Feuer

Unheilsbringer Himmelslaterne: Verboten, aber im Verkauf

Brand im Krefelder Zoo: Mögliche Verursacher stellen sich

Fast alle Affen des Krefelder Zoos starben beim Brand in der Neujahrsnacht. Die Ermittler fanden schnell erste Hinweise auf die Brandursache.

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Berlin.  Eine Himmelslaterne hat den Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos ausgelöst. Experten hatten schon lange vor der Verwendung gewarnt.

  • Himmelslaternen sind Schuld am fatalen Brand im Krefelder Zoo
  • Tatsächlich sind sie trotz der bekannten Gefahren frei verkäuflich
  • Die Bundesländer haben für die Handhabung unterschiedliche Regulierungen
  • Die Tatverdächtige hatte die Laternen beim Real-Online-Marktplatz gekauft – der Supermarkt reagierte

So genannte Himmelslaternen haben in der Silvesternacht im Krefelder Zoo für ein unfassbares Drama gesorgt. Auf dem Dach des Affenhauses löste eine dieser „Sky Lanterns“ ein Feuer aus, das sich rasend schnell ausbreitete. Mindestens 30 Tiere fielen den Flammen zum Opfer. Wir haben alles Wichtige zusammengefasst, was man über die Himmelslaternen wissen muss:

Himmelslaternen: So funktionieren sie

Die Himmelslaternen kommen ursprünglich aus Asien und werden traditionell aus Reispapier und Bambusstäbchen gefertigt. Hierzulande besteht die Außenhülle meist aus Papier, die von einer einfachen Draht- oder Bambuskonstruktion gehalten wird. In der Mitte des Bodens befindet sich meist eine Kerze oder ein Stückchen Stoff, das mit einer brennbaren Flüssigkeit getränkt ist.

In ihrer Form erinnern die Himmelslaternen an umgedrehte Laternen wie sie etwa bei Martinsumzügen verwendet werden. Das Feuer im Inneren sorgt dann für Auftrieb wie bei einem Heißluftballon. Auf das Papier schreibt man gute Wünsche – wie etwa zu Neujahr – und lässt diese in den Himmel tragen. Einmal entzündet steigen die Laternen auf und können Hunderte Meter hoch fliegen. Erst wenn das Brennmittel erloschen ist, sinken sie wieder zu Boden.

Experte spricht bei Himmelslaternen von „hohem Brandrisiko“

Allerdings machen diese Eigenschaften die Himmelslaternen auch besonders gefährlich. Denn sie besitzen ein „hohes Brandrisiko“, wie Silvia Darmstädter, Pressesprecherin des Deutschen Feuerwehr Verbands unserer Redaktion erklärte.

„Die Himmelslaternen sind sofort nach dem Entzünden gefährlich, weil sie vom Benutzer nach dem Auflassen nicht mehr steuerbar und den Witterungsbedingungen – wie Wind – ausgesetzt sind“, so Darmstädter. Nutzer haben also weder Einfluss auf den Flugverlauf noch auf die Brenndauer – anders als etwa bei Silvesterraketen, bei denen man den Abschusswinkel selbst bestimmen kann und es Sekunden nach dem Entzünden zur Explosion kommt.

Auch kann nicht beeinflusst werden, wo die Laternen landen würden und ob diese dann noch brennen oder bereits erloschen sind. Die Brenndauer bei Himmelslaternen kann, je nach Hersteller, fünf bis 20 Minuten betragen.

Erwerb von Himmelslaternen möglich trotz Verbot

In Deutschland sind die Himmelslaternen bereits seit 2009 verboten, nachdem mehrere Brände zum Teil mit Todesfolge durch die Laternen ausgelöst wurden. Wer sie dennoch aufsteigen lassen möchte, braucht eine Sondergenehmigung. Beim zuständigen Ordnungsamt kann in Erfahrung gebracht werden, ob das Auflassen von Himmelslaternen erlaubt ist oder ob es einer zusätzlichen Genehmigung bedarf.

Die drei tatverdächtigen Frauen, die den Brand im Krefelder Zoo verursacht haben sollen, gaben an, dass sie die Laternen im Internet gekauft hätten. Auch soll sich demzufolge kein Verbotshinweis auf den Laternen befunden haben. Ein Umstand, den auch Darmstädter vom Deutschen Feuerwehr Verband nicht nachvollziehen konnte.

„Wir haben uns bereits 2009 für ein Verbot der Himmelslaternen ausgesprochen. Und das betrifft sowohl die Benutzung als auch Verkauf und Erwerb“, betonte sie. Der Handelsverband Deutschland (HDE) konnte auf Nachfrage unserer Redaktion nicht erklären, warum die Himmelslaternen hierzulande immer noch verkauft beziehungsweise erworben werden können.

Supermarktkette stoppt Verkauf von Himmelslaternen

Die SB-Warenhauskette hat nach dem Drama im Krefelder Zoo prompt reagiert und den Verkauf von Himmelslaternen auf ihrem Online-Marktplatz gestoppt.

„Ausgelöst durch die Diskussion, die sich im Zusammenhang mit dem tragischen Brandunglück in Krefeld entwickelt hat, haben wir entschieden, dass diese Artikel von Drittanbietern nicht länger Teil unseres Angebotes sind“, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zuvor hatte die „Rheinische Post“ darüber berichtet.

Nach dem Drama im Zoo Krefeld: Wie Tierparks an Affen kommen und warum sie so schwer zu ersetzen sind.

Feuerwerk – mehr zum Thema:

Über ein generelles Verbot von Feuerwerk und Böllern wird zwar immer wieder diskutiert, bisher ist die Nutzung trotz vieler Gefahren aber noch erlaubt. Daher ist gut beraten, wer sich vor dem Gebrauch schlau macht:

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