Serienmörder

„Golden State Killer“: Gesteht 13 Morde – 1000 Jahre Haft

Mutmaßlicher "Golden State Killer" vor Gericht

Der mutmaßliche US-Serienmörder Joseph James DeAngelo ist formell in zwei Fällen des Mordes beschuldigt worden. Der 72-jährige mutmaßliche "Golden State Killer" erschien erstmals zu einer kurz...

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Washington.  Joe DeAngelo, der in den USA als „Golden State Killer“ sein Unwesen trieb, hat gestanden. Der 74-Jährige wird wohl im Gefängnis sterben.

  • Joe DeAngelo bekannte sich 13 Morden, 13 Entführungen, über 50 Vergewaltigungen und mehr als 100 brutalen räuberischen Überfällen schuldig
  • Sein Geständnis bringt dem Serienmörder addiert eine Haftstrafe von weit mehr als 1000 Jahren ein
  • DeAngelo wurde auf der Basis genealogischer Testmethoden identifiziert und festgenommen

Siech. Die Gesichtszüge verhärmt. Der dürre Körper gebeugt im Rollstuhl. Der Blick starr, fast geistig abwesend.

Wer Joseph James „Joe“ DeAngelo im orangefarbenen Gefängnis-Overall in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Aula der Universität von Sacramento gesehen hat, konnte sich den sadistischen Terror, den der ehemalige Polizist in den 70er und 80er Jahren über Tausende von Menschen im US-Bundesstaat Kalifornien gebracht hatte, kaum vorstellen.

Kris Predetti konnte.

Sie war 1976 erst 15 Jahre alt, als DeAngelo sie vergewaltigte. 44 Jahre später wollte sie ihrem Peiniger bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte „in die Augen sehen”.

„Golden State Killer“ bekommt mehr als 1000 Jahre Haftstrafe

Der als „Golden State Killer” berüchtigte Serientäter („Golden State“ ist der Beiname Kaliforniens) bekannte sich am Montag 13 Morden, 13 Entführungen, über 50 Vergewaltigungen, viele davon verjährt, und über 100 brutalen räuberischen Überfällen schuldig. Allein, um der Todesstrafe zu entgehen.

Sein vorher ausgehandeltes Geständnis, das beim Verlesen der Anklage aus den mit brüchiger Stimme intonierten Worten „Ja”, „Nein”, „Schuldig” und „Ich gestehe” bestand, bringt dem Vater von drei Töchtern addiert eine Haftstrafe von weit über 1000 Jahren ein. Das genaue Strafmaß soll Ende August bekanntgegeben werden.

DeAngelo wird hinter Gittern sterben. Und so, sagte Kris Predetti stellvertretend für Dutzende Opfer-Angehörige, denen ein schmerzhafter Prozess mit Zeugen-Vernehmungen und den Magen umstülpenden Details erspart bleibt, muss es auch sein.

Von hinten aufgerollt: DeAngelo wurde erst vor zwei Jahren auf der Basis genealogischer Testmethoden identifiziert und festgenommen. Hintergrund: „Golden State Killer“ über Ahnenforschungs-Portal aufgespürt

DeAngelo wurde nach Jahrzehnten durch DNA-Datenbank identifiziert

Ermittler hatten DNA-Spuren von einem Tatort in Kalifornien bei GEDmatch.com eingegeben. Die mit über einer Million Profilen gefüllte Datenbank erlaubt es, DNA-Ergebnisse verschiedener Labore abzugleichen. Im Fall des „Golden State Killers”, der je nach Lokalität und Tatumständen auch unter „East Area Rapist”, „Diamond Knot Killer” oder „Original Night Stalker“ jahrelang als Phantom durch die Polizeireviere im Westküstenstaat geisterte, wurden entfernte Cousins ermittelt. Lesen Sie hier: Ahnenforschung mit DNA-Test – Warum Datenschützer warnen

Ahnenforscher rekonstruierten deren Stammbäume. Bis eine männliche Person in erster Linie auftauchte, die als Verdächtiger infrage kam. Bei DeAngelo, der damals bei einer seiner Töchter in der Nähe von Sacramento lebte, passten verschiedene Kriterien zu den unaufgeklärten Verbrechen. DeAngelo wurde beschattet. Auch mittels einer Serviette, die er in einem Schnell-Imbiss weggeworfen hatte, kam man an seine Speichelprobe und stellte so Deckungsgleichheit mit den DNA-Spuren von einem der Tatorte fest.

Nach der Festnahme im April 2018 blieb DeAngelo, dessen letzter Mord 1986 die damals 18-jährige Janelle Lisa Cruz traf, zunächst lange Zeit stumm. Obwohl er in einem unbeobachteten Moment, den die Fahnder auf Tonband aufnahmen, zu sich selbst sprach: „Ich habe all diese Sachen gemacht. Ich habe all diese Leben zerstört. Und nun muss ich den Preis dafür bezahlen.”

Die Motive des „Golden State Killers“ werden wohl im Verborgenen bleiben

DeAngelos Methode war von „außerordentlicher Kaltblütigkeit” geprägt, sagte Staatsanwalt Thien Ho. Oft mit Ski-Maske, Taschenlampe, Waffen, Seilen und Schnürsenkeln ausgestattet, stieg er nachts in Häuser ein. Sein Klassiker: Er fesselte die Ehemänner und platzierte Geschirr auf ihrem Rücken, bevor er sich an den Frauen verging. Verbunden mit der Drohung, dass er alle töten werde, wenn er nur ein einziges Klirren hören sollte.

Bevor er seine Opfer umbrachte, stärkte er sich aus deren Kühlschränken. Frauen, die er davonkommen ließ, bedrohte er mit dem Satz: „Du sagst nie wieder etwas, und ich verschwinde in die Dunkelheit.” Seine Motive? Bleiben im Verborgenen. Eine Befragung des Massenmörders ist nicht mehr vorgesehen.

Großen Anteil an der Verfolgung der Mordserie hatte die verstorbene Krimiautorin Michelle McNamara. Vor zwei Jahren erschien ihr akribisch recherchiertes Buch „Ich ging in die Dunkelheit”. Kurz demnach wurde DeAngelo festgenommen. Der US-Sender HBO hat auf Grundlage des Buches eine sechsteilige Doku-Serie gefilmt, die seit Sonntag in den USA ausgestrahlt wird.

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