Kirche

Theologe: Kirche lernt nicht aus Missbrauchsskandal

Bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2018 wurde die Aufsehen erregende Missbrauchsstudie vorgestellt und diskutiert.Dabei kam ans Licht, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige, in der Mehrzahl Jungen, missbraucht haben sollen.Foto:Arne Dedert/dpa

Bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2018 wurde die Aufsehen erregende Missbrauchsstudie vorgestellt und diskutiert.Dabei kam ans Licht, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige, in der Mehrzahl Jungen, missbraucht haben sollen.Foto:Arne Dedert/dpa

Essen.   Bischöfe streiten über die Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Der Vorstoß zu einer großen Synode scheiterte.

Der Theologe und Priester Michael Seewald wirft der katholischen Kirche nach dem Missbrauchsskandal vor, die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt zu haben. „Wie solche Verbrechen geschehen konnten und wie sie sich künftig verhindern lassen, muss nun geklärt werden“, sagte der Professor für Dogmatik an der Uni Münster der WAZ. „Es muss ganz grundsätzlich über Macht und Machtkontrolle geredet werden. Dabei geht es ans Eingemachte.“

Nachdem im letzten Herbst auf der Deutschen Bischofskonferenz eine umfangreiche Missbrauchsstudie vorgestellt wurde, streitet die katholische Kirche um den richtigen Kurs. Die Diskussionen drehen sich um Kirchenaustritte, Zölibat, Sexualmoral, Homosexualität und Machtmissbrauch.

Bischöfe sind bei Missbrauchsthema tief zerstritten

Trotz der großen Unruhe in der Kirche glaubt Seewald nicht an tiefgreifende Reformen. Zwar sei der öffentliche Druck derzeit so groß, dass viele Bischöfe Reformbereitschaft signalisieren würden, „damit wird es aber bald wieder zu Ende sein“, glaubt der 31-jährige Theologe. Eine offene und kritische Debatte würde die Kirche weiterhin aktiv verhindern. „Unbequeme Theologen werden überwacht und denunziert.“ Seewald wirft der Kurie sogar Zensur vor.

Die katholischen Oberhirten sind über den Umgang mit der Missbrauchsskandal selbst tief zerstritten. So scheiterte jüngst ein Vorstoß von vier reformorientierten Bischöfen, über die Missbrauchskrise eine nationale Synode abzuhalten am Widerstand konservativer Kleriker. Bei einer großen Veranstaltung sollten Laien, externe Experten und Bischöfe über die Krise der katholischen Kirche offen diskutieren, lautete der Vorschlag der Initiatoren, zu denen auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gehörte.

Vorschlag einer großen Debatte verhindert

Bei dieser Synode sollte es laut Medienberichten auch um die Zukunft des Zölibats und den Umgang mit Homosexualität und Machtmissbrauch gehen. In dem Vorschlag der Bischöfe aus Mainz, Speyer, Passau und Essen bei einem internen Treffen der Bischöfe in Würzburg heißt es: „Leben und Reden fallen in der Kirche weit auseinander“, nötig sei ein kirchlicher Wandel. Der Vorstoß fand aber offenbar nicht genügend Unterstützer.

Die Beharrungskräfte unter den katholischen Oberhirten seien weiterhin hoch, heißt es im Essener Bistum. Viele Bischöfe hätten den Ernst der Lage noch nicht erfasst.

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