Gesichter der Zukunft

FDP-Nachwuchspolitiker Vogel: Mehr als Lindners Anhängsel

Der NRW-FDP-Generalsekretär Johannes Vogel vor der Kulisse des  Düsseldorfer Medienhafens am Rhein nahe dem Landtag.

Der NRW-FDP-Generalsekretär Johannes Vogel vor der Kulisse des Düsseldorfer Medienhafens am Rhein nahe dem Landtag.

Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Jung, smart ehrgeizig: Johannes Vogel ist mit 35 bereits ein erfahrener Politiker. Der „General“ der FDP in NRW gilt als brillanter Stratege.

Für viele ist er der „Mann hinter Christian Lindner“. Aber Johannes Vogel (35) als Anhängsel des FDP-Chefs zu sehen, ist ein Fehler. Der junge Bundestagsabgeordnete hat nicht nur seine eigene Vorstellung von Liberalismus, sondern auch besondere strategische Fähigkeiten.

Das Kulturzentrum „Boui Boui Bilk“ in Düsseldorf beschreibt sich selbst als Ort für Kunst und Klamauk. Hier enthüllt Johannes Vogel, Generalsekretär der NRW-FDP, am 7. Februar 2017 drei Großplakate. „Es geht nicht um mich“, sagt der anwesende Christian Lindner in der alten Industriehalle vorsorglich, aber das gehört wohl in die Abteilung Klamauk. Die eingeladenen Journalisten reagieren jedenfalls erheitert, als auf den Großflächen dreimal Lindner auftaucht.

Vogel organisierte Lindners Wahlkampf

Was damals keiner ahnt: Diese Kampagne mit schwarz-weißen Motiven im Reportagestil geleitet die FDP zu ihrem Erfolg am 17. Mai in NRW und gibt die Vorlage für die Bundestagswahl-Werbung der Liberalen. Der Stratege im NRW-Wahlkampf ist Johannes Vogel. Die Plakate ließ er von der Berliner Agentur „Heimat“ entwerfen. Ein genialer Wurf, meinen viele.

Johannes Vogel hat das Kunststück fertiggebracht, mit Mitte 30 einen politischen Neuanfang hinzulegen. Ihn ein „Talent“ zu nennen, ist fast schon eine Beleidigung.

Er war schon mit 27 Bundestagsabgeordneter – Spezialgebiet: Arbeitsmarktpolitik – , flog 2013 mit den Liberalen aus diesem Parlament raus und malochte wie ein Besessener: tagsüber in einem neuen Beruf und nach Feierabend für die Partei. Frank-Jürgen Weise, damals Chef der Bundesagentur für Arbeit, gab Vogel die Leitung einer Strategieabteilung und später die Geschäftsführung der Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal mit rund 300 Mitarbeitern.

Der Politiker weckt Vetrauen

Eine „Horizonterweiterung“ nennt Vogel diese Zeit, die er ähnlich intensiv empfand wie seinen Zivildienst als Rettungssanitäter. Der „Kundenkontakt“ war lehrreich: „Menschen, die sich umschulen, Hausfrauen, die sich qualifizieren, Flüchtlinge, die hier Fuß fassen wollen“, erinnert sich der Politiker, der seit Kurzem wieder dem Bundestag angehört.

Jung, smart, ehrgeizig – es gibt Parallelen zwischen Linder und Vogel. Beide sind rhetorisch so versiert, dass sie einen Saal mit 2000 Gästen trefflich unterhalten können. Aber während Lindner wie ein Entertainer rüberkommt, der mit allen Wassern gewaschen ist, vermittelt Vogel den Eindruck, man könne ihm jederzeit ein Geheimnis anvertrauen. Mitgefühl traut man ihm zu, eine Eigenschaft, die lange nicht zur DNA der Liberalen gehörte.

Freiheit und Menschlichkeit

Wofür steht Johannes Vogel? Wohl kaum für die eindimensionale, vorwiegend marktliberale FDP der 1990er-Jahre unter Wolfgang Gerhardt. Eher für eine Kombination von Freiheit und Menschlichkeit. „Die Partei entwickelt sich weiter“, sagt er, „wir sprechen freiheitsliebende Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensvorstellungen an.“ Die FDP sei keine Klientelpartei, sie müsse strategisch unabhängig von anderen Parteien sein.

Ein festes Vorbild, zu dem er aufschaue, habe er nicht, betont er, nennt aber den Namen des liberalen Urgesteins Gerhart Baum: „Dessen optimistische Gestaltungslust inspiriert mich.“ Baum, einst Bundesinnenminister in einer sozialliberalen Koalition, gehört zu den engagiertesten Bürgerrechtlern der Liberalen und zu den erklärten Gegnern ausufernder staatlicher Überwachung.

Kein Anhängsel der Union

Die FDP, wie manche es tun, als eine Art Unterstützungstruppe der Union zu sehen, diese Vorstellung ist Vogel ein Graus. Er musste im Bundestag erleben, wie sich CDU/CSU und FDP zwischen 2009 und 2013 „im Klein-Klein verloren“. Die Zusammenarbeit sei nicht verlässlich gewesen, Vogel nennt dieses Bündnis sogar eine „dysfunktionale Regierung“. „Vielleicht hätten wir schon früh, 2010, die Notbremse ziehen müssen. Das wäre eine Frage der Selbstachtung gewesen.“ Seitdem, sagt er, orientiere er sich mehr denn je an dem Grundsatz, den jeder Stratege beherzigen muss: „Denke über den Tag hinaus.“

Zum Jahresende fuhr Johannes Vogel überraschend einen Frontalangriff auf NRW-Ministerpräsident Armin Laschet: Der Christdemokrat habe während der „Jamaika“-Verhandlungen in Berlin „NRW-Industriearbeitsplätze auf dem schwarz-grünen Koalitionsaltar geopfert“. Laschet ließ den kühnen Vorwurf unkommentiert, soll aber, wie Beobachter erzählen, nicht amüsiert gewesen sein. Die Episode wirft ein Licht darauf, dass Johannes Vogel neben seiner freundlichen noch eine andere Seite hat. Er beißt zu. Nicht immer, aber immer mal wieder.

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