Räumung

Gewerkschaft: Räumung des Hambacher Forst kostet Millionen

Fast 40 illegale Baumhäuser wurden im Hambacher Forst mittlerweile geräumt.

Fast 40 illegale Baumhäuser wurden im Hambacher Forst mittlerweile geräumt.

Foto: Imago

Im Rheinland.   Die Gewerkschaft der Polizei glaubt, dass für den Einsatz im Hambacher Forst ein zweistelliger Millionenbetrag fällig wird. Großdemo vorverlegt.

Die Räumung des besetzten Hambacher Forstes wird die Landeskasse nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit einem zweistelligen Millionenbetrag belasten. Näher fassen ließen sich die Kosten bisher nicht, da der Einsatz gegen die Braunkohlegegner dort noch läuft, hieß es auf NRZ-Nachfrage. Als Faustregel gelte, dass eine Hundertschaft (= 130 Beamte) pro Tag mit etwa 100 000 Euro zu Buche schlägt.

Gerade an den ersten Tagen waren dem Vernehmen etwa 1000 bis 2000 Beamte im Einsatz, darunter Verstärkung aus anderen Bundesländern. Diese wird dem Land NRW in Rechnung gestellt.

Umweltschützer machen derweil weiter Druck, um die drohende Rodung des Hambacher Forstes für den nahenden Braunkohletagebau doch noch zu verhindern. Die Verbände Bund, Greenpeace, Campact und Naturfreunde haben ihre an dem Wald bei Kerpen geplante Großdemo auf den 6. Oktober vorgezogen. „Wir erwarten mehr als 10 000 Teilnehmer“, sagte eine BUND-Sprecherin der NRZ.

Die Verbände begründen das Vorziehen mit der fortschreitenden Räumung des Forstes. Zugleich werden im Internet weiter Unterzeichner gesammelt für den Appell „Hambacher Wald: Retten statt roden“. 500 000 sollen es den Angaben zufolge bereits sein. Die Kundgebung hatte ursprünglich erst am 14. Oktober stattfinden sollen.

RWE hat zugesagt, mit dem Roden bis zu dem Termin zu warten, weil bis dahin ein Eilentscheid des Oberverwaltungsgerichtes Münster zum Tagebau Hambach erwartet wird.

Proteste im Hambacher Forst dauern an

Verletzte und Festnahmen bei Räumung von Baumhäusern.
Proteste im Hambacher Forst dauern an

Im Düsseldorfer Landtag wurde gestern über den seit vergangener Woche laufenden Polizeieinsatz im Forst gestritten. Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) verteidigte das Vorgehen der Landesregierung: „Der Hambacher Forst ist kein rechtsfreier Raum!“ Scharrenbach verwies auf die zahlreichen Straftaten, die dort und im nahen Tagebau bereits von gewaltbereiten Braunkohlegegnern verübt wurden.

SPD und Grüne warfen der schwarz-gelben Landesregierung vor, die Debatte um die Räumung mit einer „verengenden“ Begründung auf Baurecht unnötig aufzuheizen.

73 Festnahmen bisher

Nach Angaben der zuständigen Polizei sind mittlerweile 39 der einst 51 illegalen Baumhäuser geräumt. Seit Einsatzbeginn am 13. September habe man insgesamt 73 Personen festgenommen und 83 in Gewahrsam genommen. Von insgesamt 327 Personen habe man die Identität festgestellt. Gegen neun wurde ein Bereichsbetretungsverbot ausgesprochen, 333 wurde ein Platzverweis erteilt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wies daraufhin, dass der Einsatz mit vollendeter Räumung allein nicht beendet sei. Die Rodung selbst werde mindestens 28 Tage dauern. RWE will in diesem Herbst und Winter insgesamt 101 Hektar Forst abholzen – für den weiteren Betrieb des Tagebaus sei das unabdingbar. Bei der Sicherung des Waldes zwischen Räumung und Rodung sieht GdP-Landesvize Heiko Müller Grundstückseigentümer RWE in der Pflicht. (mit dpa)

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