Frauengold-Kolumne

Vom kleinen Glück in der Krise und dem seligen Nichtstun

Coronavirus: Fünf Krisen-Tipps für Studenten

Bekommen Studierende in der Corona-Krise Kurzarbeitergeld? Oder mehr Bafög? Wir beantworten im Video die wichtigsten Fragen für Studierende vom Nebenjob bis zum Semesterticket.

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Berlin.  Jetzt kommt das Glück des Nichtstuns. Was, das wirft die Generation Y zurück? Blödsinn, sage ich als Nichtstun-erfahrener Boomer.

Es ist Pfingsten, die Sonne scheint, ich hänge im Liegestuhl auf dem Balkon ab und rufe meine Freundinnen an.

Was machen die Kinder? „Langweilen sich“. Der Partner? „Ist viel zu Hause“. Dann reden sie über Homeoffice, Drosten, die Einsamkeit der Alten, die eigenen Angst vor dem Virus, die bekloppten Aluhüte, die katastrophalen Wirtschaftsaussichten, den verpassten Sommerurlaub, die abgehängten Frauen.

Ich atme tief durch, sprinte ein wenig durch den Park vor unserer Tür und beschließe: Ich mach‘ da nicht mehr mit. Ich möchte mich gut fühlen. Also mache ich mich auf die Suche nach meinem, unseren persönlichen Glück.

Das Glück der kleinen Dinge

Wo fängt es an? Bei den Pfingstrosen, denke ich, die voll aufgeblüht über den Rand der Vase hängen, so üppig, dass sie schon wieder ihre Blätter verlieren und auf dem Parkett einen Schmierfilm bilden.

Bei der Dorade, die perfekt aus dem Ofen kommt und so zart und saftig ist, dass der Geschmack den Teenager für den Schreck über die trüben Augen entschädigt, die ihn aus dem ganzen Fisch anblicken. Beim Popup-Radweg, der über Nacht meinen Weg in die Redaktion sicherer macht.

Unser Teenager ist glücklich über das neue Kleidchen. Damit wären wir bei den materiellen Dingen angekommen: Ich könnte aufgrund meines derzeitigen Kochwahns die Küchenläden leerkaufen.

Müllvermeidung kann auch glücklich machen

Neulich waren es Wachstücher, die Frischhaltefolie ersetzen sollen. Müllvermeidung kann auch glücklich machen. Es zwingt zu durchdachten, aufgeräumten Kühlschränken, sauberen und ansehnlichen Mehrwegverpackungen.

Am Wochenende war ich glücklich, als wir mit Freunden (ein Haushalt) beim Lieblingsitaliener Luganer tranken – auf dem zur Terrasse umfunktionierten Parkplatz vor dem Restaurant.

Ich genieße mein kleines Glück. Für die Studentenkinder wäre es ein großes Glück, könnten sie wieder ihr Studentenleben leben. Mit Tagen in der Bibliothek, dem geplanten Praktikum, dem Erasmus-Semester, dem Laborpraktikum.

Studierende: Unglücklich und ausgebremst

Sie sind ausgebremst in diesen Tagen, aus vollem Lauf gezwungen in ihr altes Kinderzimmer, wo sie vom Bett aus mit ihrem Laptop Vorlesungen verfolgen, vom Bett aus Animal Crossing spielen, vom Bett aus mit Kommilitonen chatten, die auch ganztägig im Kinderzimmer-Bett liegen.

Nun diskutieren sie ihre beschissene Lage, von der inzwischen selbst Experten sagen, dass es für die Generation der 18-30-Jährigen nicht so gut läuft derzeit: Der Jugend droht, habe ich gelesen, eine Massenarbeitslosigkeit. Oder wenigstens lange Zeit schlecht bezahlte Jobs. Sie könnten gar den Wohlstand der Babyboomer-Generation, also unseren Eltern-Wohlstand, nicht mehr erreichen.

Dabei ist das so eine glückliche Generation gewesen. Tolles Abi, tolle Freunde, tolle Reisen, perfektes Englisch, Spanisch, Französisch, immer auf der Überholspur. Umworben von Headhuntern, gelockt mit Obstkörben, Firmenevents, Tischtennisplatte im Büro und einer tollen Work-Life-Balance.

Generation Z: Jetzt könnt ihr mal nichts machen

Hey, Mensch, ihr großen Kinder, sage ich nun. Liebe Generation Y oder Z, ich habe den Überblick verloren. Was für ein Glück, das ihr euch jetzt Zeit lassen könnt. Studiert doch einfach so lange wie wir früher, wenn die Aussichten ohnehin schlecht sind. Verplempert mal ein Semester und lest einfach Bücher. Meinetwegen schaut Netflix.

Bali: Ein Giraffenbaby namens Corona
Bali- Ein Giraffenbaby namens Corona

Spielt Klavier, holt die Skizzenbücher und Tuschestifte raus, mit denen ihr früher die Verwandtschaft fasziniert habt. Hört auf mit dem Turbogang und macht mal mehr von dem, was euch im Moment glücklich macht, statt immer nur nach dem nächsten Praktikum zu suchen. Ihr kriegt jetzt ohnehin keines.

Wir Boomer konnten das auch gut – nichts machen

Haben wir damals auch so gemacht, als Lehramtsanwärter vom Taxifahren lebten und ausgebildete Philosophinnen putzen gingen. Wir taumelten, alle Warnungen ignorierend, glücklich durch den Alltag – bis sich, aller Unkenrufe zum Trotz, doch alles irgendwie fügte, bisweilen tatsächlich eher mehr als oder weniger glücklich.

Jetzt ist Zeit für den Stillstand, für den Moment – und nicht für die Zukunft. Was für riesen Glück, diese Gelegenheit zu haben.

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