Prozess

Würstchen und Vereinswimpel als Beute der Einbrecher-"Bande"

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Profi-Einbrecher sind sie kaum. Denn die vier jungen Männer, die in Essen vor Gericht stehen, gaben sich mit 30 Würstchen als Beute zufrieden.

Die Anklage lässt an Schwerverbrecher denken. Denn die vier jungen Männer aus Altenessen, Dellwig und Stoppenberg sollen laut Staatsanwaltschaft gezielt Einbrüche begangen haben, „um ihren Lebensunterhalt und ihren Drogenkonsum zu finanzieren“. Aber dann sitzt am Donnerstag angesichts der Beute nur eine „Würstchen-Bande“ vor der XXIV. Essener Jugendstrafkammer.

Kräftig sind die 19 bis 24 Jahre alten Angeklagten zwar, aber als Einbrecher nicht sonderlich erfolgreich. Wie soll man auch ernsthaft seinen Lebensunterhalt aus diesen Straftaten bestreiten, wenn die Beute mal aus 30 Grillwürstchen, mal aus Vereinswimpeln des Fußballbezirksligisten SG Kupferdreh-Byfang besteht? Und das Drogenproblem, von dem die Anklage sprach, weist das Quartett weit von sich: „Ich hatte nie ein Problem mit Drogen“, sagt der 24-Jährige.

Verfahren drängte die Justiz nicht

Die Taten liegen zwei Jahre zurück. Auch die Anklage ist schon älter. Weil keiner der Beschuldigten, die fast alle einen Beruf ausüben, in U-Haft saß, drängte das Verfahren nicht.

Neun Fälle sind angeklagt. Die kleine Serie begann in der Nacht zum 6. Juni 2017. Damals hebelten sie die Tür zum Vereinsheim des SV Vogelheim auf. Immerhin 100 Euro Bargeld erbeuteten sie.

30 Würstchen aus dem Baumarkt-Imbiss

Eine Woche später suchten sie in Oberhausen das Vereinsheim des TuS Alstaden auf. Dort schoben sie den Rollladen hoch und nahmen einen Verstärker sowie Medaillen mit. In derselben Nacht suchten sie die Grillstation auf einem Baumarktgelände in Frillendorf auf. Die erbeuteten 30 Würstchen kamen am nächsten Abend auf den Teller.

Ganz in der Nähe öffneten sie in dieser Nacht noch die Motorhaube eines Lkw, klauten die Batterie. Vom Erlös auf dem Schrottplatz bekam jeder zehn Euro. Der 20-jährige, der sie im Auto seiner Mutter gefahren hatte, erhielt fünf Euro Spritgeld.

Kugelschreiber mit Kupferdreher Vereinsaufdruck

So zieht's sich weiter durch die Anklage. Bei der SG Kupferdreh-Byfang gibt es neben Wimpel auch noch Kugelschreiber mit Vereinsaufdruck sowie 40 Euro Bargeld. Für ein wenig Heiterkeit sorgt der Vertreter des Vereins als Zeuge. Auf die Frage nach der Stadt, in der er wohnt, antwortet er knapp mit „Kupferdreh“. Ist ja auch erst 90 Jahre her, dass der Ort nach Essen eingemeindet wurde.

Als nachts wieder einmal eine Lkw-Batterie ausgebaut wird, steigt plötzlich der Fahrer aus der Kabine. Zuletzt hatten sie als Schlusspunkt der „Serie“ einen Imbiss in Borbeck heimgesucht. Die Beute bestand aus Getränkedosen und einem Dönerspieß. „Aber der war ohne Fleisch“, betont der 24-Jährige.

Geständig sind alle Angeklagten. Sechs Prozesstage hat das Gericht angesetzt.

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