UN-Bericht

Warum die Finnen die glücklichsten Menschen auf Erden sind

Finnlands Parlament wählt jüngste Regierungschefin der Welt

Die 34-jährige Sanna Marin ist die neue finnische Ministerpräsidentin.

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Helsinki.  Laut dem „World Happiness Report“ der Vereinten Nationen ist Finnland das zufriedenste Land der Welt. Wie machen die Nordländer das?

Ja, auch Finnland leidet unter der Corona-Krise. Der erste Patient ist gestorben, mehr als 500 sind infiziert. Doch die Finnen zeigen sich erstaunlich gelassen. Grundschulkinder dürfen weiter zum Unterricht gehen, wenn ihre Eltern sie nicht betreuen können. Über die Ansage, sich möglichst aus dem Weg zu gehen, beschwert sich sowieso niemand.

Selbst gewähltes Alleinsein hat in Finnland mit seinen abgeschiedenen Landschaften schließlich eine lange Tradition. Die 5,5 Millionen Einwohner pflegen die freundliche Distanz.

Ob es gerade diese finnischen Tugenden sind, die das nordische Land laut dem neuen „World Happiness Report“ der Vereinten Nationen (UN) nun schon im dritten Jahr in Folge zur glücklichsten Nation auf Erden machen (Deutschland: Platz 17)?

Finnen sind die glücklichsten Menschen der Welt – warum?

Schwierig zu beantworten, Glück ist komplex. Der jährliche UN-Bericht schaut vor allem auf sechs Faktoren: Wohlstand, gesunde Lebenserwartung, soziale Unterstützung, Freiheit, Vertrauen, Korruptionsausbreitung und Offenheit auch bezüglich Einwanderern.

Die Finnen witzeln jedenfalls darüber, wie es angesichts dieser Auszeichnung um den Rest der Welt bestellt sein muss. „Es ist tragisch, wenn das hier das glücklichste Land der Welt sein soll!“, sagt etwa TV-Komiker André Wickström.

Früher galten die Finnen als die „armen Verwandten“

Finnland galt in Skandinavien lange als der arme Verwandte, dem Schwermütigkeit, Schweigsamkeit, Genügsamkeit und eine Vorliebe für den Alkohol nachgesagt wurde. „Wenn man in den 80er-Jahren nach Schweden gefahren ist, hat man die bunte Vielfalt in den Geschäften und die gut gekleideten Menschen bewundert“, erinnert sich Wickström.

Doch Finnland hat wirtschaftlich und gesellschaftlich extrem aufgeholt und übertrifft sogar sein ewiges Vorbild Schweden in vielen Bereichen. In der letzten Pisa-Bildungsstudie etwa landeten finnische Schüler auf dem sechsten Platz.

„Glücklich mit dem, was wir haben“

Vermutlich macht auch die überwundene Armut im kollektiven Gedächtnis die Finnen so zufrieden. „Wir erwarten nicht so viel und sind glücklich mit dem, was wir haben“, sagt Acke Järvinen (39) aus Helsinki, ein Mitarbeiter der Finanzbehörde.

Auch der Alkoholismus wurde erfolgreich bekämpft, wenn auch sieben Prozent der Erwachsenen immer noch als gefährdet gelten. Zudem leiden rund 7,4 Prozent der Finnen an Depressionen (Deutschland: 8,2 Prozent). Rund 400.000 Finnen nehmen täglich Antidepressiva. „Ist das die wahre Quelle des Glücks?“, scherzt Acke.

Auf 5,5 Millionen Finnen kommen 3,3 Millionen Saunen

Die Finnen schätzen Selbstironie, aber auch Bescheidenheit. „Wir geben nicht gern mit Reichtum an und so gibt es auch weniger Neid“, sagt Acke. Eine Studie belegte kürzlich: Finnen posten auf Instagram kaum Bilder, die den Status hervorheben, stattdessen Naturaufnahmen.

„Wir meckern zwar viel und laufen mit zusammengekniffenen Gesichtern durch die Straßen, es ist hier ja fast das ganze Jahr Winter, aber wir haben unsere Seen und unsere Saunen“, sagt Acke. Auf 5,5 Millionen Einwohner kommen 3,3 Millionen Saunen.

Der dänische Glücksforscher Meik Wiking dagegen sieht als Quelle des gesellschaftlichen Friedens die soziale Marktwirtschaft mit hoher steuerlicher Umverteilung: „Die nordischen Länder sind gut darin, Wohlstand in Wohlgefühl umzuwandeln.“

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