Europapolitik

Griechenland braucht ein Integrationsprogramm für die EU

Auf dem Rücken einer verarmten Bevölkerung kann Griechenlands Regierung nicht weiter auf Teufel komm raus sparen.

Foto: Alkis Konstantinidis / REUTERS

Auf dem Rücken einer verarmten Bevölkerung kann Griechenlands Regierung nicht weiter auf Teufel komm raus sparen. Foto: Alkis Konstantinidis / REUTERS

Berlin  Die Geldgeber in Europa müssen entscheiden, wie es mit den Problemen Griechenlands weitergehen soll. Es braucht Geduld und Milliarden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das zu Ende gehende Jahr war für Europa ein turbulentes: Flüchtlingskrise, schwieriges Russland, Erdogans Türkei entfernt sich immer weiter von der EU. Gekrönt wurde es von der Brexit-Abstimmung. Hinter all diesen Kalamitäten ist ein Problem aus dem Fokus geraten – Griechenland.

Weil es aber nicht gelöst ist, drängt es wieder ins Blickfeld. Die Geldgeber, die das Land künstlich beatmen, müssen wieder einmal entscheiden, wie es weitergehen soll. Mehr sparen, lieber investieren, wie steht es um die angemahnten Reformen?

Die Zwischenbilanz ist eher bescheiden

Die Zwischenbilanz ist relativ bescheiden. In Athen türmt sich ein Schuldenberg von rund 315 Milliarden Euro – etwa 180 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auf der anderen Seite ist die Hälfte der Bevölkerung von der Einkommensteuer befreit. Dazu kommt ein Pensionssystem, für das elf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung draufgeht. Der Eurozonen-Schnitt liegt hier bei 2,25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Gespart hat die Regierung dagegen bei Investitionen in die zerfallende Infrastruktur. Griechenland macht es zudem den Unternehmen und Behörden sehr schwer, Leute zu feuern, weil eine Arbeitslosenhilfe weitgehend fehlt.

Viel Geduld und weitere Milliarden

Da ist guter Rat nicht nur teuer – er gleicht der Quadratur des Kreises. Auf dem Rücken einer verarmten Bevölkerung lässt sich nicht weiter auf Teufel komm raus sparen. Und damit, dass sich in Athen überraschend der Hang zum guten und soliden Regieren Bahn bricht, ist auch nicht zu rechnen.

Im Grunde bedarf es in einem Land, dessen Bevölkerung den Staat als natürlichen Feind und dessen Elite diesen als natürliche Einnahmequelle betrachten, eines langwierigen Integrationsprogrammes, um EU-tauglich zu werden. Das erfordert viel Geduld und weitere Milliarden. Angesichts bevorstehender Wahlen, unter anderem in Deutschland, wird man bereit sein, sich erneut Zeit zu kaufen, auch um nach dem Brexit eine weitere Erosion der EU zu vermeiden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik