Es kann nur Einen geben

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Franz Müntefering ist es seit gestern nicht

Der gestrige SPD-Krisengipfel hat den internen Machtkampf entschieden. Auch wenn die Gremien noch abschließend über die konkurrierenden Vorschläge zur Zukunft des Arbeitslosengeldes entscheiden müssen, steht der Verlierer schon fest. Franz Müntefering hatte die ultimative Kraftprobe mit Kurt Beck gesucht. Ein Kompromiss war von vorneherein ausgeschlossen.Nur vordergründig wurde um Details der Sozialgesetzgebung gerungen. Tatsächlich ging es um den Führungsanspruch in der SPD. Beide Kontrahenten kämpften nach dem Highlander-Prinzip: "Es kann nur Einen geben." Jetzt steht fest, Müntefering ist es nicht. Er steht auf verlorenem Posten, wie er selbst einräumt.Rätselhaft bleibt, wie Müntefering zu der grandiosenSelbstüberschätzung gelangt ist, er könne den machtbewussten Kurt Beck übertrumpfen. Selbst führende Genossen hämen, er habe vergessen, dass er vom Parteivorsitz bereits zurückgetreten ist.

Fest steht, dass er mit seinem verbissenen Festhalten an der reinen Lehre der Agenda 2010 der SPD einen schlechten Dienst erwiesen hat. Selbst Gerhard Schröder hatte sein Reformwerk nicht für sakrosankt erklärt. Die Agenda-Gesetze wären "nicht die Zehn Gebote" hatte der Altkanzler noch vor dem Krisengipfel mitgeteilt und angedeutet, dass auch Müntefering nicht Moses sei.Doch der geht nun mit heiligem Zorn in die sichere Abstimmungsniederlage und einer bitteren "Müntedämmerung" entgegen.

Im Kabinett ist die Mit-Regierungspartei durch das überflüssige Gerangel geschwächt. Die Kanzlerin kann sich nicht darauf verlassen, dass ihr Vize noch handlungsfähig ist. Wer spricht für den Koalitionspartner? Ihr amtlicher Vertreter, oder ruft sie besser Kurt Beck an? Müntefering hat diese Konfrontation provoziert und damit auch seinen Rückzug aus der Bundesregierung eingeleitet. Als Vizekanzler ohne Partei im Rücken wäre er wenig effektiv und nur noch ein Gewinn für die CDU. Wenn Franz Müntefering wirklich der treue Parteisoldat ist, als der er sich gerne inszeniert, weiß er, welchen Dienst er der SPD jetzt erweisen sollte.

r.oppers@nrz.de

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