#19

An der Theke: Rheinberger will mit 21 Jahren in den Landtag

| Lesedauer: 7 Minuten

Am Niederrhein.  In Folge #19 des Podcasts „An der Theke“ ist Niels Awater zu Gast. Der 21-Jährige tritt bei den Landtagswahlen für die Grünen im Kreis Wesel an.

Politik ist dröge und in Parlamenten sitzen nur Tattergreise? Von wegen. Der beste Beweis sitzt in der aktuellen Folge unseres Podcasts „An der Theke“. Niels Awater ist 21 Jahre alt und tritt zum ersten Mal als Direktkandidat der Grünen im Kreis Wesel bei den NRW-Landtagswahlen an. Politische Erfahrungen hat er bereits einige gesammelt: Mit 17 ist er in die Partei der Grünen eingetreten, drei Jahre später hat er sein Mandat für den Stadtrat von Rheinberg erhalten. Dennoch, das gibt er im Laufe unseres Gesprächs zu, wird er in der Nacht zum 15. Mai etwas aufgeregt sein…

Niels, du bist 21 Jahre alt. Würdest du sagen, deine Generation ist politischer als die vorherige, also die der Millennials?

In jeder Generation gibt es Leute, die sind politisch interessiert und motiviert. Und dann gibt es Leute, die das nicht sind. Auch in meiner Generation gibt es viele, die nicht so politisch interessiert sind.

Was müssen Parteien deiner Ansicht nach tun, um noch mehr junge Menschen für Politik zu begeistern?

Politik kann man nicht verändern, nur damit junge Leute sich dafür interessieren. Politisches Geschäft ist, was es ist, und darauf muss man sich einlassen. Aber ein Beispiel wäre, dass Parteien viel stärker mit den Jugendverbänden zusammenarbeiten könnten. Wir haben die Grüne Jugend, dann gibt’s noch die Junge Union, die Jusos und so weiter. Die sind meiner Meinung nach zu sehr voneinander getrennt und müssten stärker zusammenarbeiten, um die Leute, die sich in den Jugendverbänden engagieren und auch hervorragende Ideen haben, abzuholen für das echte politische Tagesgeschäft.

Seit wann bist du politisch aktiv?

Ich bin 2017 mit 17 Jahren in die Partei eingetreten, weil ich mich einfach für Politik interessiert habe. Und ich habe gedacht: Wenn man etwas verändern möchte, hat man zwei Möglichkeiten. Man kann demonstrieren gehen und an Politiker*innen appellieren, was ich sehr wichtig finde. Die Alternative ist, dass man sich selbst politisch engagiert und da seine Meinung vertritt. Damals habe ich mir dann die Fraktionssitzungen der Grünen in Rheinberg angeschaut und seitdem nicht mehr damit aufgehört.

Du sitzt nun selbst für die Grünen im Stadtrat von Rheinberg. Kannst du dich noch daran erinnern, wie die erste Sitzung für dich war?

Die erste Ratssitzung war 2020, da war ich dann ja schon drei Jahre dabei. Aber an die erste Ausschusssitzung kann ich mich noch erinnern. Das war der, so hieß er damals noch, Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss. Ein total verrücktes Gefühl. Man zieht sich vorher ein Hemd an, dann geht’s los mit der Tagesordnung und man sitzt wirklich mit Politiker*innen im Ausschuss. Du kannst natürlich bei deiner ersten Sitzung praktisch zu keinem Punkt irgendetwas sagen, weil du noch keine Erfahrung hast. Meine Fraktion hat damals einen Antrag gestellt. Ich weiß nur noch, dass ich den aus irgendeinem Grund doof fand, und habe gegen diesen Antrag gestimmt. Das ist mir so unangenehm im Nachhinein!

Oh… Gab’s denn Reaktionen darauf?

Niemand hat etwas gesagt, aber die Augenbrauen wurden reihenweise hochgezogen. Später lehnte sich dann mein Kollege zu mir herüber und sagte: ‘Niels, also eigentlich macht man das nicht.’ Mittlerweile ist das natürlich eine Selbstverständlichkeit. Du stimmst nicht gegen deinen eigenen Antrag. Das ist eine ganz schlechte Außendarstellung. Aber ich wusste es halt nicht besser. Das wäre ein Tipp, den man jemandem geben könnte, der in so etwas neu einsteigt.

Hast du dich von älteren Politiker*innen schon mal nicht ernst genommen gefühlt?

Also, einmal habe ich gegen unseren eigenen Antrag gestimmt… (lacht) In den ersten Sitzungen habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht. Und im Nachhinein… Es hat niemand etwas gesagt, alle waren freundlich. Aber ich glaube schon, dass sich gedacht wurde: Okay, da sitzt jetzt ein 17-/18-Jähriger, der keine Ahnung hat. Angesprochen wurde ich aber nie darauf. Und sobald man mitarbeitet und sich einbringt, gibt sich das einfach.

Was sind deine obersten Ziele, solltest du tatsächlich in den Landtag gewählt werden?

Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Klimaschutz auch hier in NRW stärker vorangetrieben wird. Und natürlich möchte ich dafür sorgen, dass meine Generation stärker ins Licht gerückt wird. Ich finde, man hat jetzt in der Corona-Situation stark gemerkt, dass viel über ältere Menschen und über Schulen gesprochen wurde. Ich glaube, ich habe in keiner einzigen Berichterstattung das Wort „Studierende“ gehört und auch das Wort „Azubi“ ist sehr selten vorgekommen.

Du möchtest eine „Stimme für die junge Generation des Niederrheins“ sein. Was wünscht sich denn ebenjene Generation?

Unfassbar wichtig ist es, dass man das Gefühl hat, ernst genommen zu werden. Ein anderes Thema, das gerade am Niederrhein wichtig ist, ist die Mobilität auch für junge Menschen. Also, dass man vor Ort viele Möglichkeiten hat, aber auch dort wegkommt. Aktuell ist es auf jeden Fall eine Herausforderung, mit der Bahn zu fahren. Ich bin heute von Wesel nach Essen gefahren und der Zug fuhr, statt bis nach Koblenz, nur bis Oberhausen. Und das ist schon ein kleiner Unterschied…

Dann hoffen wir mal, dass deine Rückfahrt mit dem Zug einfacher verlaufen wird!

>>> Hier geht’s zum NRZ-Podcast „An der Theke“

Die Grünen im Kreis Wesel haben die Kandidatinnen und Kandidaten für die vier Direktwahlkreise bei der Landtagswahl benannt. Niels Awater stellt sich in Rheinberg, Kamp-Lintfort, Alpen, Sonsbeck, Xanten und Voerde zur Wahl. Neben seinem politischen Engagement studiert der 21-Jährige Sozialwissenschaften und Chemie auf Lehramt in Köln.

Im Podcast „An der Theke“ stoßen Niels Awater, Marcus Lenzen und Sara Schurmann erst mit einem selbstgebrauten Bratapfelbock, später dann mit einem Barley Wine vom Brauprojekt 777 aus Voerde an. Darüber kommen sie ins Plaudern – darüber, was der junge Politiker gerne bei den Grünen ändern würde, in welcher Hinsicht der Niederrhein „ausgebeutet“ wird und wie die Region in Zukunft aussehen sollte.

Diese und alle anderen bisher erschienen Folgen sind zu finden bei den gängigen Podcast-Anbietern wie Spotify und Apple Podcast oder auf www.nrz.de/andertheke

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