Prozess

Box-Weltmeister Tobias Voss wegen Kieferbruch vor Gericht

Profiboxer Tobias Voss (l.), hier neben seinem Verteidiger Roland Rautenberg, muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Essen verantworten.

Profiboxer Tobias Voss (l.), hier neben seinem Verteidiger Roland Rautenberg, muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Essen verantworten.

Foto: Volker Hartmann

Essen.   Im Ring hat er oft Schläge verteilt. Jetzt muss sich Box-Weltmeister Tobias Voss wegen einer Schlägerei vor Gericht verantworten. Er bestreitet.

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Auf den ersten Blick sieht Tobias Voss harmlos aus. Dieser brav gescheitelte Mann mit dem weißen Einstecktuch im Sakko soll ein brutaler Schläger sein, der einem Bekannten den Kiefer brach? Die Kraft dazu hätte der Profiboxer und Weltmeister im Kickboxen. Aber vor dem Landgericht Essen bestreitet der 24-jährige Dorstener am Mittwoch die Anklagevorwürfe. Auf erpresserischen Menschenraub und gefährliche Körperverletzung lauten sie.

Er spricht zum Prozessauftakt nicht selbst, sein Verteidiger Roland Rautenberger verliest eine lange Erklärung, nach der Tobias Voss das Opfer einer Verschwörung sein soll. Seine mutmaßlichen Gegner, der Anwalt nennt auch den Namen eines Dorstener Polizisten, sollen aus dem Boxstall in der Lippestadt stammen, in dem Voss trainierte.

Anklage nennt kein Motiv für die brutalen Schläge

Warum er seinen Bekannten zusammengeschlagen haben soll, darauf weiß auch die Anklage keine Antwort. „Aus ungeklärter Motivation“, so heißt es, soll er den Mann am 26. Februar gegen 19 Uhr in dessen Dorstener Wohnung aufgesucht haben. Sofort soll er ihn mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und dessen Kiefer gebrochen haben.

Laut Anklage hat er den früheren Freund gefesselt, ihm Haare abgeschnitten und ihn mit dem Tode bedroht, falls er die Polizei informiere. Von Schutzgeld in Höhe von 5000 Euro soll die Rede gewesen sein.

Verteidiger wirft mutmaßlichem Opfer Lügen vor

Tatsächlich, so Anwalt Rautenberger, basiere die Anklage auf Lügenmärchen, gespickt mit falschen Hinweisen eines Polizisten. Tobias Voss habe den Freund lediglich um Rückgabe einer ausgeliehenen Bohrmaschine gebeten. Darauf sei er von diesem mit einem Messer angegriffen worden und habe sich mit schnellen Schlägen gewehrt.

Im Übrigen sei Voss kein Profiboxer mehr, sondern Politikstudent. Er sei auch nicht, wie in der Anklage angedeutet, zum Islam konvertiert und Hitlerfan, sondern Mitglied der CDU. Einen kleinen Punktsieg hat der Boxer schon erzielt. Nach etwa einem Monat U-Haft hatte ihn die XVI. Strafkammer aus der U-Haft entlassen, weil sie keinen „dringenden Tatverdacht“ sah.

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