Notstand

Plastikmüll zerstört die Strände auf der Urlaubsinsel Bali

Müllnotstand auf Bali

Kuta auf der indonesischen Insel Bali galt lange Zeit als Urlaubsparadies für Touristen. Doch zunehmend verschandeln kleine Müllberge die traumhafte Landschaft. Plastikverpackungen und andere Abf...
Fr, 29.12.2017, 18.20 Uhr

Kuta auf der indonesischen Insel Bali galt lange Zeit als Urlaubsparadies für Touristen. Doch zunehmend verschandeln kleine Müllberge die traumhafte Landschaft. Plastikverpackungen und andere Abf...

Beschreibung anzeigen

Denpasar  Leere Spritzen, Medikamentenverpackungen, Plastiktüten – die beliebte indonesische Urlaubsinsel Bali ruft den „Abfallnotstand“ aus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Bilder, die sich an Balis Traumstränden bieten, sind erschütternd: Im ehemaligen Urlaubsparadies verschandeln Müllberge die Landschaft. Plastikverpackungen, Shampoobehälter und andere Abfälle stapeln sich zwischen Sonnenanbetern. Jetzt hat die indonesische Insel den „Abfallnotstand“ ausgerufen. Täglich sammeln nun 700 Reinigungskräfte und 35 Lastwagen rund 100 Tonnen Abfälle ein und laden sie in einer Mülldeponie ab. Am schlimmsten ist es während der jährlichen Monsunzeit, wenn starke Winde und Meeresströmungen Strandgut anspülen und angeschwollene Flüsse Müll von den Ufern zur Küste befördern.

Die Bewohner von Bali weisen jede Mitschuld an dem schwimmenden Dreck weit von sich. „Wir wären dumm, wenn wir so unseren Fremdenverkehr schädigen würden“, sagt ein einheimischer
Hotelier. Stattdessen deuten die Balinesen mit einem anklagenden Finger auf die Region Java. Dort gerate der Abfall ins Meer, die Strömung bringe den Müll dann an die Küste Balis. Und schon bleiben die Touristen aus.

JederThailänder benutzt täglich im Durchschnitt acht Plastiktüten

Der Plastikmüll ist längst ein weltweites Problem. „Unser Planet wird langsam mit Plastik abgedeckt“, sagt Professor Jan Zalasiewicz von der Universität im britischen Leicester. Auch in Thailand ist das Problem riesig: Der Monsun treibt an stürmischen Tagen bis zu drei Meter hohe Wellen gegen den Strand von Lamae, rund 100 Kilometer südlich von Chumpon. Lokale Restaurantbesitzer fürchten an solchen Tagen um ihr Geschäft. Aber Nat (58), eine alleinstehende Witwe, freut sich über jeden Sturm: „Ich verdiene in den Wintermonaten rund 10.000 Baht (etwa 250 Euro) mit dem Einsammeln von Plastikabfall.“

Jeder der 66 Millionen Thailänder benutzt täglich im Durchschnitt acht Plastiktüten. Aber die Plastiksammlerin Nat am Strand von Lamae kümmert sich, wie Millionen ihrer Kollegen an Sandstränden in aller Welt, nur um Plastikflaschen und größeres Strandgut.

Fische verwechseln Plastik mit Plankton

Tausende gebrauchte Spritzen, leere Plastikpackungen mit Seifenrückständen sowie Zehntausende von Plastikschlappen oder halb verbrauchten Medikamentenpackungen, die angeschwemmt werden, lässt sie liegen. Der Grund: Mit dem kleinen Plastikabfall lässt sich weniger verdienen als mit Flaschen. Acht Millionen Tonnen Plastikabfall landen der Umweltbehörde der Vereinten Nationen zufolge jährlich in den Ozeanen der Welt. Im Jahr 2050, so lauten Expertenprognosen, wird es mehr Plastikabfall als Fische in den Weltmeeren geben.

Die Folgen sind dramatisch. Fische verwechseln die Partikel mit Plankton. Am Ende landet das Plastik auf unseren Esstischen, heißt es. Dabei galt Plastik einmal als Segen. Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez feierte in seinen jungen Jahren als Journalist im Jahr 1954 in einem Nachruf den Schweizer Chemiker Jacques Edwin Brandenberg, den Erfinder des Zel­lo­phanpapiers, als Wohltäter der Menschheit.

China wird jährlich zehn Millionen Tonnen mehr Plastik verbrauchen

Dank ihm werde die Schönheit von Bonbons gewürdigt. García Márquez schlug sogar vor, den Chemiker in mehreren Plastikhüllen einzusargen und wie einst Lenin oder heutzutage noch Ho Chi Minh öffentlich auszustellen. Niemand hörte auf den exzentrischen Vorschlag des kolumbianischen Schriftstellers. Stattdessen erinnern heutzutage gerade in Asien wachsende Plastikmüllberge an die Erfindung.

Zwei Drittel des schwimmenden Plastikmülls stammen aus den asiatischen Staaten China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam. Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts IHS Markit wird die Nachfrage nach dem Plastikmaterial bis 2021 jährlich um 4,6 Prozent steigen – vor allem getrieben von China. Das Reich der Mitte wird jährlich zehn Millionen Tonnen mehr an Plastikverpackungen verbrauchen. Auch Indien ist ein weiterer Wachstumsmotor. Vernünftiges Müllmanagement, so schätzen Fachleute, könnte das Plastikmüllproblem um 40 Prozent verringern. Doch noch fehlt es an der Umsetzung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik