Prozess

Anklage: Am Telefon Kinder mit sexuellen Fragen belästigt

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Er gab sich laut Anklage als Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums aus und stellte Kindern sexuelle Fragen. Jetzt steht er vor Gericht.

Eigentlich hat er ja nur telefoniert. Aber juristisch hat sich der 31 Jahre alte Essener damit eines sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen strafbar gemacht. Denn er stellte jungen Mädchen intime Fragen. Seit Donnerstag muss er sich deshalb vor dem Essener Landgericht verantworten.

Zum Prozessauftakt legte er ein Geständnis ab, will damit den Opfern seiner Telefonate die Vernehmung vor Gericht ersparen. Er kennt sich aus vor Gericht. Denn 2012 hatte ihn das Landgericht Bielefeld bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Ein Jahr später bekam er vom Amtsgericht Stolzenau eine weitere Strafe wegen dieses Deliktes: eineinhalb Jahre Haft.

Gericht untersagte ihm Kontakt zu Kindern und Jugendlichen

Nach der Haft bekam er vom Gericht die Auflage, jeglichen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu vermeiden. Aber daran hielt er sich nicht.

Bundesweit, so gab er jetzt zu, rief er junge Mädchen an. Er nannte einen Namen und gab sich als Mitarbeiter "vom Gesundheitszentrum" aus. Dann stellte er seine Fragen: Hatten Sie schon Ihre Regelblutung? Brustwachstum vorhanden? BH schon am Tragen?

Opfer antworteten arglos auf sexuelle Fragen

Seine Opfer antworteten arglos, gab er sich doch einen offiziellen Anstrich. Eine 15-Jährige, die er in einem Video-Chat kontaktiert hatte, zog sich auf seine Aufforderung hin sogar vollständig aus. "Sehr reine Haut" kommentierte sachlich der "Mitarbeiter vom Gesundheitszentrum". Sie habe gedacht, das sei eine standardisierte Online-Umfrage, gab die 15-Jährige später bei der Polizei an.

In der Anklage geht es konkret um elf Fälle, tatsächlich hat er aber wohl fast 100 Kontakte gehabt. Er fand sie über ebay-Anzeigen, bei denen es um Reitbeteiligungen ging. So erhielt er Telefonnummern, wurde auch schon mal in Chats eingeladen, bei denen es um Pferde ging.

Nach seinem Geständnis verzichtet die V. Essener Jugendschutzkammer auf die Vernehmung der Opfer. Ihre Aussagen bei der Polizei wurden verlesen. Der Angeklagte lässt sich jetzt auf seine Schuldfähigkeit untersuchen, bevor der Prozess fortgesetzt wird.

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