ein junger Mann rassistisch beleidigt worden.

In der Linie U 79 Richtung Duisburg ist ein junger Mann rassistisch beleidigt worden.

Foto: WNM

Düsseldorf.   Ein Fall von Rassismus in der Linie U 79 in Düsseldorf und das Verhalten einer Rheinbahnfahrerin sorgte für Wirbel im Netz.

Ein Fall von Rassismus und das Verhalten einer Rheinbahn-Fahrerin erschüttert die sozialen Medien: Der 19-jährige Bejan Y. war am Montag gegen 21.30 Uhr am Düsseldorfer Hauptbahnhof in die Linie U79 Richtung Duisburg eingestiegen. Dort setzte er sich in die Nähe einer älteren Dame – die ihn sofort der Nachstellung beschuldigte und ihn rassistisch beleidigte. „Ich habe darauf erst nicht reagiert, weil ich das Gefühl hatte, dass die Frau nicht ganz bei sich ist“, so Bejan.

Wenig später fängt die ältere Dame erneut an Bejan verbal anzugreifen und ihn als „Vergewaltiger und frauenverachtenden Araber“ zu bezeichnen. „Ich habe sie darum gebeten, ruhig zu werden und mich nicht zu beleidigen und machte sie darauf aufmerksam, dass sie sich gerade strafbar mache mit den zum Teil rassistischen Beleidigungen.“ Ein älterer Mann und ein schwarzes, minderjähriges Mädchen verteidigen Bejan – und werden dafür selbst von der älteren Dame beleidigt. Daraufhin informiert der ältere Mann die Rheinbahn-Fahrerin über den Fall – die hat jedoch zuerst das Mädchen in Verdacht, sich beleidigend geäußert zu haben.

Bahnfahrerin schlägt Opfer vor, sich wegzusetzen

Als das jedoch geklärt werden konnte, passiert für Bejan das Ungeheuerliche: die Bahnfahrerin schlägt ihm vor, sich wegzusetzen. „Ich finde das ziemlich unprofessionell.“ Die Sensibilität fehle. Vielmehr hätte sich die Dame wegsetzen oder der Bahn verwiesen werden sollen, zumal die Fahrerin die Beleidigungen mitangehört hatte. Bejan und das Mädchen setzten sich zwar tatsächlich um, die Dame gab dennoch keine Ruhe. Ein Mann informierte schließlich die Polizei, die eine Anzeige aufnahm und die Dame der Bahn verwies. Bejan selbst hat sich mittlerweile an das Rheinbahn-Kundencenter gewandt. Dort habe man ihm Rufschädigung vorgeworfen. Man wolle die Sache aber weiterleiten, soll es dort geheißen haben.

Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher will das Gespräch mit der betreffenden Fahrerin suchen und ihre Sicht hören. „Wie es sich anhört, musste die Fahrerin in kürzester Zeit eine Entscheidung treffen und diese war pragmatisch.“ Zudem würde man gerne die Sicht eines neutralen Dritten hören. Generell distanziere man sich aber von jedweder Form von Diskriminierung. „Bei der Rheinbahn wird Multi-Kulti gelebt. Wenn man uns Rassismus vorwirft, ist das total daneben“, so Schumacher weiter. Bei dem Unternehmen arbeiteten etliche Menschen mit Migrationshintergrund.

Ein „unfassbarer Vorfall“

Die Vorsitzende des Vereins „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf“, Hildegard Düsing-Krems, findet den Vorfall „unfassbar“. Sie fordert, dass sich die Rheinbahn äußert und erklärt, welche vorbeugenden Maßnahmen sie ergreift und wie Fahrer geschult werden. Auch SPD-Ratsherr Martin Volkenrath äußert bei Facebook seine tiefe Bestürzung über den Vorfall. „Ich bin erschrocken, verärgert und absolut nicht bereit, so etwas zu dulden. Gerade vor dem Hintergrund, dass besonders die Rheinbahn intensiv an der Frage der Vorbeugung vor rassistischen Aktivitäten arbeitet.“

Aktivist Christian Naumann spricht sogar von einer „Täter-Opfer-Umkehr“. „Es sollte doch klar sein, dass die Rheinbahn sich hinter die Fahrgäste stellt, die angepöbelt, bedrängt und strafrechtlich relevant beleidigt werden.“


Die menschlichen Ausfälle bei der Rheinbahn – Ein Kommentar von Götz Middeldorf 

Rassismus ist heute allgegenwärtig – auch bei uns in Düsseldorf. Das ist schlimm genug. Wie mit den Opfern verbaler Attacke allerdings umgegangen wird, ist teilweise noch schlimmer. Das haben gleich mehrere Mitarbeiter der Rheinbahn, leider sehr eindrucksvoll und gleichzeitig, in-stinkt- und niveaulos, gezeigt.

Erst die Fahrerin, die sich nicht etwa schützend vor die verbal angegangen Fahrgäste gestellt hatte. Und dann nachmittags eine Rheinbahnerin am Kunden-Telefon, bei dem sich der Fahrgast beschwert hatte. Statt Sorgen und Nöte ernst zu nehmen, warf die Telefon-Dame dem Anrufer vor, Rufschädigung zu betreiben.

Auch die Rheinbahn sollte inzwischen begriffen haben, dass es in modernen Internet-Zeiten in sozialen Medien derartige Fälle schnell publik werden, zu einem sogenannten Shitstorm und so zu einem immensen Image-Schaden führen können. Genau das ist der Rheinbahn passiert.

Nach dem unglaublichen Vorgehen der beiden Rheinbahnerinnen gestern muss nun dringend firmenintern geklärt werden, wie es in einem Multikulti-Unternehmen wie der Rheinbahn zu derartigen Vorfällen kommen kann.

Sehr schade ist, dass wir inzwischen nicht nur über Ausfälle bei Bussen und Bahnen schreiben müssen, sondern auch über menschliche Ausfälle bei der Rheinbahn!

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