Interview

Wie Bully Herbig Joseph Vilsmaiers letzten Film vollendete

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Das große Interview zum Kino-Comeback der 'Bullyparade'

Das große Interview zum Kino-Comeback der Bullyparade

Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz verraten, warum sie sich nach zehnjähriger Leinwandabstinenz für "Bullyparade - Der Film" (Kinostart: 17. August) entschieden haben und wie schwierig es sein kann, gemeinsam witzig zu sein.

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Berlin.  Bully Herbig über Joseph Vilsmaiers letzten Kinofilm „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ – und ein Versprechen an den Regisseur.

Es war der letzte Film von Joseph Vilsmaier. Und er wollte ihn unbedingt noch realisieren. Kurz nach den Dreharbeiten von „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ ist der Regisseur am 11. Februar 2020 mit 81 Jahren gestorben.

Michael Bully Herbig, der darin zum zweiten Mal den Boandlkramer spielte, die bayerische Figur des Sensenmannes, hat den Film fertiggestellt. Da es unklar ist, wann die Inzidenzwerte einen Kinostart zulassen, haben sich die Macher schweren Herzens entschieden, den Film am 14. Mai erst einmal exklusiv bei Amazon Prime Video zu starten.

Herr Herbig, als Joseph Vilsmaier gestorben ist, war der Film da wirklich schon im Kasten, oder mussten Sie selbst als Regisseur einspringen?

Michael Bully Herbig: Der Film war schon abgedreht und bis zum Feinschnitt fertig. Danach fängt dann ja die Post Production an, mit Bildbearbeitung, Synchron, Tonmischung und all diesen Dingen. Diese Aufgaben habe ich dann übernommen, wie ich es dem Joseph auch versprochen habe.

Wie waren die Dreharbeiten? Wussten Sie, dass das Vilsmaiers letzter Film sein würde?

Herbig: Überhaupt nicht. Nur ganz wenige wussten, wie es um ihn steht. Es gab überhaupt keine Anzeichen, dass er uns bald verlassen würde. Er hat das so durchgerockt, hat sich voller Energie in den Film reingeworfen. Und nie gejammert. Er hat mich allerdings einmal etwas nachdenklich beiseitegenommen, was ich damals nicht recht zuordnen konnte. Vor Drehbeginn sagte er: „Bully, du musst mir eine Sache versprechen. Wenn mit mir irgendwas ist, dann musst du den Film fertigmachen.“ Das hat mich sehr berührt, ich habe glasige Augen bekommen. Aber ich habe gedacht, er ist halt schon 80, in dem Alter kann immer was passieren, er will wohl nur den Film absichern. Mir war überhaupt nicht klar, dass er bereits wusste, dass er nicht mehr lange hat. Es ist sein Film. Ich war beim Dreh aber immer für ihn da, war sozusagen sein Flügelmann. Das hat uns extrem zusammengeschweißt. So hatten wir anderthalb sehr intensive Jahre. Das hat sich so familiär angefühlt, dass ich mich auch nicht gewundert hätte, wenn ich am Set mal „Papa“ zu ihm gesagt hätte.

Wie groß war dann der Schock, als Sie die Nachricht von seinem Tod erreichte?

Herbig: Mir hat das den Boden unter den Füßen weggerissen. Zu dem Zeitpunkt sollte ich eigentlich mit der Drehbuchentwicklung eines anderen Stoffs anfangen. Dafür fahre ich immer gern weg, nach Österreich, um in Ruhe zu schreiben. Ich habe Joseph Bescheid gegeben, dass ich mich für zwei Wochen ausklinke. Zwei Tage später riefen seine Töchter an und meinten, der Sepp möchte mich gern sehen, ob ich nicht vorbeifahren könnte, bevor ich wegfahre. Ich habe ihn dann noch besucht. Da habe ich realisiert, wie es wirklich um ihn steht. Ich bin nur froh, dass ich beim Abschied zu ihm gesagt habe: „Ich hab mich richtig in dich verliebt.“ Auf der Fahrt schwante mir langsam, dass ich ihn vielleicht das letzte Mal gesehen habe. Und vier Tage später kam auch schon der Anruf. Ich bin froh, dass wir dieses Gespräch erst jetzt führen. Vor einem halben Jahr hätte ich darüber noch nicht so recht sprechen können.

Der letzte Film, und dann über den Sensenmann – mutet das nicht sehr makaber an?

Herbig: Hätte ich gewusst, dass er nicht mehr so viel Zeit hat, wäre ich am Set nicht mit solcher Leichtigkeit damit umgegangen. Aber das war vermutlich genau das, was er gebraucht hat. Als er mich in der Maske sah, hat er mal gemeint: „Wenn ich mir vorstell, dass mi so oaner abholt, dann kann’s so schlimm ja net sein.“ Unser Boandlkramer ist ja eine ganz sympathische Figur, mit der man auch Mitleid haben kann. Womöglich hat ihm das geholfen. Der Trost für mich ist, dass es für ihn eigentlich optimal verlaufen ist. Er wollte diesen Film unbedingt noch drehen. Und er hat immer gesagt: „Wenn i nimmer drehen kann, dann mog i nimmer.“ Dass er den Film noch fertigstellen konnte und fast buchstäblich bis zum letzten Atemzug daran gearbeitet hat, hat es ihm, glaube ich, sehr erleichtert. Und ihn auch sehr glücklich gemacht.

Können Sie nach alldem über diese Komödie denn noch lachen?

Herbig: Ja. Weil der Joseph so herrlich lachen konnte. Er konnte auch herrlich schimpfen. Wenn er geschimpft hat, hätte man ihn am liebsten in den Arm genommen. Weil man wusste, dass es nicht so gemeint ist, einfach bayerisch und frei raus. Es tat ihm auch immer leid. Aber es hat halt auch immer gestimmt! Wenn ich mir den Film jetzt anschaue, weiß ich, wo er geschimpft und wo er gelacht hat. Deshalb schaue ich ihn mir sehr gern an. Es ist ein schönes Vermächtnis. Lesen Sie auch: Uwe Ochsenknecht: Worüber er sich am meisten aufregt

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