Musikalischer Exportschlager

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INTERVIEW. Am Wochenende bekommen die Scorpions den Echo für ihr Lebenswerk. Von Aufhören ist aber keine Rede.

ESSEN/WEDEMARK. Sie gehören neben Sportwagen, Bratwürsten und Oberinspektor Derrick zu den deutschen Exportschlagern. Mehr als 75 Millionen Tonträger haben die Scorpions weltweit verkauft, dazu die scheinbar unüberwindbare Mauer zum US-Musikmarkt eingerissen. Und wer die Hard-Rock/Heavy-Metal-Formation aus Hannover über die Bühnen dieser Welt fegen sieht, kann kaum glauben, dass diese Herren schon seit 40 Jahren zusammenspielen, zumindest der Großteil dieser Band. Ein Gespräch mit Frontmann Klaus Meine (60).

NRZ: Müssen Sie sich manchmal kneifen?

Klaus Meine: Ja, manchmal schon. Zuletzt haben wir innerhalb eines Jahres 60 Konzerte in 22 Ländern gespielt. Haben während unserer gesamten Laufbahn mit so vielen großen Bands zusammengespielt, ich hab´ mit Bon Scott (ehemaliger Sänger von AC/DC, Anm. d. Red.) gemeinsam gefrühstückt. Es gibt Momente, an denen ich mich frage: Ist das alles wirklich passiert? Schöne Gedanken. Und dann stehe ich an manchen Tagen staunend vor dem Spiegel und freue mich über unseren Riesenerfolg.

NRZ: Was glauben Sie, warum haben Sie solch´ einen Erfolg?

Meine: Das kann ich auch nicht erklären. Vielleicht ist es unsere Live-Qualität. Auf jeden Fall macht es uns unglaublich stolz, zur internationalen Rock-Familie zu zählen. Das haben bisher ja nicht viele deutsche Gruppen geschafft. Bis auf Rammstein vielleicht.

NRZ: Apropos Live-Qualität: Haben Sie bei "Wind of Change" das komplette Intro selbst gepfiffen?

Meine: Ja.

NRZ: Wirklich?

Meine: Ich bin erstaunt, dass da immer so viel Kunst hineingelegt wird. Ich hab´ da eher an John Lennons "Jealous Guy" gedacht, als wir die Pfeif-Sequenz einspielten. Außerdem ist es für mich eine Qual, dass behauptet wird, Ilse Werner habe den Songteil gepfiffen, denn das stimmt absolut nicht.

NRZ: Welche Künstler haben die Scorpions auf ihrem Weg zu "Wind of Change" denn am meisten beeinflusst?

Meine: Selbstverständlich die Beatles, aber vor allem die Rolling Stones, The Who und Led Zeppelin. Gerade bei Led Zeppelin war die Symbiose zwischen harten Riffs und Balladen für uns besonders markant.

NRZ: Und mit welchen Musikern würden Sie gerne noch mal auf der Bühne zusammenspielen?

Meine: Mit Van Halen noch mal sehr gerne, aber auf jeden Fall mit Jimmy Page (Led Zeppelin). Der hat uns schon backstage im Hammersmith besucht (Hammersmith Apollo, Veranstaltungshalle in London). Vielleicht kommt es ja dazu.

NRZ: In diesem Jahr feiern die Scorpions ihr 40-jähriges Jubiläum. Und am 21. Februar bekommen Sie den Echo für Ihr Lebenswerk verliehen. Was bedeutet das für Sie?

Meine: Klar, das ist einer der bedeutendsten Musikpreise. Und es ist schön, dass Musikdeutschland unsere Arbeit würdigt. Der Preis zeigt auch, dass deutsche Rockmusik weltweit anerkannt sein kann. Auch, wenn das nur ganz wenigen gelingt.

NRZ: Wem ist das denn noch gelungen?

Meine: Tokio Hotel fallen mir da gerade ein. Die Jungs machen das gut. Und die stehen noch am Anfang...

NRZ: ...und Sie bekommen den Echo für Ihr Lebenswerk. Kommt bei so einer Auszeichnung nicht auch immer das Gefühl von Abschied auf?

Meine: Schon. Als wir den Anruf bekamen und uns mitgeteilt wurde, dass wir den Echo für unser Lebenswerk bekommen würden, da hab´ ich erst mal tief durchgeatmet und gedacht: ,Ist es schon soweit?´ Diese Art Würdigung birgt immer etwas von einem Abschied in sich. Aber unsere Fans sehen das nicht so - und wir auch nicht. Im Gegenteil: Wir sehen das als Ansporn. Gerade haben wir ganz frisch mit den Planungen zu unserem neuen Album begonnen. Und wir planen eine Stadiontour durch Russland, mit The Rasmus und Alice Cooper.

NRZ: Und wie lange möchten Sie diesen Stress noch machen? Darf man das einen Rockstar überhaupt fragen?

Meine: Klar, aber diese Frage kann ich Ihnen genauso wenig beantworten wie die Frage, ob ich morgen chinesisch oder italienisch esse. (NRZ)

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