Zu den Bauernprotesten

Eine Agrarwende kostet

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

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Man kann die deutschen Bauern sogar verstehen: Jahrzehntelang durften sie auf die Felder spritzen, was sie wollten. Erst in jüngster Zeit wächst die Einsicht, dass sich Gift und Gülle nicht spurlos auflösen, sondern am Ende im Boden, im Grundwasser, in den Meeren stecken – und in unseren Lebensmitteln.

Nehmen wir nur die Überdüngung: Für die Fleischerzeugung werden zu viele Tiere auf zu wenig Fläche gehalten. Die überschüssige Gülle wird auf dem Feld entsorgt – und die der niederländischen Nachbarn, die ihre Gülletanker nur bis zur Landesgrenze per GPS überwachen, gleich mit, das bringt gebeutelten Bauern Geld. Die Düngeverordnung von 2017 bietet noch zu viele Schlupflöcher; aber gegen kriminelle Machenschaften helfen nur Kontrollen.

Entweder weniger Tiere – oder die Gülle verarbeiten

Grundsätzlich aber gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird die Zahl der Tiere reduziert, dann wird das Fleisch teurer. Oder man behandelt die Gülle biochemisch; das würde fünf Euro pro Kubikmeter kosten. Das ließe sich mit den 858.000 Euro, die Deutschland demnächst täglich als Strafe für zu viel krebserregendes Nitrat im Grundwasser zahlen muss, locker finanzieren.

Für die Bauern ist die Wende im Grundwasser- und Insektenschutz schwer zu verkraften; sie tun, was sie können, schon jetzt. Der kapitale Fehler der Agrarpolitik liegt woanders. Was die Produktion von Lebensmitteln kostet, wenn man die Umweltschäden einrechnet, schlägt sich genauso wenig in den Preisen der Discounter nieder wie die wahren Kosten der Mobilität auf Flugtickets oder an Zapfsäulen.

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