Raub

Goldmünzen-Prozess: Jugendhaft für drei Clan-Mitglieder

Vor knapp drei Jahren wurde die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf" aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen.

Vor knapp drei Jahren wurde die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf" aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen.

Foto: Marcel Mettelsiefen / dpa

Berlin.  Die Goldmünze „Big Maple Leaf“ wurde 2017 aus dem Bode-Museum entwendet. Nun fiel im Prozess um den spektakulären Diebstahl das Urteil.

Knapp drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sind drei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Einen vierten Angeklagten sprach das Berliner Landgericht am Donnerstag frei.

Zwei Männer im Alter von 23 und 21 Jahren, die zu einem bekannten arabischstämmigen Clan gehören, wurden wegen Diebstahls zu einer Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein 21-jähriger Wachmann aus dem Museum erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Diebstahl im Bode-Museum: 41 Verhandlungstage im Prozess

Während die Anklage zuletzt Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren forderte, hatte die Verteidigung auf Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert.

Das Urteil fiel nach 41 Verhandlungstagen. Die Staatsanwaltschaft nannte das Verbrechen in ihrem Plädoyer „die spektakulärste Straftat in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg“. Wie schon die Tat selbst sorgte auch die Verhandlung weltweit für Aufsehen.

Goldmünzen-Prozess: Verurteilte gehören zur arabischen Großfamilie R. aus Neukölln

Insgesamt 13 Monate mussten sich Wayci R. (25), sein Bruder Ahmed R. (21) sowie ihr Cousin Wissam R. (23) vor Gericht verantworten. Sie gehören zur polizeibekannten arabischen Großfamilie R. aus Neukölln. Mitglieder der Großfamilie waren schon wiederholt im Visier der Polizei. Im Sommer 2018 wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden.

Staatsanwaltschaft und Gericht gehen davon aus, dass die Täter am frühen Morgen des 27. März 2017 zwischen 3.30 und 3.50 Uhr ins Bode-Museum eingedrungen sind, die Vitrine zertrümmert und die Münze entwendet haben.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Täter sie ins Freie hievten, mit einer Schubkarre über die Bahngleise bis zum Monbijoupark brachten und dort mit einem Seil in einen bereitgestellten Fluchtwagen herunterließen.

Nur ein Angeklagter wurde im Goldmünzen-Prozess freigesprochen

Wayci R. wurde freigesprochen. Wissam R. und Ahmed R. wurden zu jeweils vier Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt. Dennis W. erhielt drei Jahre und vier Monate Jugendhaft. Er arbeitete damals als Wachmann im Bode-Museum und soll laut Anklage als Tippgeber fungiert haben.

Der Diebstahl der Münze dauerte nur wenige Minuten. Den Tätern attestierte die Staatsanwaltschaft viel kriminelle Energie. Sie drangen damals durch das einzige Fenster des Museums ein, das nicht an das elektronische Sicherungssystem angeschlossen war.

Die Goldmünze, um die es geht, war so groß wie ein Autoreifen, wog 100 Kilogramm und zeigte das Bild der britischen Königin Elisabeth II. Die Goldmünze „Big Maple Leaf“ sucht ihresgleichen. Nur fünf Exemplare der kanadischen Münze wurden geprägt. Übrig sind wohl nur noch vier. Denn das Exemplar, das vor drei Jahren aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen wurde, ist nach Ansicht der Ermittler wahrscheinlich längst zerteilt und in Einzelteilen weiterverkauft worden. Der Materialwert lag damals bei 3,75 Millionen Euro.

Goldmünzen-Prozess: Staatsanwaltschaft beruft sich auf Indizien

Im Prozess wurden 22 Zeugen und zehn Sachverständige gehört. Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Forderung nach Haftstrafen auf eine Vielzahl von Indizien, die für sich genommen nicht ausreichen würden, aber im Ganzen ein aus Mosaiksteinen zusammengesetztes Beweisbild ergäben, hieß es im Plädoyer vor einem Monat.

So habe man etwa Goldspuren an der Kleidung der Verdächtigen sowie in einem Mercedes der Familie R. gefunden, die einen ähnlichen Reinheitsgehalt wie die Münze aufwiesen. DNA-Spuren seien an einem Seil und am Museumsfenster nachgewiesen worden. Die Auswertung von Handydaten habe außerdem ergeben, dass die Verdächtigen zum Goldankauf und zu Goldpreisen recherchierten.

Außerdem habe man Fotos vom Museum bei den Angeklagten gefunden. Ahmed R. soll vor der Verhandlung auch von seiner Ex-Freundin belastet worden sein, die ihre Aussage später widerrief.

Verteidigung der Clan-Mitglieder sprach von „Scheinindizien“

Außerdem gibt es ein Video aus einer Überwachungskamera am S-Bahnhof Hackescher Markt, das vor der Tat aufgenommen wurde. Es zeigt drei maskierte Männer. Ein Digitalforensiker sah Übereinstimmungen mit den drei Angeklagten in Körperhaltung, Gang, Statur, Kleidung und Bartwuchs. Während sich die Staatsanwaltschaft sicher scheint, sprach die Verteidigung aber von „Scheinindizien“.

So hätten Goldsplitter an den Schuhen von Ahmed R. keine Beweiskraft, sagten seine Anwälte in ihrem Plädoyer. Dies würde zwar für das Zerteilen von Gold, nicht aber für einen Diebstahl sprechen. Auch das Gutachten des Digitalforensikers sei ohne Aussagewert, sagten die Verteidiger von Wissam R. Im Fall ihres Mandanten seien keine tatbezogene DNA-Spuren, keine Gold- oder Glasanhaftungen an ihm zugeordneter Kleidung gefunden worden.

Vorwurf der Verteidigung: Ermittler haben sich zu früh festgelegt

Einer der Anwälte des ehemaligen Wachmanns Dennis W. erklärte, dass es keine Hinweise gebe, dass sein Mandant Erkenntnisse über die Sicherheitssysteme im Museum erlangt haben könnte. „Da wussten nur Leitende Mitarbeiter Bescheid.“

Die Ermittler hätten sich „extrem früh“ auf den 21-Jährigen konzentriert, obwohl ein anderer Wachmann, der zur Tatzeit im Museum seinen Dienst versah, widersprüchliche Angaben gemacht und möglicherweise involviert gewesen sei.

Ferner hieß es aus W.s Verteidigung, dass sich die Staatsanwaltschaft sehr schnell auf die These festgelegt habe, die „ja auch so gut zum Thema Clankriminalität gepasst“ hätten. Doch die Finanzermittlungen hätten keine Ergebnisse gebracht, die einen Verdacht gegen seinen Mandanten begründen würden.

Im vergangenen Jahr sorgte der Diebstahl mehrerer wertvoller Schmuckstücke aus dem Grünen Gewölbe in Dresden für Aufsehen. Auch bei diesem Raub gibt es Indizien, die zum Berliner Clan-Milieu führen. Zwischenzeitlich wurde dem MDR bei einer Recherche der Schmuck angeboten. Bisher ist der Schmuck allerdings nicht aufgetaucht.

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