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Nachts in Wesel – „Ein Fuchs hat meinen Sohn verletzt“

Ein Rotfuchs ist in einen Garten unterwegs – hier ein Symbolfoto.

Foto: Jürgen Theobald

Ein Rotfuchs ist in einen Garten unterwegs – hier ein Symbolfoto.

Wesel.  In Wesel kratzte das Wildtier laut einem Vater, der mit seinem Sohn im Zelt übernachtete, den 14-Jährigen am Arm. Experten: sehr ungewöhnlich!

„In Städten gibt es fast überall Füchse“, sagt Alfred Nimphius, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Wesel, und ergänzt: „Aber, was da jetzt aus Wesel berichtet wird, ist schon sehr sonderbar und extrem ungewöhnlich.“ Was war passiert? Familienvater Sascha Ballweg hatte mit seinem 14-jährigen Sohn im Garten seiner Eltern am Mühlenweg in der Feldmark gezeltet.

Gegen Mitternacht sei dann etwas Seltsames passiert: „Warnung vor angriffslustigem Fuchs in Wesel-Feldmark“ schrieb er tags darauf in einem sozialem Netzwerk.

Auf NRZ-Anfrage konkretisiert er den nächtlichen Vorfall: „Ein Fuchs hat mehrfach versucht, die Zeltwand aufzukratzen, dabei dann den Arm meines Sohnes erwischt, der sich einen schmerzhaften, aber nur oberflächlichen Kratzer zugezogen hat – vermutlich durch die Krallen“, berichtet der Vater.

Vater glaubte zunächst an "Angriff" einer "frechen Katze"

Als sein bereits schlafender Sohn plötzlich aufgeschrien habe, glaubte er zunächst an den „Angriff“ einer „frechen Katze“, doch Sekunden später habe er dann Gewissheit gehabt, dass es sich um einen Fuchs gehandelt habe: „Ich konnte den Fuchs einwandfrei etwa 20 Sekunden lang rund zwei Meter vor mir im Licht meines Handys genau sehen.“

Erst als er aus dem Zelt gekommen sei, habe sich das Tier entfernt, nachdem der Fuchs sich zuvor „mindestens viermal“ an dem Zelt zu schaffen gemacht habe. „Einmal habe ich ihm von innen sogar mit der Faust gegen die Schnauze geschlagen, damit er abhaut“, erinnert sich der Vater.

Aus Angst vor Tollwut oder anderer Krankheiten habe er am folgenden Tag seinen Sohn in die Kinder-Notaufnahme der Uni-Klinik Düsseldorf gebracht, wo ihm die Ärzte allerdings von einer nachträglichen Impfung abrieten.

Zum Glück gehe es dem Jugendlichen auch weiterhin gut, bestätigte Sascha Ballweg am Dienstag.

Unteren Jagdbehörde: „Die Tiere sind nicht blöd!“

Großmutter Rosa Maria Ballweg kann es immer noch nicht fassen, dass in ihrem Garten ein Fuchs gewesen sein soll. „Wir haben dort keine Essensreste oder irgendetwas anderes, was den Fuchs hätte anlocken können“, erzählt die Feldmarkerin.

Auch im Zelt hätten Vater und Sohn – außer verschlossenen Wasserflaschen – keine Nahrung gehabt. Im Garten gibt es lediglich mehrere Vogeltränken mit frischem Wasser.

„Füchse sind nicht blöd. Die wissen auch, dass Städte Rückzugsgebiete sind, in denen nicht geschossen wird und es Futter zu finden gibt “, erklärt Petra Teppenkamp von der Unteren Jagdbehörde beim Kreis Wesel. Ihr ist der Vorfall aus erster Hand berichtet worden. Daraufhin hat sie sich mit Kreisjagdberatern besprochen.

Jungfuchs innerhalb der Wohnbebauung in Obrighoven

Der Weseler Hegeringleiter Werner Schulte ist einer dieser Jagdberater. Er formuliert es so: „McDonalds ist für den Fuchs natürlich bequemer, als selber jagen zu gehen. Er vermutet, dass es ein Jungfuchs war, der auf der Suche nach etwas zum Fressen oder Trinken war. Schon vor eineinhalb Wochen habe er einen „dehydrierten Jungsfuchs“ in der Wohnbebauung in Obrighoven angetroffen.

Solche schwachen und extrem durstigen Tiere würden dann auch die sonst übliche Scheu vor Menschen ablegen. In einer Hinsicht, kann er Sascha Ballweg und seinem verletzten Sohn beruhigen: „Tollwut kann ich quasi ausschließen, wir sind seit rund 20 Jahren tollwutfrei.“

Dies bestätigt auch Alfred Nimphius, der ergänzt, dass dieses ungewöhnliche Verhalten des Wildtieres auch mit der Hitze und Trockenheit zu tun haben könnte: „Es gibt kaum noch Mäuse, die sich auch in tiefere Regionen verzogen haben. Und an Flüssigkeit zu kommen, wird für den Fuchs immer schwieriger.“

Er vermutet auch, dass es ein junger Fuchs gewesen sein könnte, der von der Fähe „abgesprengt“ worden sei und sich auf die Suche nach Essensresten gemacht habe.

„Was er aber an dem Zelt wollte, kann ich mir nicht erklären“, so der Jäger, der dazu rät, bei Begegnungen mit einem Fuchs in die Hände zu klatschen und zu laut rufen, damit er verschwindet.

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