Immer mehr Menschen fehlt Strom

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An Rhein und Ruhr. Immer mehr Menschen in Deutschland werden Gas und Strom gesperrt, weil sie die Rechnungen nicht zahlen können. Das geht aus dem „Monitoringbericht 2014“ der Bundesnetzagentur hervor. Verbraucherschützer erwarten eine Fortsetzung dieses Trends, die Linkspartei fordert ein gesetzliches Verbot von Stromsperren.

Laut dem Bericht der Bundesnetzagentur haben Energieversorgungsunternehmen im vergangenen Jahr bundesweit 45 890 Haushalten das Gas und 344 798 Haushalten den Strom abgedreht. In einem Haushalt leben im Schnitt 2,5 Personen. Im Vergleich zum Jahr 2011 sind die Zahlen deutlich gestiegen: beim Strom um 10,5 Prozent, beim Gas sogar um 36,6 Prozent. Beim „Bund der Energieverbraucher“ geht man davon aus, dass der Trend anhält: „Ich rechne damit, dass die Zahl der Sperren auch in diesem Jahr weiter steigen wird“, sagte der Vorsitzende Aribert Peters gestern der NRZ. Zu der Einschätzung passt, dass die Kosten für Strom und Gas auch in diesem Jahr weiter gestiegen sind, wenn auch nicht mehr in dem Maße wie in den vergangenen Jahren. Laut Bundesnetzagentur sind die durchschnittlichen Strom- und Gaspreise für Privatkunden zwischen April 2013 und April dieses Jahres um 1,3 Prozent gestiegen.

Peters bezeichnet die steigende Zahl von Gas- und Stromsperren als „Unding“ und „inakzeptabel für einen Sozialstaat in Europa“. Insbesondere im Winter seien Energiesperren eine „unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Betroffenen“. Deswegen müssten die Sperren wenigstens im Winter ausgesetzt werden, fordert Peters.

Der Energieexperte verweist auf andere europäische Länder: In Frankreich seien Energiesperren im Winter seit Februar dieses Jahres verboten, in Großbritannien gebe es Unterstützungszahlungen für finanziell schwache Haushalte.

Die Linkspartei hat vor wenigen Tagen im Bundestag einen Antrag vorgelegt, in dem sie ein Verbot von Stromsperren fordert. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Caren Lay bezeichnete es im NRZ-Gespräch als „Alarmsignal“, dass Strom für Millionen kaum noch erschwinglich sei und warf der Bundesrgierung „schweres soziales Versagen“ vor. Die Strompreise seien seit 2008 für private Haushalte um 38 Prozent gestiegen, für die Industrie nur um 13 bis 15 Prozent. Es sei ein „Anschlag auf die Menschenwürde“, dass im vergangenen Jahr „eine Million Menschen im Dunkeln saß, keine Wäsche waschen, keine warmen Mahlzeiten zubereiten konnten“, so Lay.

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