„Kirchturmdenken“

Das Revier wehrt sich gegen Kritik der Landespolitik

So kennt man das Ruhrgebiet: Rauchende Schornsteine und große Halden – wie hier in Gelsenkirchen-Scholven.

Foto: Hans Blossey

So kennt man das Ruhrgebiet: Rauchende Schornsteine und große Halden – wie hier in Gelsenkirchen-Scholven. Foto: Hans Blossey

Essen.   Den Verantwortlichen im Ruhrgebiet wird immer wieder Kirchturmdenken vorgeworfen. Gegen diesen Vorwurf wehrt sich jetzt der Regionalverband Ruhr.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) wehrt sich gegen den Eindruck fehlender Zusammenarbeit der Städte im Ruhrgebiet. „Der Vorwurf, dass die Kirchtürme immer noch hoch sind, stimmt so einfach nicht“, sagten RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel und der Chef der Ruhr-Wirtschaftsförderung, Rasmus C. Beck, im Gespräch mit der WAZ.

Die RVR-Spitze reagiert damit auf jüngste Äußerungen aus der Landespolitik. NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte dem größten deutschen Ballungsraum im WAZ-Interview vorgeworfen, er verkaufe sich zu schlecht. Zuvor hatte SPD-Landeschef Michael Groschek in dieselbe Kerbe geschlagen. Den Worten folgten kaum Taten, hielt Groschek den Revierverantwortlichen vor.

Geiß-Netthöfel und Beck weisen die Kritik vehement zurück. Längst habe sich im Revier eine starke, interkommunale Kooperationskultur auf vielen Ebenen etabliert, betonten sie. Neben den turnusmäßigen Treffen der Bürgermeister komme es zu regelmäßigen Dezernenten-Runden, etwa im Sozial- und Umweltbereich. Auch die Wirtschaftsförderer arbeiteten eng zusammen. Organisiert seien zudem die Chefs der 28 Technologiezentren der Region. Als weiteres Beispiel gelungener Zusammenarbeit nannten beide den Regionalplan Ruhr, der im Frühsommer verabschiedet werden soll. Erstmals seit 40 Jahren liegt damit ein einheitliches Regelwerk für die Flächennutzung im Revier vor. „Der Regionalplan ist ein Pfund“, so Geiß-Netthöfel.

Der RVR widerspricht zudem dem Bild vom wirtschaftlich abgehängten Revier. „Die Ruhrwirtschaft wächst seit zehn Jahren in Folge“, betonte Beck. Auch die Zahl der Jobs nehme seitdem kontinuierlich zu. In den „Leitmärkten“ Umwelttechnik und digitale Kommunikation habe das Ruhrgebiet sogar die Rolle als Wachstumslokomotive in NRW übernommen.

Größter Bremsklotz im Revier sei die hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Durch die hohen Soziallasten fehlten den Städte Mittel für Investitionen etwa bei der Flächenentwicklung. „Hier brauchen wir unbedingt Entlastung auch durch den Bund. Die Verteilung von Fördermitteln nach Himmelsrichtung muss ein Ende haben“, sagte Geiß-Netthöfel mit Blick auf die Regierungsbildung in Berlin. Der RVR will auf einer großen Sozialkonferenz am 15. März Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit aufzeigen.

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