Prozess

Anklage sieht 22-jährigen Bottroper als brutalen Räuber

Ein Mann steht vor Gericht. Er soll eine Reihe von Gewalttaten begangen haben.

Ein Mann steht vor Gericht. Er soll eine Reihe von Gewalttaten begangen haben.

Foto: Bernd Thissen / picture alliance/dpa

Essen/Bottrop.  Die Anklage sieht den Bottroper als brutalen, wahllos Opfer suchenden Räuber. Doch ganz so einfach ist die Wahrheit nicht, zeigt der Prozess.

Eine Serie brutaler Gewalttaten soll es sein, die den 22 Jahre alten Schüler aus Bottrop vor das Landgericht Essen gebracht hat. Doch der erste Prozesstag am Dienstag zeigt, dass die VII. Strafkammer die Wahrheit nicht so einfach ermitteln wird. Lässt die Anklage noch an Zufallsopfer denken, wird schnell klar, dass der Angeklagte und die mutmaßlichen Opfer sich recht gut kennen.

Drei Monate umfasst der Anklagezeitraum. Am 6. Dezember vergangenen Jahres soll der Berufsschüler auf einen Mann, der kurz vor Mitternacht seinen Müll heraus brachte, ohne viele Worte eingeschlagen haben. Aber kein Problem. Der 32-jährige erzählt, dass der Angeklagte sich zwei Tage später bei ihm entschuldigt und er ihm verziehen habe. Im Gericht wiederholt der Angeklagte die Entschuldigung.

Vater an die Wand gedrängt

Beim nächsten Tatkomplex ist an Verzeihung erst einmal nicht zu denken. Betroffen sind Vater und Sohn. Der Angeklagte soll am 1. März gegen 19 Uhr zu einer Wohnung in Ebel gefahren sein. Dort soll er dem Wohnungsinhaber "einen Gegenstand" an den Hals gedrückt und ihn zur Seite gedrängt haben. Nach erfolgloser Durchsuchung des früheren Kinderzimmers soll er mit einem knappen "'tschuldigung" wieder gegangen sein.

Der Vater benachrichtige danach nicht die Polizei, sondern fuhr zur Wohnung seines Sohnes in der Innenstadt. Dort traf dann auch der Angeklagte mit einem Freund ein. Die mutmaßlichen Opfer waren bewaffnet. Der Vater mit einem Messer, der Sohn mit einer Schreckschusswaffe. Offenbar ging es bei dem Streit um die Waffe, die der Angeklagte haben wollte. Ergebnis: Der Sohn schoss und bekam selbst einen Stich in den Oberschenkel.

Mitschülerin laut Anklage um 700 Euro erpresst

Schließlich die letzte Tat laut Anklage. Am 18. März soll der Angeklagte einer 20 Jahre alten Mitschülerin von der Berufsschule gedroht haben. Sie solle ihm Geld geben, sonst passiere ihrer Familie etwas. Sie hob dann in der Gladbecker Sparkasse 700 Euro ab und gab sie ihm.

Auf Fragen von Richter Georg Osmers bleibt sie dabei, dass sie nie Schulden beim Angeklagten gehabt habe. Er selbst und zwei Mitschüler behaupten allerdings das Gegenteil. Zwei Sitzungstage sind noch geplant.

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