Prozess

Anklage: Bande handelt mit Opel-Teilen aus dem Bochumer Werk

Vor dem Essener Landgericht muss sich seit Freitag eine mutmaßliche Bande von Hehlern verantworten. 

Vor dem Essener Landgericht muss sich seit Freitag eine mutmaßliche Bande von Hehlern verantworten. 

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Originalersatzteile von Opel ab Werk. Diesen "Vertriebsweg" nutzte eine mutmaßliche Bande von Autohehlern. Jetzt stehen vier Männer vor Gericht.

Sie saßen an der Quelle, sagt die Anklage. Mit Hilfe von Speditionsfahrern soll eine Bande aus vier Männern im großen Stil Originalersatzteile aus dem Bochumer Opelwerk abgezweigt und verkauft haben. Einem der 34 bis 35 Jahre alten Männer wirft die Anklage zudem vor, 3,2 Kilo Kokain in die Türkei geschmuggelt zu haben. Für den am Freitag vor dem Landgericht Essen gestarteten Prozess hat die VII. Strafkammer 22 Sitzungstage vorgesehen.

Seriös wirken die aus der Türkei stammenden Männer. Immerhin haben sie laut Anklage nicht nur einen florierenden illegalen Geschäftsbetrieb aufgezogen, sondern zwei von ihnen zusätzlich eine Kfz-Werkstatt in Marl. Hauptsächlich soll sie sich mit dem Handel von Dieseleinspritzdüsen beschäftigt haben. Betrieben wurde sie von den Brüdern Imdat (42) und Tamer K. (34) aus Marl.

Auch Schmuggel von 3,2 Kilo Kokain angeklagt

Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt mit dem Marler Musa U. (39) ein früherer Mitarbeiter der Brüder, der sich von ihnen aber im Streit getrennt hatte und später als Konkurrent aufgetreten sein soll. Ihm lastet die Anklage den Kokain-Schmuggel an.

Der vierte Angeklagte, Mehmet A. (53), stammt aus einer Stadt bei Hannover und soll die Brüder mit Originalersatzteilen von Opel in Bochum, aber auch von MAN in Salzgitter versorgt haben. Denn er habe Verbindungen zu den Lkw-Fahrern gehabt, die die Teile ausfuhren, heißt es.

Bundeskriminalamt hatte einen Tipp bekommen

Staatsanwalt Thomas Endberg kann auf Ermittlungen des Bundeskriminalamtes zurückgreifen. 2017 hatte die Wiesbadener Behörde den Tipp bekommen, dass die Marler Firma ihren legalen Ersatzteilhandel nutze, um Drogen zu schmuggeln. Die Ermittler hörten bei Telefonaten mit und bekamen nach und nach den Einblick in eine florierende Hehlerei mit Autoersatzteilen.

Da ging es oft um Gegenstände, die vom Bochumer Opel-Warenverteilzentrum zum Stammwerk nach Rüsselsheim gebracht werden mussten. Schon auf einem Parkplatz in Riemke stoppte der Lkw-Fahrer und überreichte laut Anklage einen Teil der Ware an die Beschuldigten oder ihre Helfer. Nicht nur Einspritzdüsen wechselten so den Besitzer, auch Turbolader, Steuergeräte oder ganze Motoren.

Gewinnbringend in die Türkei verkauft

Den „billigen“ Einkauf sollen die Bandenmitglieder genutzt haben, um die Ware gewinnbringend in die Türkei weiterzuverkaufen. Geplant war auch eine offizielle Filiale im serbischen Belgrad.

Die Anklage umfasst die Zeit von April 2017 bis Mai 2018. Den Schaden allein für Opel beziffert sie auf 650.000 Euro. Allerdings sind das Schätzungen. Dem Konzern war der Fehlbestand offenbar nicht aufgefallen. Das lag laut Anklage an einer fehlenden Bestandskontrolle im Werk.

Im Ermittlungsverfahren hatte es zum Teil Geständnisse gegeben. Am Freitag wollte sich offiziell keiner der vier Angeklagten äußern, ob er auch vor Gericht reden will.

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