Jugend

Sex, Drogen und Party: Wie realistisch ist der Film „Yung“?

Eine Szene aus dem Film „Yung“, Janaina Liesenfeld spielt die 17-jährige Janaina.

Eine Szene aus dem Film „Yung“, Janaina Liesenfeld spielt die 17-jährige Janaina.

Foto: Wildbunch Germany

Berlin.  Im Film „Yung“ prostituieren sich Jugendliche, feiern tagelange, suchen Sex und Drogen. Wie sexualisiert lebt die heutige Generation?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gleich die erste Szene verstört. Die 17-jährige Janaina steigt nach der Schule zu einem älteren Mann ins Auto. „Wie war’s in der Schule“, fragt dieser. Sie antwortet ausweichend und knapp. Wenig später liegt Janaina mit dem Mann in einem Hotelbett und hat Sex.

Dass Jugendliche sich heutzutage durch Prostitution und Webcam-Sex ihr Taschengeld aufbessern, lernte der junge Regisseur Henning Gronkowski (31), als er vor drei Jahren begonnen hat, für seinen jetzt erschienenen Film „Yung“ zu recherchieren. Sein Werk ist seit Donnerstag im Kino zu sehen.

Mittlerweile, erzählt er, kommen Eltern nach den Filmvorführungen zu ihm und bedanken sich für die realistische Darstellung von Jugendlichen heute. „Ein Vater sagte mir, dass sein Sohn seit Wochen nicht nach Hause gekommen sei. Er war froh, dass mein Film seinen Alltag mit seinen jugendlichen Kindern zeigt“, erzählt Gronkowski unserer Redaktion.

„Yung“-Trailer

Sex, LSD und Joints, Partys bis in den Morgengrauen

„Yung“ zeigt ein schockierendes Bild von vier Mädchen kurz vor dem Abitur, ohne Romantik oder Weichzeichner und in ungewohnter Härte. Die Jugendlichen Janaina (Janaina Liesenfeld), Emi (Emily Lau), Abbie (Abbie Dutton) und Joy (Joy Grant) ziehen berauscht und gedankenverloren durch Berlin. Besuchen Raves, träufeln sich die Mode-Droge Liquid Ecstasy, genannt „G“ in den Mund, haben darauf mit Frauen wie Männern Sex, dealen und kochen Drogen auch teilweise selbst. Teilen ihre Erlebnisse in Instagram-Stories, finden es erstaunlich, dass sie ganz nebenbei noch Abitur machen – „und das gar nicht so schlecht“, wie Emi im Film betont.

Am Ende kommt es zu einer Vergewaltigung unter K.o.-Tropfen. Dazwischen eine scheinbar endlose Aneinanderreihung von Nonsens-Gesprächen unter LSD, Pilzen und Joints, Feten bis in den Morgengrauen, Rauchen im Sonnenaufgang.

Studien beweisen das Gegenteil – Jugendliche sind heutzutage braver als früher

Gronkowskis Film steht in einem krassen Kontrast zu Zahlengerüsten aus offiziellen Statistiken und empirisch erhobenen Daten. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben deutsche Mädchen und Jungs ihr „erstes Mal“ später und sind insgesamt weniger sexuell aktiv als noch im Jahr 2010. Gut möglich und nachvollziehbar aber, sagt Gronkowski, dass solche Studien selten die Realität abbilden.

Als Janaina in einer Szene zeigt, wie sie vor ihrer Webcam für zahlende Kundschaft strippt, wird sie von der Stimme ihrer Film-Mutter durch die Tür unterbrochen. Hektisch packt sie den Rechner weg und behauptet, sie müsse noch Sachen für die Schule erledigen.

Mode-Droge „G“ immer weiter verbreitet

„Die Mädchen haben das Tempo angegeben, ich bin ihnen gefolgt. Sie haben bestimmt, was wir zeigen“, sagt Henning Gronkowski rückblickend. Während er den Film plante und drehte, bekam er viel Authentisches, aber auch Beängstigendes mit. Einmal habe er sogar auf einer Party den Krankenwagen gerufen, weil eine unbekannte junge Frau auf einer Party zusammengebrochen sei. „Ich war mir sicher, dass sie „G“ genommen hatte.“ Die Securitys alarmierten glücklicherweise einen Notarzt.

Sein Film „Yung“ zeige eine Welt, die Erwachsene mit Blick auf ihre eigenen Kinder wohl wenig wahrhaben wollen. Denn obwohl der regelmäßige Drogenkonsum von Alkohol und Zigaretten bei Jugendlichen im Jahr 2018 zurückging, zeigen wiederum andere Erhebungen der Berliner Polizei, dass bei der Zahl der Drogentoten die Modedroge „G“ eine größere Rolle spielt.

Jugendliche gehen teilweise leichtsinnig mit Drogen um

Allein in der Hauptstadt starben im Jahr 2018 fünf Jugendliche nach dem Konsum. Psychiater Felix Betzler von der Charité Berlin sieht diese Entwicklung mit Sorge. Die Konsumenten wüssten häufig zu wenig über die Gefahren der Substanz. „Sie probieren es nach drei, vier Drinks oder anderen Drogen aus – und dann gehen die Lichter aus“, sagte er dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

Im Film „Yung“ seien die Szenen der Jugendlichen unter Drogen natürlich nur von den Jugendlichen nachgespielt, betont Regisseur Gronkowski. „Denn sie wissen alle, wie es sich anfühlt.“

Allerdings ist auch mit vermeintlich harmlosen Partydrogen nicht zu spaßen. Immer wieder gibt es Fälle, bei denen Menschen etwa an hochdosierten Ecstasy-Pillen sterben – wie erst kürzlich bei einem Techno-Festival in Rheinland-Pfalz.Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Sommer in Nordrhein-Westfalen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben