Podcast #6

An der Theke: Wie der Bananensprayer auf die Banane kam

| Lesedauer: 4 Minuten

Am Niederrhein.  In Folge 6 des Podcasts „An der Theke“ ist Thomas Baumgärtel zu Gast. Der Bananensprayer spricht über gekreuzigtes Obst und provozierende Kunst.

Alles Banane oder was? Ja! Denn in der aktuellen Folge unseres Podcasts ist Thomas Baumgärtel bei uns zu Gast „An der Theke“. Bei dem Namen klingelt nichts? Dann aber ganz bestimmt bei dem Zusatz „der Bananensprayer“. Genau, der gebürtige Rheinberger sprüht seit bald 40 Jahren die gelbe Frucht an Museen und Galerien auf der ganzen Welt. Doch wie ist er eigentlich auf die Banane gekommen?

Bevor wir dem Ganzen auf den Grund gehen, stoßen wir aber erst einmal an. Dieser Teil könnte allerdings für den mittlerweile in Köln lebenden und normalerweise Kölsch trinkenden Künstler zur kleinen Herausforderung werden. Denn es gibt Bier von Bolten, der ältesten Altbierbrauerei der Welt. Erst ein Helles, später ein Ur-Alt. Und seine Reaktion darauf dürfte so manchen überraschen…

Gekreuzigte Banane als Streich

Nun aber genug über Bier geplaudert, jetzt geht’s um die Banane. Zum ersten Mal taucht die Frucht 1983 in seinem Werk auf, zu diesem Zeitpunkt absolvierte er gerade den Zivildienst am Krankenhaus in seiner alten Heimat Rheinberg. Den Ordensschwestern wollte er einen Streich spielen, das gibt er zu, aber gleichzeitig auch schon den Kunstbegriff erweitern. So kreuzigte er buchstäblich seine Frühstücksbanane.

Ja, der Bananensprayer isst gerne Bananen! Hätten wir das also schon mal geklärt. Auch später ließ ihn die Banane nicht los. Er trocknete Schalen, klebte sie auf Leinwände und entwickelte die Schablonen für seine Bananenbilder. Damit zog er die ersten fünf Jahre noch nachts und anonym los, war also quasi der deutsche Banksy. Irgendwann aber konnte er seine Identität nicht mehr geheimhalten.

Banane als Symbol der Kunst- und Meinungsfreiheit

Immerhin befindet sich seine Banane mittlerweile an über 4000 Einrichtungen, schätzt der Künstler selbst. Und mit so mancher Arbeit im öffentlichen Raum hat er für großes Aufsehen gesorgt, einige Strafanzeigen sind schon bei ihm eingeflattert. Darauf reagiert er jedoch gerne mit Humor. So malte er auf eine Anzeige im Polizeipräsidium eine Banane und schrieb drüber „A banana is not a crime“.

Dennoch kann Baumgärtel sagen: „Streetart ist hoffähig geworden.“ Banksy hat natürlich entscheidend dazu beigetragen, er selbst aber auch. Denn die gesprühte Banane ist durch ihn zum Symbol der Kunst- und Meinungsfreiheit geworden. Das Thema ist ihm ein wichtiges Anliegen, vor allem wenn er auf Länder wie die Türkei oder Afghanistan schaut: „Da fühle ich mich schon verpflichtet, etwas zu machen.“

Baumgärtel kann aber auch ohne Banane

Deshalb steckte der Künstler einst auf einem seiner Bilder Erdogan eine Banane in den Hintern und löste damit eine riesige Protestwelle aus. In Karlsruhe wurde sein Bild abgehängt, „in dem Moment war ich völlig sauer“, in einer anderen Stadt durfte es hängen bleiben, „das muss ich Duisburg, dem Bürgermeister und der Leiterin der Cubus Halle hoch anrechnen“.

Aber auch am Tag der Aufnahme hat Baumgärtel seinen zuvor erwähnten Leitsatz „Kunst soll und muss alles kritisieren“ ernst genommen und ein neues, provokatives Kunstwerk geschaffen. Worum es sich dabei handelt, wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten… Eines aber will der Bananensprayer noch klarstellen: Er kann auch Kunst ohne gelbe Frucht. Es ist eben doch nicht alles Banane.

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