Mode-Siegel

„Grüner Knopf“ soll nachhaltige Kleidung kennzeichnen

Der Staat will nachhaltige Mode mit dem „grünen Knopf“ kennzeichnen.

Der Staat will nachhaltige Mode mit dem „grünen Knopf“ kennzeichnen.

Foto: Alexander Koerner / Getty Images Entertainment/Getty Images

Berlin  Der Staat will ökologische und nachhaltige Mode besser kennzeichnen und den „grünen Knopf“ einführen. Die Textilbranche ist skeptisch.

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Ab kommendem Jahr sollen die Verbraucher ein staatliches Siegel an neuen Textilien in den Geschäften vorfinden. Dieses wird die soziale und ökologische Qualität des jeweiligen Kleidungsstückes hervorheben.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) treibt die Einführung des sogenannten Grünen Knopfes voran. Ein neues Konzeptpapier aus seinem Haus liegt dieser Zeitung vor. Wirtschaftsverbände, aber auch die Kampagne für Saubere Kleidung sind skeptisch.

„Erste Grüne-Knopf-Produkte erscheinen 2019 auf dem Markt“, heißt es in dem zwölfseitigen Entwurf des „Umsetzungskonzepts“. Das neue Label soll sichtbar am jeweiligen T-Shirt, Sakko oder Hemd baumeln.

Reaktion auf schwere Unfälle in der Textilindustrie

Als „Zeichengeber“ steht das Entwicklungsministerium dafür gerade, dass ökologische und so­ziale Mindeststandards bei der Produktion eingehalten wurden. Beispielsweise sollen die Beschäftigten in den Nähereien von Bangladesch, Kambodscha oder Vietnam nach und nach mit den Firmen über ihre Löhne verhandeln dürfen.

Diese Zusage gilt erst mal nur für die Endproduktion der Textilien, die Konfektionierung. Ab 2021 sollen weitere Produktionsstufen, etwa die Färbung der Stoffe, einbezogen werden. Auch die Kriterien will Müller allmählich verschärfen. Der ganze Prozess ist eine Reaktion auf schwere Unfälle in der globalen Textilindustrie wie den Einsturz des Fabrikkomplexes Rana Plaza in Bangladesch 2013.

Wie werden Kriterien vergeben?

Eine zentrale Frage ist, nach welchen Kriterien das Label vergeben wird. Laut Entwicklungsministerium sollen es beispielsweise Unternehmen erhalten können, die im Textilbündnis der Regierung mitwirken und in Fortschrittsplänen die Einhaltung von gewissen Sozial- und Ökostandards zusichern.

Das Textilbündnis ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Firmen und ­Organisationen, die die Zustände in der globalen Bekleidungsindustrie verbessern wollen.

Zusätzlich muss das jeweilige Produkt, etwa eine Jeans, bereits private Siegel tragen, die die soziale und ökologische Qualität bescheinigen. Hier kommen 16 anerkannte Label infrage, die auf der Internetseite ­siegelklarheit.de als gut oder sehr gut eingestuft sind – Blauer Engel, Fairtrade, Fair Wear Foundation, EU Ecolabel, Cotton made in Africa und an­dere.

Die Reaktionen sind unterschiedlich

Müllers Idee: Der Grüne Knopf gibt eine verlässliche Orientierung für Verbraucher, die sich mit den Dutzenden existierenden Labels nicht auskennen. Das Staatssiegel fasst außerdem Ökologie und Soziales zusammen, was bei vielen anderen Zertifikaten nicht der Fall ist.

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Beim Textildiscounter Kik heißt es: „Sobald die Details und ein Startdatum für den Grünen Knopf feststehen, plant Kik, sich ebenfalls mit einzelnen Produkten, voraussichtlich aus dem Baby- und Kinderbereich zu beteiligen.“

Der Handelsverband (HDE), der große Textilunternehmen vertritt, sieht das Vorhaben jedoch „sehr kritisch“. Ähnlich der Verband Textil & Mode: „Das geplante Textilsiegel schafft nicht mehr Klarheit, sondern – im Gegenteil – mehr Siegelunklarheit“, sagte eine Sprecherin.

Kommt Müller mit der Idee durch?

Dort fragt man sich, was ein zusätzliches staatliches Label soll, wenn es nur auf bereits existierende Siegel aufsetzt. Die Kampagne für Saubere Kleidung bemängelt unter anderem, dass die Firmenkriterien zu lasch seien. Unternehmen im Textilbündnis könnten oft nicht sicherstellen, dass die Arbeiter der Zulieferfabriken beispielsweise eigene Vertretungen wählen dürfen.

Die Fortschrittsversprechen der Firmen im Textilbündnis reichten nicht aus, sagte Gisela Burckhardt, die die Kampagne im Bündnis vertritt. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob Müller mit seiner Idee durchkommt. Der Erfolg hängt ­davon ab, wie viele Firmen mitmachen.

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