Prozess

15-Jährige vergewaltigt: Lange Haft für Boxweltmeister

Muss wegen Vergewaltigung lange in Haft: Profiboxer Tobias Voss, hier vor Gericht im Jahre 2017.

Muss wegen Vergewaltigung lange in Haft: Profiboxer Tobias Voss, hier vor Gericht im Jahre 2017.

Essen  Der frühere Boxweltmeister Tobias Voss aus Dorsten muss fast fünf Jahre in Haft. Laut Urteil hat er seine 15 Jahre alte Ex-Freundin vergewaltigt.

Der frühere Profiboxweltmeister Tobias Voss aus Dorsten muss für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Begleitet von oft hämischem Lachen des 26-Jährigen verurteilte das Landgericht Essen ihn am Freitag wegen Vergewaltigung seiner damals 15 Jahre alten Freundin im Jahre 2015.

Einbezogen in diese Strafe ist die frühere Verurteilung einer anderen Kammer des Landgerichtes, die ihn 2017 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und acht Monaten Haft mit Bewährung verurteilt hatte. Da ging es um einen ehemaligen Bekannten, dem er aus ungeklärten Gründen den Kiefer gebrochen hatte. Damals hatte er die Tat bestritten.

Angeklagter schweigt vor Gericht

Im Vergewaltigungsverfahren zog der Angeklagte es vor, vor Gericht zu schweigen. Lediglich sein Verteidiger Roland Rautenberger hatte in Anträgen immer wieder Behauptungen aufgestellt, nach denen die 15-Jährige eine Lügnerin sei und ihren Ex-Freund zu Unrecht belaste.

Richter Volker Uhlenbrock, Vorsitzender der V. Jugendschutzkammer, wies das zurück und sprach den Angeklagten direkt an: „Sie sind zum Lügen bereit, um ihre frühere Freundin zu belasten.“ Er erinnerte daran, wie übel Voss die Nebenklägerin beschimpft hatte, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte.

Richter spricht von einseitiger Beziehung

Die Beziehung des schon vom Alter her ungleichen Paares dauerte nur kurz. Im Sommer hatten sie sich kennengelernt. Die 15-Jährige habe den sieben Jahre älteren Angeklagten, „den Boxheld von Dorsten“, einfach „toll“ gefunden, beschrieb der Richter den Anfang der Beziehung. Einseitig nannte er sie.

Denn gut dokumentiert sei in Chat-Nachrichten, wie selbstherrlich Voss sich verhalten habe. Als der Bestimmer soll er sich gesehen haben, als der Mann, der allein zu entscheiden habe. Aus dieser Haltung heraus, als die Jüngere ihn wegen einer anderen zur Rede stellen wollte, sei es dann zur Vergewaltigung gekommen. Uhlenbrock: „Ein Erwachsener, der fast noch ein Kind vergewaltigt.“

Angeklagten vor Missfallenskundgebungen gewarnt

Eindringlich hatte der Richter am Freitag vor dem Urteil der am 3. Dezember gestarteten Verhandlung den Angeklagten, aber auch seinen im Saal anwesenden Vater gewarnt. Missfallenskundgebungen irgendeiner Art werde das Gericht nicht hinnehmen.

Dennoch musste Uhlenbrock seine Warnung wiederholen, weil Voss während der Urteilsbegründung den vier Richtern die Menschlichkeit meinte absprechen zu müssen. Zum Schluss applaudierte der Angeklagte ironisch, wenn auch verhalten.

2015 Weltmeistertitel im Kick-Boxen geholt

Dabei hatte der Lebenslauf des Tobias Voss eigentlich positiv ausgesehen. Auf seiner eigenen Homepage präsentiert er sich seit langer Zeit als moderner, kommunikationsfreudiger Sportler mit vielen Interessen. 2015 hatte er im Kick-Boxen den Weltmeistertitel geholt, studierte gleichzeitig Gesellschaftspolitik. Auch Mitglied der CDU war er nach eigenen Worten.

Doch so positiv gestaltete sich sein Verhalten im Prozess wohl nicht. Der Richter warf Voss vor, den eigenen Vater zu Lügen in der Zeugenaussage veranlasst zu haben. Die Nebenklageanwältin Stefanie Kürpick spricht zudem von neuen Drohungen und Beleidigungen durch den Angeklagten, der weiter auf freiem Fuß ist.

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