Nobelpreis-Verleihung

Die Dichter Peter Handke und die Wahrheit

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Dichter sind besonders der Wahrheit verpflichtet, auch wenn sie dauernd etwas erfinden. Der französische Schriftsteller Louis Aragon sprach vom „Wahr-Lügen“. Und womöglich wollte Peter Handke, der so heftig auf „Gerechtigkeit für Serbien“ drängte, der Propaganda von Serben-Gegnern etwas entgegensetzen. Gerade bei Kriegen, in denen die Wahrheit ja stets zu den ersten Opfern gehört, sind Schuld und Unschuld selten nach Schwarz-Weiß-Muster verteilt.

Und doch ist Peter Handke in seinem Reden und Schreiben über den Bosnien-Krieg über sein Ziel hinausgeschossen. Es hätte einem Literatur-Nobelpreisträger keineswegs einen Zacken aus der Krone gebrochen, das einzugestehen. Über die Schwierigkeiten beim Suchen und Finden der Wahrheit hätte Handke sogar bei seiner Nobel-Vorlesung reden können, ja sollen.

Aber es wäre ein Fehler, das Schreiben dieses Mannes auf seinen blinden Flecken Serbien zu reduzieren. Wenn die Wahrheit von heute der Irrtum von morgen ist, dann liegt die Aufgabe von Literatur nicht so sehr darin, die Wahrheit zu finden, sondern darin, immer wieder auf die Suche nach ihr zu drängen. Und das hat der Schriftsteller Peter Handke noch stets getan.

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