Studie

Pflege in Heimen deutlich schlechter als Versorgung zuhause

Senioren, die in Pflegeheimen betreut werden, leiden häufiger unter Wundgeschwüren und Flüssigkeitsmangel als ambulant versorgte Pflegebedürftige.

Foto: Ute Grabowsky/photothek.net

Senioren, die in Pflegeheimen betreut werden, leiden häufiger unter Wundgeschwüren und Flüssigkeitsmangel als ambulant versorgte Pflegebedürftige. Foto: Ute Grabowsky/photothek.net

Essen.   Die BBK hat Klinikdaten von Pflegebedürftigen ausgewertet. Bei vier von fünf Heimbewohnern gab es Diagnosen, die auf mangelhafte Pflege hindeuten

Pflegebedürftige Menschen, die aus einem Altenheim ins Krankenhaus eingewiesen werden, leiden deutlich häufiger unter vermeidbaren Erkrankungen als Menschen, die daheim gepflegt werden. Das belegt eine repräsentative Sonderauswertung der Betriebskrankenkassen in NRW, die der WAZ vorliegt.

Demnach wird bei vier von fünf (83 Prozent) Patienten, die aus Heimen eingewiesen werden, entweder schon bei der Aufnahme oder im Laufe der Behandlung eine Diagnose erstellt, die auf mangelhafte Pflege hindeutet. Bei Patienten, die ambulant gepflegt werden, ist das bei 72 Prozent der Patienten der Fall.

Kasse wertete Daten von 26.000 Patienten aus

Der BKK Landesverband Nordwest hat Klinikdaten von 26 000 Pflegebedürftigen aus acht Betriebskrankenkassen in NRW ausgewertet und sich die Diagnosen von Menschen der Pflegestufen zwei bis fünf genauer angesehen. Demnach kommen 30 Prozent der Heimbewohner dehydriert in die Klinik, von den ambulant Gepflegten leiden 22 Prozent unter Flüssigkeitsmangel. Teils unbehandelte Sturzverletzungen werden bei 15,7 Prozent der Heimbewohner diagnostiziert und bei 12,2 Prozent der von zu Hause eingewiesenen Patienten. Unter einem Wundgeschwür (Dekubitus) leiden 7,5 Prozent der Heimbewohner und damit ein Drittel mehr als Menschen, die zu Hause gepflegt werden.

Auffällig ist zudem die häufige Gabe von Beruhigungsmitteln – vier von zehn Heimbewohnern nehmen laut BKK-Daten Psychoeleptika, im häuslichen Umfeld nur 32 Prozent. „Die Ergebnisse bestätigen leider unsere Befürchtungen“, sagt Dirk Janssen, Vizechef des BKK Landesverbands Nordwest. Er sieht als Hauptursache den Personalmangel in den Pflegeheimen.

Beitrag zur Pflegeversicherung wird erhöht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Schaffung von 13 000 zusätzlichen Pflegestellen angekündigt, was von Experten als Tropfen auf den heißen Stein gewertet wird. Am Mittwoch kündigte er an, der Beitragssatz zur Pflegeversicherung müsse 2019 um 0,3 Punkte steigen, um eine Finanzlücke von drei Milliarden Euro zu schließen. Die Beiträge für Eltern würden dann auf 2,85 Prozent und die für Kinderlose auf 3,1 Prozent steigen.

Neben einer Aufwertung des Pflegeberufs fordern die Krankenkassen ein nationales Pflegeregister, in das alle Kassen ihre Daten speisen. Nur so könne man erkennen, ob sich Missstände in einzelnen Heimen oder bei Pflegediensten häufen.

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