Feuerwehreinsatz

Reh kämpft im Klever Hochwasser um sein Leben

Das eingeschüchterte Reh rettete sich auf das angeschwemmte Treibgut.

Foto: Andreas Gebbink

Das eingeschüchterte Reh rettete sich auf das angeschwemmte Treibgut. Foto: Andreas Gebbink

Kleve-Warbeyen.   Das Tier hatte sich auf angeschwemmtes Treibgut gerettet. THW und Feuerwehr starteten eine Rettungsaktion. Der Oraniendeich wurde gesperrt.

Zusammengekauert und verängstigt lag das Reh auf dem angeschwemmten Treibgut. Es hatte sich bereits gut 70 Meter tapfer durch die Fluten des Rheins gekämpft, immer entlang eines Stacheldrahtzauns. Noch 15 oder 20 Meter, dann hätte es das rettende Ufer des Oraniendeiches in Höhe der Huiskampfstraße erreicht. Doch das Reh war ziemlich erschöpft und tankte Kraft für den nächsten Akt durch das Wasser.

Gespannt schauten die Hilfskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk aus der Entfernung zu. Sie hatten bereits alles versucht, um dem Tier zu helfen. Am frühen Morgen hatte Jagdhüter Willi Schwers den Anruf eines Bürger erhalten, der ihn auf die missliche Lage des Tieres aufmerksam machte. Vermutlich hatte das Reh versucht, von einer kleinen Rheininsel zu entkommen, die das Hochwasser jetzt gebildet hat. Doch die Strömung des Wassers war für das junge Tier zu stark.

Mit Booten funktionierte es nicht

Die Rettungskräfte rückten zuerst mit zwei Booten der Löschgruppe Griethausen aus. „Aber der Wasserstand ist zu niedrig. Der Motor des Bootes wird dadurch beschädigt und wir gefährden den Deich“, sagte Florian Pose, Sprecher der Feuerwehr Kleve, der gemeinsam mit gut 20 anderen Feuerwehrleuten gegen 9.40 Uhr ausgerückt war. Danach haben zwei Rettungskräfte versucht, mit einer Wathose den Gang durchs Wasser zu wagen. „Aber auch das war viel zu gefährlich. Der Kollege hat bereits nach wenigen Metern aufgegeben. Er hätte sich dadurch selbst gefährdet“, berichtete Pose.

Die dritte Methode war dann erfolgreicher – nichts tun und abwarten. Die Rettungskräfte ließen den Oraniendeich für den Verkehr sperren und sorgten so für die nötige Ruhe für das Tier. Gut anderthalb Stunden war die Straße für Autos nicht befahrbar. In dieser Zeit schaffte das Reh gute 70 Meter vorwärts zu kommen.

Ist das Reh geschwommen?

Wie es überhaupt in die Lage gekommen ist, kann Jagdhüter Willi Schwers nur vermuten: „Ich denke, dass es auf der Insel jetzt noch eine ganze Menge Tiere gibt. Vermutlich ist das Reh ein Stückchen geschwommen.“ Sie tun das zwar nicht gerne, aber sie können grundsätzlich auch schwimmen.

Gegen 12.50 Uhr wurde der Oraniendeich für den Verkehr wieder freigegeben. Zwar befand sich das Tier immer noch im Wasser: „Aber wir können jetzt auch nicht stundenlang die Straße sperren“, sagte Florian Pose. Letztendlich müsse man eine Abwägung treffen. Am Nachmittag war klar: Das Reh hat es geschafft und sich bis zum Ufer durchgekämpft.

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