Digitalisierung

„Digitale Modellbehörde“ bislang alles andere als papierlos

Der Weg zum papierlosen Büro ist für das NRW-Wirtschaftsministerium noch weit.

Der Weg zum papierlosen Büro ist für das NRW-Wirtschaftsministerium noch weit.

Foto: Johannes Schmitt-Tegge / dpa

Ungefähr 3700 Seiten wird in diesem Jahr jeder Mitarbeiter des Wirtschafts- und Digitalministeriums ausdrucken. Ein Ziel steht auf der Kippe

Bis Ende 2019 papierlos zu sein, dieses Ziel scheint das NRW-Wirtschafts-und Digitalministerium deutlich zu verfehlen. Der erwartete Papierverbrauch für dieses Jahr liegt pro Mitarbeiter noch bei ungefähr 3700 Seiten. Das ergab eine Antwort des NRW-Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP) auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die dieser Redaktion vorliegt. Demnach werden 528 Mitarbeiter im Jahr 2019 fast zwei Millionen Blatt Papier verbrauchen.

„Und täglich grüßt der Ankündigungsminister. In der E-Government-Strategie wurde vollmundig angekündigt, dass das Ministerium bis Ende 2019 papierlos arbeiten sollte. Der erwartete Papierverbrauch von 3700 Seiten pro Mitarbeiter in diesem Jahr spricht eine andere Sprache“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Matthi Bolte-Richter.

Haushaltsaufstellung erstmals digital abgewickelt

Im Zuge der „E-Government-Strategie“ der Landesregierung von Ende 2018 soll das Wirtschafts-und Digitalministerium in der Tat zur „digitalen Modellbehörde“ werden. „Das ist ein Durchbruch: NRW ist mit seinen Behörden wie viele andere öffentliche Verwaltungen in Deutschland spät gestartet. Jetzt aber nimmt das Land richtig Fahrt auf und wir setzen uns ehrgeizige Ziele, um in Deutschland Schrittmacher zu sein“, sagte Wirtschaftsminister Pinkwart nach Bekanntgabe der neuen Strategie.

Wie aus der Antwort auf die Anfrage der Grünen hervorgeht, seien große Schritte hin zur vollständigen Digitalisierung des Ministeriums bereits gemacht worden. So ersetze beispielsweise die elektronische Verwaltungsarbeit die bisherige Aktenführung in Papierform. Eine so genannte „E-Laufmappe“ ermögliche es, den Behördenalltag weiter zu digitalisieren. Die Haushaltsaufstellung für 2020 sei vom Ministerium erstmals vollständig digital vorgenommen worden. Auch die Ausgaben seien rückläufig: Die Kosten für Druckertoner sanken von 15,51 Euro (2017) auf 9,86 Euro (2019) pro Person.

Die Grünen fordern schnelleres handeln

Das reicht den Grünen bei weitem nicht. „Die öffentliche Verwaltung muss digitaler, bürgerfreundlicher und agiler werden“, findet der Abgeordnete Bolte-Richter. Zögernde Unternehmen bräuchten mutige und erfolgreiche Vorbilder, „um die Digitalisierung ehrgeiziger anzupacken“.

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben