Klare Ansage an alle Mobber

Schwerte.   Als eine Schulkameradin via Twitter und Facebook beleidigt wurde, griff Lukas Pohland ein. Daraufhin wurde er selbst aus der Anonymität des Internets angegriffen. Als es irgendwann zu viel wurde mit den Attacken aus dem Netz, berichtete Pohland seiner Schulleiterin über das Cybermobbing gegen seine Schulkameradin und sich selbst. „Die war aber eher ratlos und wusste nicht, was sie in dem Fall machen sollte“, erzählt der 13-Jährige aus Schwerte. Also wurde Lukas im Kampf gegen das Cybermobbing selbst aktiv. Er gründete eine Webseite, die Hilfe gegen Cybermobbing anbietet, und richtete darüber hinaus eine telefonische Beratung für betroffene Jugendliche ein.

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Als eine Schulkameradin via Twitter und Facebook beleidigt wurde, griff Lukas Pohland ein. Daraufhin wurde er selbst aus der Anonymität des Internets angegriffen. Als es irgendwann zu viel wurde mit den Attacken aus dem Netz, berichtete Pohland seiner Schulleiterin über das Cybermobbing gegen seine Schulkameradin und sich selbst. „Die war aber eher ratlos und wusste nicht, was sie in dem Fall machen sollte“, erzählt der 13-Jährige aus Schwerte. Also wurde Lukas im Kampf gegen das Cybermobbing selbst aktiv. Er gründete eine Webseite, die Hilfe gegen Cybermobbing anbietet, und richtete darüber hinaus eine telefonische Beratung für betroffene Jugendliche ein.

„Wir haben viele Anfragen“

Inzwischen, erzählt er, umfasst das Team bereits zehn Leute, die helfend zur Seite stehen. „Wir haben viele Anfragen. Der Bedarf für Beratung ist definitiv da.“ Als Kämpfer gegen das in seiner Generation grassierende Cybermobbing ist Lukas als Experte fast schon ein wenig berühmt geworden, mit Beiträgen auf YouTube und als Mitautor einer Nachrichtenseite für Jugendliche in Schwerte.

Jetzt hat Lukas nochmal nachgelegt. In einem offenen Brief an die Landesregierung und die Fraktionen des Düsseldorfer Landtags fordert er die Politik nun dazu auf, mehr für die Vorbeugung gegen Cybermobbing zu unternehmen: mit der Einführung des Fachs Medienerziehung an allen Schulen und mit mehr Medienkompetenz bei den Lehrern und an den Kitas. Der richtige und bewusste Umgang mit den digitalen Medien, betont Lukas, müsse so früh wie möglich gelernt werden.

Mithilfe bekam Lukas beim Verfassen seines offenen Briefes von der Psychologin Catarina Katzer. Sie gilt als eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet der sogenannten Cyberpsychologie, die sich mit Fühlen und Denken im digitalen Zeitalter beschäftigt, und berät unter anderem Europarat sowie Bundestag. Das Problem Cybermobbing werde immer größer, sagt sie: „Täter und Opfer werden immer jünger. Sogar an den Grundschulen gibt es jetzt schon Fälle.“ Die Schulen nähmen das Problem zwar ernst, dennoch habe die Mehrheit bislang keine nachhaltigen Vorbeugemaßnahmen getroffen.

In der Tat belegen Zahlen, wie brisant das Problem inzwischen geworden ist. So sind Erhebungen zufolge knapp ein Fünftel aller Schüler von Cybermobbing betroffen. Jeder Dritte der zwölf- bis 19-Jährigen kennt jemanden, der schon einmal im Internet oder per Handy gemobbt wurde. Mädchen haben dies mit 37 Prozent Anteil schon häufiger mitbekommen als Jungen (31 Prozent). Je älter die Jugendlichen, desto höher ist der Anteil derer, die schon von so einem Fall erfahren haben.

„Das Smartphone wird zunehmend zur digitalen Waffe“, ist Psychologin Katzer überzeugt. „Das, was früher auf dem Schulhof oder in der Clique geschah, spielt sich heute vor aller Augen im virtuellen Raum ab.“ Das Mobbing in der Anonymität des Internets schaffe Distanz zum Opfer. Einher gehe eine Abnahme der Empathie - also der Fähigkeit, auf die Gefühle anderer Menschen angemessen zu reagieren. „Tränen sieht man im Netz nicht“, macht die Psychologin deutlich.

„Aggression immer salonfähiger“

Bei der Politik scheinen die Forderungen von Lukas und Expertin Katzer auf offene Ohren zu treffen. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Sigrid Beer, will als Reaktion auf den offenen Brief eine fraktionsübergreifende Initiative auf den Weg bringen. „Ich hoffe und gehe davon aus, dass die Kollegen in den anderen Parteien mitziehen“, zeigt sie sich zuversichtlich. Das Thema Digitalisierung müsse in den Schulen mehr Bedeutung bekommen.

Mit Blick auf das Thema Cybermobbing macht sich die Grünen-Abgeordnete jedoch Sorgen über eine fehlende Vorbildfunktion der Politik: „Die Sprache in der Politik neigt zunehmend zum Tabubruch. Da müssen wir nicht erst Richtung USA zu Herrn Trump schauen“, merkt Beer an. Dem kann Psychologin Katzer nur zustimmen: „International ist zu beobachten, dass Aggression immer salonfähiger wird.“

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