Falschmeldung

Coronavirus: Warnungen über Ibuprofen sind Fake News

Medikamentenengpass: Deshalb haben Apotheken kein Ibuprofen

Immer öfter können Apotheker ihren Kunden nicht die gewünschten Medikamente verkaufen. Wegen Lieferengpässen fehlen Arzneien.

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Berlin.  Mit der Ausbreitung des Coronavirus mehren sich auch die Falschmeldungen. Welchen Fake News Sie nicht auf den Leim gehen sollten.

Je weiter sich das Coronavirus ausbreitet, desto größer wird bei vielen auch die Verunsicherung. Befeuert wird sie derzeit zusätzlich durch mehrere Falschmeldungen, die vor allem in sozialen Netzwerken und Messengerdiensten wie Whatsapp die Runde machen.

Einer Studie zufolge seien in den ersten drei Wochen der internationalen Ausbreitung etwa 2 Millionen Tweets mit Verschwörungstheorien über das Coronavirus gepostet worden. Das schrieb die „Washington Post“ bereits Ende Februar. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht im Zusammenhang mit einer „Infodemie“ im Internet – also einer Masse an Informationen, die nicht alle der Wahrheit entsprechen.

Wir haben zusammengefasst, auf welche Fake News Sie nicht hereinfallen sollten.

Fake News: Verschlimmert Ibuprofen Covid-19?

Die Stimme klingt aufrichtig und vertrauenserweckend, doch was sie sagt, entbehrt jeder Grundlage. Eine Freundin arbeite an der Uniklinik Wien, heißt es in der Sprachnachricht, die viele aktuell via Whatsapp teilen, und dort habe man angeblich herausgefunden, warum das Coronavirus in Italien so schlimme Verläufe nehme.

Der vermeintliche Grund: Die Infizierten hätten zu Hause alle das Schmerzmittel Ibuprofen eingenommen – und das würde „die Vermehrung des Virus beschleunigen“. Doch diese Information sei falsch, stellt die Medizinische Universität Wien auf ihrer Webseite klar.

Dort heißt es: „Achtung! Derzeit werden WhatsApp-Text- und Sprachnachrichten in unterschiedlichen Social-Media-Netzwerken verbreitet, die von angeblichen Forschungsergebnissen der „Wiener Uniklinik“ rund um die Einnahme von Ibuprofen und einer angeblich damit zusammenhängenden Verstärkung von Covid19-Symptomen berichten. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit der MedUni Wien stehen!“

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Auch Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin betont, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika, zu denen Ibuprofen, aber auch Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin) zählt, und schweren Verläufen bei Covid-19 bislang nicht gesichert sei.

Jedoch könne er sich vorstellen, dass insbesondere ASS, aber auch Ibuprofen, zumindest nicht hilfreich sein könnten. „Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis“, so der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen. „Bei Paracetamol ist das nicht der Fall.“

Auch die WHO hatte zunächst davor gewarnt, im Zusammenhang mit Covid19-Symptomen Ibuprofen einzunehmen. Durch weitere medizinische Nachfragen und Prüfungen von Studien habe sie allerdings erkannt, dass es keine Hinweise auf eine mögliche Gefahr durch Ibuprofen gebe. Am Donnerstag zog die WHO die Warnung zurück.

Coronavirus: Fake News über Ausgangssperren

In vielen europäischen Ländern ist das öffentliche Leben bereits zum Erliegen gekommen. Cafés, Bars und Restaurants wurden geschlossen. Gleiches gilt für die meisten Geschäfte, mit Ausnahme von Supermärkten und Apotheken. In Italien, Österreich und Spanien gab es zudem Ausgangssperren, in Deutschland will die Bundesregierung am Sonntag mit den Ländern darüber beraten. In Bayern gelten bereits seit Samstag eine solche Ausgehbeschränkungen. Lesen Sie hier, was alle Bundesländer zu Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen planen.

Dennoch sind Meldungen in Umlauf, dass eine Sperre in anderen Teilen Deutschlands bereits in Kraft getreten sei. Am Freitag zirkulierte bei WhatsApp ein vermeintlicher Screenshot von der Webseite des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo). Dort hieß es, in der Hauptstadt gäbe es ab Montag, dem 23. März, ein „Betretungsverbot für öffentliche Orte“, zu denen auch Gehwege und Straßen gehörten.

