Gericht

Kleinkind misshandelt - Ehepaar zu Haftstrafen verurteilt

Ein Dorstener Ehepaar ist vom Landgericht Essen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Ein Dorstener Ehepaar ist vom Landgericht Essen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Essen.  Ein Ehepaar, das sein anderthalb Jahre altes Kind misshandelt hat, ist vom Landgericht Essen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Ein Dorstener Ehepaar, das sein anderthalb Jahre altes Kind misshandelt hat, ist am Montag vom Landgericht Essen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Gegen den 26 Jahre alten Stiefvater des Jungen verhängte die XXIV. Strafkammer wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen neuneinhalb Jahre Gefängnis mit Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Im Strafmaß ist allerdings eine frühere Verurteilung zu sieben Jahren Haft wegen versuchten Totschlags und schwerer Brandstiftung inbegriffen. Die aus einer neuen Beziehung erneut schwangere 24 Jahre alte Mutter bekam zwar zwei Jahre Haft wegen Misshandlung durch Unterlassen, erhielt aber Bewährung.

Unter Tränen hatte eine Mitarbeiterin des Dorstener Jugendamtes zum Prozessauftakt Ende Oktober berichtet, in welchem Zustand der Junge war, als sie ihn im Oktober 2016 aus der Familie nahm. Die Oma und der anonyme Anruf einer Nachbarin hatten sie informiert. Schon vor der Wohnungstür in dem Mietshaus an der Lippestraße hatten ihre Kollegin und sie das Wimmern des Kindes gehört. Apathisch lag der Junge im Bettchen, kraftlos, der Körper übersät mit Blutergüssen, abgemagert auf acht Kilogramm. Ärzte stellten später einen Knochenbruch am Bein fest.

Angeklagten bestritten die direkte Verantwortung

Verantwortlich dafür sind die Eltern, stellte das Landgericht jetzt fest. Richterin Karin Maiberg erinnerte daran, dass der Junge zunächst bei der Mutter der Angeklagten aufgewachsen war. Denn die heute 24-Jährige hatte sich vom Vater des Kindes getrennt und mit dem Angeklagten eine neue Beziehung angefangen. Von ihm war sie schwanger geworden.

Als dieses Kind im September 2016 zur Welt kam, holte sie auch den größeren Jungen zu sich. Gegen den Widerstand der Mutter und mit polizeilicher Hilfe. Doch während sie sich um den Neugeborenen gut kümmerte, ging es dem Älteren schlecht.

Die Angeklagten hatten zu Beginn des Verfahrens jede direkte Verantwortung bestritten, lediglich ein Teilgeständnis abgelegt. Ihr letztes Wort vor dem Urteil am Montag klang da schon schuldbewusster. “Es hätte nie dazu kommen dürfen”, sagte der Angeklagte. Und: “Haft ist auf jeden Fall gerechtfertigt, weil wir Scheiße gebaut haben.” Auch die 24-Jährige zeigte sich reumütig: “Es tut mir unendlich leid, was passiert ist. Ich hoffe, mein Sohn wird mir verzeihen.” Den Jungen darf sie nur alle vier Wochen sehen. Er soll die Folgen der Tat gut überstanden haben und einen Kindergarten besuchen. Ihr zweites Kind wächst ebenfalls nicht bei ihr auf. Für das dritte Kind, das wiederum aus einer neuen Beziehung stammt, ist sie nach eigenen Angaben in Kontakt mit dem Jugendamt. Der Mitangeklagte sitzt schon seit November 2016 in Haft, weil er im Haus an der Lippestraße Feuer gelegt hatte. Offenbar wollte er sich damals wegen des anonymen Anrufs der Nachbarin rächen.

Die Begründung von Richterin Karin Maiberg legt nahe, von einem milden Urteil zu sprechen. Die Kammer habe nämlich gerade bei der Angeklagten lange gerungen, wie hoch die Strafe ausfallen müsse, sagte sie. Beantragt hatte die Staatsanwaltschaft vier Jahre Gefängnis für die Mutter und elf Jahre für den Stiefvater. Bei der Mutter setzt das Gericht auf eine engmaschige Betreuung durch den Bewährungshelfer.

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