Plagiatsvorwurf

Familienministerin Giffey muss Doktortitel nicht abgeben

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD).

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD).

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  Seit Februar wurde die Doktorarbeit von Franziska Giffey überprüft. Nun ist klar: Die Familienministerin darf ihren Titel behalten.

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kann ihren Doktortitel behalten. Die frohe Botschaft übermittelt die FU Berlin Frau Dr. Giffey irgendwann im Laufe des Tages. Später am Mittwochabend verschickt die Freie Universität dann per Pressemitteilung, wie sie sich entschieden hat. Franziska Giffey wird gerügt für ihre Doktorarbeit, darf den Titel aber behalten.

Nicht nur die Ministerin kann aufatmen. Auch die Bundesregierung, denn es muss keine Nachfolgerin gefunden werden. Die SPD-Politikerin teilte jetzt mit, „dass sie ihre Arbeit als Bundesfamilienministerin „weiter mit großem Engagement und viel Freude“ fortsetzen werde. Giffey hatte zuvor klipp und klar gesagt, dass sie zurücktreten würde, sollte ihr der Titel aberkannt werden.

Plagiatsjäger der Internet-Plattform VroniPlag hatten berichtet, sie hätten auf 76 von 205 Seiten der Dissertation Plagiatstext gefunden. Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“. Seit Februar hatte die FU Berlin nach einer eigenen Bitte von Giffey die Arbeit geprüft. Die Ministerin hatte stets betont, die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst zu haben.

In Giffeys Doktorarbeit gab es Mängel

Ja, es gebe Mängel in der Doktorarbeit, teilte die FU nun mit, aber es habe trotzdem nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden können, „dass es sich bei der Dissertation von Frau Dr. Giffey um eine eigenständige wissenschaftliche Leistung handelt“. Im „Gesamtbild“ sieht die Uni keinen Grund, der Ministerin den Titel zu entziehen. „Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit“ gibt es allerdings eine Rüge. Konkrete Auswirkungen hat das nicht.

Wegen der Geschichte mit dem Doktortitel hatte Giffey im August ihrer Partei der SPD einen Korb gegeben, die damals händeringend Kandidaten für den Vorsitz suchte. Sie wolle die Partei und die Kandidatensuche nicht belasten mit diesem schwebenden Verfahren. Dabei war kaum ein Name für den SPD-Vorsitz vorher so häufig gefallen wie ihrer. Gilt Giffey doch als Verkörperung von Herzlichkeit und Bürgernähe. Das wird immer wieder deutlich, wenn die frühere Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln mit Menschen auf der Straße ins Gespräch kommt. Sie kann Leute mit ihrer fröhlichen Art schnell für sich einnehmen.

Giffey könnte noch spontan für SPD-Vorsitz kandidieren

Die Kandidatensuche der SPD ist inzwischen zwar ohne sie weitergegangen – nach einem ersten Mitgliederentscheid stehen sich die Duos Klara Geywitz/Olaf Scholz und Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans gegenüber. Aber nun, da die Doktorfrage für Giffey glücklich geklärt ist, tun sich vielleicht doch noch einmal Möglichkeiten auf – sofern sie das will.

In der Talkshow bei Anne Will hatte sie vor ein paar Monaten – auf die Frage nach dem SPD-Vorsitz angesprochen – auch darauf verwiesen, dass sie einen neunjährigen Sohn habe. Eine spontane Kandidatur auf dem SPD-Parteitag Anfang Dezember wäre rechtlich aber immer noch möglich. (dpa/jei)

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