„Das stimmt nicht!“, schreibt die Behörde auf Twitter. „Es handelt sich hierbei um eine Falschmeldung!“ Eine solche Seite sei durch das LaGeSo nie veröffentlich worden.

Falsche Tipps gegen das Coronavirus in Kettenbriefen

Kreativ sind die Erfinder von Falschmeldungen auch bei vermeintlichen Heilmitteln gegen das Virus. Das Aufklärungsportal „Mimikama“ warnt etwa vor einem viralen Kettenbrief, in dem das Trinken von heißem Wasser als Gegenmittel empfohlen wird. Darin heißt es, das Coronavirus würde bei einer Temperatur von 26 bis 27 Grad abgetötet. „Hanebüchen!“, so das Fazit von „Mimikama“.

Der menschliche Körper habe bereits eine durchschnittliche Körpertemperatur von rund 37 Grad, das Virus müsste also absterben, sobald es sich wenige Minuten im Körperinneren befände. „Das Trinken von heißem Wasser hilft da nichts, eher kühlt es das Mageninnere kurz ab, wenn es kälter als 37 Grad ist.“

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Unserer Redaktion bekannt ist zudem ein Kettenbrief, in dem behauptet wird, dass man sich mit Luftanhalten selbst auf eine Infektion testen könne. „Atmen Sie tief ein und halten Sie den Atem für mehr als 10 Sekunden an. Wenn Sie die Untersuchung ohne Husten, ohne Beschwerden, (…) erfolgreich durchführen, beweist dies, dass keine Fibrose in den Lungen vorliegt, was im Grunde genommen auf keine Infektion hinweist“, heißt es darin.

Der Brief wird wahlweise eingeleitet mit den Worten „So werden die Menschen in Kanada informiert“ oder enthalte – wenn er auf Englisch formuliert ist – angebliche Informationen „from Stanford Hospital board“. Das medizinische Zentrum der Uni Stanford distanziert sich davon auf seiner Website. Die Nachricht enthalte falsche Informationen und stamme nicht von Stanford Medicine.

Coronavirus-Falschmeldung: Aldi-Märkte schließen nicht

Die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus wurden auch in Deutschland zuletzt immer drastischer. Die Hauptstadt Berlin etwa schloss vergangene Woche unter anderem alle Bars, Kneipen, Clubs und Sportstätten. Doch selbst wenn es zu einem bundesweiten Shutdown kommen sollte, werden manche Geschäfte immer noch öffnen dürfen: allen voran Supermärkte und Discounter.

Dennoch breitete sich auf Whatsapp eine Nachricht aus, nach der angeblich alle Aldi-Märkte ab Montag, dem 16. März, geschlossen werden sollen. Stimmt nicht, wie der Discounter auf seiner Website mitteilte.

„Liebe Kundinnen und Kunden, aktuell wird eine Falschmeldung über WhatsApp verbreitet, in der eine angebliche Schließung aller ALDI Märkte ab Montag thematisiert wird. Wir möchten Ihnen auf diesem Wege mitteilen, dass unsere über 2200 Filialen in Deutschland weiterhin für Sie geöffnet haben. Unsere Teams arbeiten unermüdlich daran, Ihnen wie gewohnt Ihre Produkte des täglichen Bedarfs anbieten zu können. Wir bitten um Ihr Verständnis, wenn es bei vereinzelten Artikeln vorübergehend zu Lieferengpässen kommen sollte. Wir geben unser Bestes für Sie und freuen uns, Sie in unseren Filialen begrüßen zu dürfen“, so Aldi Nord.

Was tun bei Fake News zum Coronavirus?

Wer verdächtige Nachrichten in den sozialen Medien bemerkt oder zugeschickt bekommt, sollte diese laut „Mimikama“ nicht nur nicht weiterleiten, sondern auch den Absender darauf hinweisen, dass die Mitteilung ungesicherte Behauptungen enthalte, die nicht weiter verschickt werden sollten.

Stutzig werden sollte man vor allem, wenn es sich um Hörensagen handelt. Vertrauenswürdige Informationen erhält man hingegen bei der Weltgesundheitsorganisation oder dem Robert-Koch-Institut.

(cho)

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