Ruhrkonferenz

Das Ruhrgebiet soll grüner werden

Das Revier ist grüner als viele denken: Emscher (Mitte), Emscherinsel und Rhein-Herne-Kanal auf Essener Stadtgebiet.

Das Revier ist grüner als viele denken: Emscher (Mitte), Emscherinsel und Rhein-Herne-Kanal auf Essener Stadtgebiet.

Foto: Blossey

Mülheim.   Die Landesregierung fordert zum Auftakt der Ruhrkonferenz den Ausbau der grünen Infrastruktur im Revier.

Mitte des Jahres soll die Ruhrkonferenz erste greifbare Ergebnisse liefern. Die Zeit drängt also für die neue „Ideenschmiede“ des alten Montan-Reviers. Schließlich soll die in 20 Einzelforen aufgefächerte Dauerveranstaltung nach dem Willen der NRW-Landesregierung nicht nur die zentralen Problemfelder der Region beackern, sondern schon in wenigen Monaten erste Projekte mit konkreten Finanzierungsvorlagen erarbeiten. Nach dem medienwirksam inszenierten Startschuss der Ruhrkonferenz Ende August vergangenen Jahres auf der Essener Zeche Zollverein war es freilich ruhig geworden um das schwarz-gelbe Leitprojekt. Zu ruhig, wie Wirtschaftkreise in den letzten Wochen mehrfach kritisierten.

Seit gestern nun nimmt die Ruhrkonferenz Gestalt an. In Mülheim machte sich das erste Themenforum „Grüne Infrastruktur“ an die Arbeit. 150 Umweltpolitiker, Naturschützer, Landwirte, Vertreter des Garten- und Landschaftsbaus, der Wasserwirtschaft sowie Wirtschaftsförderer der Region diskutierten in der Stadthalle einen ganzen Tag lang über Möglichkeiten, mehr Grün- und Freiflächen im Ruhrgebiet zu schaffen. „Ein solches Treffen hat es in der Region noch nicht gegeben“, ordnete Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes NRW, die Bedeutung der Tagung ein.

Schlüsselfaktor für die Region

Tumbrinck ist mit dem Chef der Emschergenossenschaft, Uli Paetzel, Ko-Moderator des Forums, das auf Seiten der Landesregierung von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) gesteuert wird. Heinen-Esser forderte im Gespräch mit dieser Zeitung „mehr Grün fürs Ruhrgebiet“. Neue Gewerbegebiete müssten vorrangig auf bestehenden Brachflächen entstehen, sagte Heinen-Esser.

Sie hob zudem die Bedeutung einer funktionierenden grünen Infrastruktur als zentralen Standortfaktor im Wettbewerb der Regionen hervor. „Neue Fachkräfte kann man heutzutage nicht in eine zubetonierte Landschaft locken“, sagte Heinen-Esser. Angesichts der durch den Klimawandel ausgelösten dramatischen Veränderungen mit Hitzewellen im Sommer und Starkregenereignissen sei es zudem entscheidend, in dicht besiedelten Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet deutlicher als bisher zusammenhängende Frischluftschneisen auszuweisen. „In den Städten liegt die Nachttemperatur im Sommer um bis zu zehn Grad höher als im Umland. Da müssen wir dringend gegensteuern“, warnte Heinen-Essern. Josef Tumbrinck sagte, der Ausbau der grünen Infrastruktur sei ein „Schlüsselfaktor“ für die Zukunft des Ruhrgebiets. „Wir brauchen eine lebenswerte Region für Mensch und Natur“, so der Nabu-Chef. Wichtig sei es, regionale Projekte zu entwickeln, die nicht an Stadtgrenzen endeten. Vorbild dafür könne die Renaturierung der Emscher sein.

Das Milliardenprojekt der Emschergenossenschaft diente auf der Tagung denn auch als Blaupause dafür, wie man große Umweltprojekte für eine ganze Region entwickeln und einheitlich steuern kann. „Wir brauchen auch für andere Projekte eine einheitliche Planung mit klaren Perspektiven und einer echten Umsetzungsstrategie“, sagte Uli Paetzel, Vorstandschef des Wasserwirtschaftsverbandes. Das Forum werde entsprechende Vorschläge bis zum Sommer vorlegen.

Über den Zielkonflikt zwischen Umwelt und Gewerbeansiedlung sprach Ruhrgebietswirtschaftsförderer Rasmus C. Beck. Ohne Ausweisung neuer Gewerbegebiete könne das Ruhrgebiet wirtschaftlich kaum gesunden. Aufenthaltsqualität werde aber auch in Gewerbegebieten immer wichtiger. Beck: „Eine Betonwüste kann man heute nicht mehr vermarkten.“

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