Arbeit

DGB schlägt Alarm: NRW liegt bei befristeten Jobs weit vorne

In NRW gibt es anteilig mehr befristete Jobs als in den meisten anderen Bundesländern.

In NRW gibt es anteilig mehr befristete Jobs als in den meisten anderen Bundesländern.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Essen.   Der Gewerkschaftsbund warnt: Fast jede zweite Neueinstellung in Nordrhein-Westfalen ist befristet. Nur in Rheinland-Pfalz ist der Anteil höher.

In Nordrhein-Westfalen waren im vergangenen Jahr 46,6 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen befristet. Das ist deutlich mehr als der Anteil der befristeten Neueinstellungen im Bundesdurchschnitt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW kritisiert die Praxis der Befristungen, da sie zu „großem Stress und Leistungsdruck“ führten und fordert ein Gegensteuern der Politik.

Der Gewerkschaftsbund hat Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Daraus geht hervor, dass den 46,6 Prozent befristeten Neueinstellungen in NRW 42,9 Prozent im Bundesdurchschnitt entgegenstehen. Den höchsten Anteil an Befristungen gibt es demnach in NRW in den Bereichen Erziehung und Unterricht (76,9 Prozent) und im Informations- und Kommunikationsbereich (75,7 Prozent).

Zweithöchster Anteil in Deutschland

Das Landesarbeitsministerium erklärt den höheren Anteil mit Verweis auf die Bundesagentur für Arbeit mit der „unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur der jeweiligen Regionen“.

Auch eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt zu dem Schluss, dass in NRW der Anteil von Befristungen überdurchschnittlich hoch ist. Im „Betriebspanel“ für das erste Halbjahr 2018 hat das IAB für für sämtliche Neueinstellungen – also auch die von Beamten oder geringfügig Beschäftigten – sogar einen Anteil von 51,8 Prozent ermittelt. Höher ist dieser Anteil nur in Rheinland-Pfalz.

Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtigen und befristeten Neueinstellungen ist laut IAB bundesweit mit 1,4 Millionen 2018 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben. Dank der Zunahme an Neueinstellungen insgesamt ist der Anteil der Befristungen aber gesunken.

DGB: Kettenbefristungen gehören abgeschafft

Dass fast jede sozialversicherungspflichtige Neueinstellung in NRW 2018 befristet war, ist für Sabine Graf nicht hinnehmbar. „Wer nicht weiß, wie in ein oder zwei Jahren seine berufliche Zukunft aussieht, muss oftmals auch private Wünsche unfreiwillig zurückstellen“, kritisierte die stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW gegenüber unserer Redaktion. Das gelte für die Wohnungssuche ebenso wie für die Familienplanung. Deshalb müsse die Bundesregierung jetzt liefern. „Jahrelange Kettenbefristungen und Befristungen ohne Sachgrund gehören abgeschafft“, fordert die Gewerkschafterin.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD zugesichert, Befristungen einzuschränken. Ein entsprechender Gesetzesentwurf lässt aber auch sich warten. „Das Thema steht für dieses Jahr auf der Agenda“, so eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums auf Anfrage unserer Redaktion.

Landesarbeitsminister Laumann begrüßt Reformvorhaben

Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) begrüßt die angestrebte Reform. „Das sozialversicherungspflichtige, unbefristete und nicht zuletzt tariflich entlohnte Arbeitsverhältnis sollte der Regelfall sein“, sagte Laumann unserer Redaktion. Allerdings dürfe man nicht aus dem Auge verlieren, dass der „verantwortliche Einsatz befristeter Arbeitsverhältnisse“ helfen könne, vorübergehende betriebliche Bedarfe abzudecken oder manchmal Beschäftigung überhaupt erst möglich mache.

Ob sich durch das Vorhaben kurzfristig etwas am Anteil der Befristungen ändert, ist für Experten offen. Auf der einen Seite könne es sein, dass sich Arbeitgeber auf das Gesetz vorbereiteten, so IAB-Referent Alexander Kubis. „Viele Betriebe werden auch die Befristungen im Bestand reduzieren müssen, falls das Gesetz kommt.“ Andererseits nähmen Befristungen zu, wenn sich die konjunkturellen Aussichten eintrüben.

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