Pandemie

Coronavirus-Tote: Sterben in Deutschland weniger daran?

Coronavirus: Symptome und Übertragungswege

Wie wird das Coronavirus übertragen und unter welchen Symptomen leiden Infizierte?

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Berlin.  In Deutschland scheinen weniger Menschen an Coronavirus-Infektionen zu sterben als in anderen Ländern. Woran das liegen könnte.

  • Weltweit nimmt die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus zu
  • Das ist auch in Deutschland zu beobachten. Doch während Spanien bei einer ähnlich hohen Zahl von bestätigten Fällen mehr als 1000 Tote zu beklagen hat, liegt Deutschland noch unter 100 Todesopfern
  • Woran kann das liegen? Wissenschaftler haben dafür mehrere Gründe ausfindig gemacht – wobei einer davon entscheidend sein dürfte
  • Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neuartige Coronavirus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe

Die Zahl von Infektionen mit dem Coronavirus nimmt weltweit immer weiter zu. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Italien oder Spanien, ist die Sterblichkeitsrate in Deutschland jedoch überraschend niedrig.

Den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Freitag zufolge sind in Deutschland 13.957 Menschen mit dem Virus infiziertund 31 Patienten gestorben. Das entspricht einer Sterblichkeitsrate von 0,22 Prozent– die damit deutlich niedriger ist als in Italien (8,3 Prozent), China (4 Prozent), Großbritannien (3,9 Prozent) und Frankreich (2,9 Prozent). Die Zahlen liegen nach Recherchen unserer Redaktion bereits höher. Warum sich die Zahlen zu den Coronavirus-Infektionen bei verschiedenen Stellen unterscheiden, lesen Sie hier.

„Wir haben dafür keine wirkliche Erklärung. Es ist wahrscheinlich eine Kombination aus verschiedenen Faktoren“, sagt Richard Pebody von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Experten zufolge kommen mehrere Gründe in Frage:

Coronavirus: Frühe Tests und schnelles Handeln

Ein Faktor der niedrigen Sterblichkeitsrate könnte laut Experten das schnelle Handeln der Behörden gewesen sein. Deutschland habe das Virusgeschehen sehr früh erkannt und sich damit einen Vorsprung bei der Erkennung der Epidemie gesichert, sagt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. Wissenschaftler der Charité hatten im Januar einen der ersten Tests für das neuartige Virus entwickelt.

Deutschland verfügt zudem über ein Netzwerk unabhängiger Labore, von denen viele bereits im Januar mit Tests begonnen haben, als die Fallzahlen noch sehr niedrig waren. Dank der hohen Labordichte ist es in Deutschland einfacher als in anderen Ländern, sich testen zu lassen. Nach Schätzungen des RKI können täglich 12.000 Menschen in Deutschland auf das neuartige Virus getestet werden.

Virologe Drosten hat angedeutet, dass vermutlich in keinem anderen Land der Welt so viele Menschen (relativ zur Bevölkerung) getestet worden seien; es sei also wahrscheinlich, dass in Deutschland im Verhältnis mehr Infektionen bekannt sind, als in anderen Ländern.

Coronavirus: Bessere medizinische Ausstattung

Ein weiterer möglicher Faktor: Mit 25.000 Intensivbetten mit Beatmungsgerät ist Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn gut aufgestellt. In Frankreich gibt es nur rund 7000 Beatmungsplätze, in Italien etwa 5000. In Großbritannien stehen nach Behördenangaben nur etwas mehr als 4000 Intensivbetten und 5000 Beatmungsgeräte zur Verfügung.

Um eine Überlastung der Krankenhäuser wie in Italien oder Ostfrankreich zu verhindern, hat die Bundesregierung angekündigt, die Zahl der Intensivbetten mit Beatmungsgerät zu verdoppeln. Um die Krankenhausbetten für schwer Erkrankte freizuhalten, haben Bund und Länder in einem Notfallplan beschlossen, Hallen und Hotells zu provisorischen Behandlungszentren für leichtere Fälle umzurüsten.

Jüngere Betroffene in Deutschland

In Deutschland ist der durchschnittliche Patient, bei dem eine Infektion nachgewiesen ist, zudem jünger und gesünder in anderen Ländern. In der Bundesrepublik sind nach Angaben des RKI-Präsidenten Lothar Wieler mehr als 70 Prozent der bestätigten Infizierten zwischen 20 und 50 Jahre alt.

Als Risikogruppe gelten insbesondere Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen. Allerdings ist fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre. Experten befürchten, dass die Zahl der Todesfälle mit der weiteren Ausbreitung des Virus in die Höhe schnellen wird.

Keine Tests bei Verstorbenen

Eine andere Erklärung könnte italienischen Experten zufolge sein, dass in Deutschland im Allgemeinen keine Post-mortem-Tests vorgenommen werden, also Tests an Menschen, die gestorben sind. Das RKI hält die nachträglichen Tests bei Verstorbenen hingegen für keinen „entscheidenden Faktor“. „Wir gehen davon aus, dass die Patienten diagnostiziert werden, bevor sie sterben“, teilte das Institut auf AFP-Anfrage mit.

Coronavirus: "Hi, wir sind's. Die Risikogruppe."
Coronavirus- Hi, wir sind s. Die Risikogruppe.

Deshalb seien die Tests nach dem Tod „nicht systematisch erforderlich“. Wenn ein Mensch demnach in Quarantäne sterbe, ohne in ein Krankenhaus eingeliefert worden zu sein, tauche er mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Statistik der Corona-Todesfälle gar nicht auf, sagt Giovanni Maga vom Italienischen Nationalen Forschungsrat im Interview dem Sender Euronews.

(AFP/msb)

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